Mammutaufgabe für Bremer Kliniken: Corona-Vorbereitung auf Hochtouren

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach von "Ruhe vor dem Sturm". In Bremen bereiten sich Kliniken momentan im Eiltempo auf den Anstieg der Corona-Erkrankungen vor.

Video vom 2. April 2020
Eine ältere Dame wird im Rollstuhl von zwei Krankenhelfer weg gefahren.

Die Mitarbeiter der Bremer Kliniken sehen sich in diesen Tagen mit einer ungekannten Mammutaufgabe konfrontiert. Mit Blick auf die zu erwartende steigende Zahl an Corona-Patienten müssen die Verantwortlichen innerhalb kurzer Zeit die Anzahl der Intensivbetten enorm aufstocken. Man will vorbereitet sein für jedes Szenario, auch wenn jeder Arzt und Pfleger inständig hofft, dass ihnen italienische Verhältnisse erspart bleiben. Dort wurden Kliniken kalt erwischt von der Pandemie. Die Folge: Eine völlig Überforderung der Krankenhäuser und eine hohe Zahl an Todesfällen.

In den Bremer Kliniken laufen daher die Vorbereitungen auf Hochtouren, auch beim Klinikbetreiber Gesundheit Nord. Vor der Corona-Pandemie gab es im gesamten Klinikverbund 170 Intensivbetten. Dort will man die Anzahl verdoppeln.

Die Anzahl der Betten, die heute in unseren Krankenhäusern mit Corona-Patienten belegt werden könnten, kann ich so konkret nicht nennen – denn die ändert sich ja ständig.

Karen Matiszick, Gesundheit Nord

In den Krankenhäusern kämen jeden Tag neue Betten hinzu. Ein Novum und ein Kraftakt für alle Beteiligten. Leer stehende Bereiche, beispielsweise im Altbau des Klinikums Bremen-Mitte würden wieder aufgerüstet, so die Geno-Sprecherin Matiszick. Dort schaffe man momentan zusätzliche Stationen.

Genug Platz ist auf jeden Fall vorhanden, genug Betten haben wir auch – der Engpass sind bisher Beatmungsgeräte, zusätzliche Monitore und sonstiges Material. Ob und wie schnell es gelingt, die Zahl der belegbaren Intensivbetten zu verdoppeln, hängt also auch davon ab, wie viele zusätzliche Geräte wir beschaffen können.

Karen Matiszick, Gesundheit Nord

Auch im Roten Kreuz Krankenhaus in der Bremer Neustadt liegt der Fokus auf der raschen Verfügbarkeit von Betten für Intensiv-Patienten. Dort wurde inzwischen eine zweite Notaufnahme eingerichtet und die Intensivstation erweitert. Zudem könne man im RKK weitere Stationen sukzessive freiräumen, teilt die Sprecherin Dorothee Weihe mit.

Wir haben das komplette Krankenhaus einmal auf links gedreht.

Dorothee Weihe, Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen

Das Bremerhavener Klinikum Reinkenheide sucht indes Freiwillige, die das Krankenhaus in der Coronakrise unterstützen wollen. Interessierte, egal ob mit medizinischer Ausbildung oder nicht, können sich registrieren. Ob und wie sie eingesetzt werden, steht aber noch nicht fest.

In den vergangenen Tagen hätten sich bereits viele Freiwillige gemeldet, die bei der Bewältigung der Coronakrise helfen wollen, teilt die Klinik mit. Allerdings sei aktuell nicht absehbar, inwiefern weitere Hilfe benötigt werde. Um aber für den Ernstfall gerüstet zu sein, sammelt die Klinik ab sofort die Kontaktdaten möglicher Helfer.

Gesundheitsressort will im Kampf gegen Corona mehr investieren

Video vom 27. März 2020
Die Gesundheitssenatorin Claudia Bernahrd bei einer Pressekonferenz im Bremer Rathaus. Hinter ihr steht einen Gebärdendolmetscherin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 02. April 2020, 19:30 Uhr