"Mit dem Klimawandel haben diese Stürme nichts zu tun"

Zwei heftige Herbststürme in kurzer Zeit: Das ist ungewöhnlich. Aber es ist keine Folge des Klimawandels, sagen Experten. Der habe bei uns andere Konsequenzen.

Ein umgestürzter Baum liegt quer auf einem Fußweg am Osterdeich.
Dieser Baum am Osterdeich konnte Sturm Xavier nicht standhalten. Weil die Bäume noch voller Laub sind, boten sie dem Wind mehr Angriffsfläche als bei Stürmen im Winter.

Tausende umgestürzte Bäume, mehrere Verletzte und sogar Tote, dazu ein riesiges Bahnchaos, das Pendler zur Verzweiflung trieb: Die Bilanz der Stürme "Sebastian" vom 13. September und nun "Xavier" ist verheerend. Ist das nun schon ein Vorbote des viel beschworenen Klimawandels?

Extrem-Sturm war Wetterkapriole

"Mit dem Klimawandel haben diese Stürme nichts zu tun", sagt Mojib Latif, Klimaexperte vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. "Das war eine Wetterkapriole."

Xavier war ein sogenannter Schnellläufer. Diese Stürme entwickeln sich sehr schnell am Rande eines Tiefs. Auch der Sturm Kyrill gehörte in diese Kategorie.

Sie sind extrem stark und ziehen auch extrem schnell. Sie können innerhalb von 48 Stunden bis zu 5.000 Kilometer zurücklegen und sind maximal einen Tag vorher überhaupt prognostizierbar.

Mojib Latif, Klimaforscher

Sturmtief Xavier: Orkanböen und Chaos in Norddeutschland

Umgewehter Baum auf Auto hinter Polizeiabsperrung

Anders als unsere Stürme in Norddeutschland sehe es allerdings bei den gefürchteten Hurrikans aus, die immer wieder die Küsten Mittelamerikas heimsuchten, sagt Jonas Viering vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Unterschied zu Hurrikans: Deren Stärke nimmt deutlich zu

"Es ist Konsens, dass in der Karibik die Stärke der Hurrikans zunimmt, denn tropische Wirbelstürme ziehen ihre Energie aus der Wärme des Oberflächenwassers", sagt er. Und dieses steige durch die Erderwärmung. "Bei uns aber spielt das warme Oberflächenwasser einfach keine Rolle", so Viering.

Klar sei aber: Der Klimawandel habe schon begonnen, und auch wir im Norden Deutschlands spürten seine Auswirkungen. "Es gibt mehr extreme Wetterereignisse wie heftige Gewitter, Starkregen und auch lokale Tornados", so Latif. Solche Extreme gebe es zunehmend weltweit und auch in Europa. So errechneten Forscher, dass die Anzahl von Rekord-Regenfällen seit 1901 um 31 Prozent zugenommen habe. Im Jahr 2010 sei statistisch gesehen einer von vier solcher Regenfälle durch die Klimaerwärmung entstanden.

Meeresspiegelanstieg ist besonders problematisch

Wie genau sich die Lage in Norddeutschland entwickeln werde, sei allerdings nur schwer zu berechnen, so Viering. "Forscher brauchen ein Mindestmaß an Ereignissen, um daraus fundierte Ableitungen zu ziehen", sagt Viering. Daher sei es schwierig, solche Tendenzen auf kleinere Regionen wie etwa Norddeutschland herunterzubrechen. "Das heißt nicht, dass es dort nicht passiert", sagt Viering. "Es heißt nur, dass wir es nicht klar sagen können."

Gut zu beobachten sei aber, welche Folgen der Anstieg des Meeresspiegels heute schon habe, so Latif: "Der steigt ja seit Jahren, und im Extremfall zählt hier jeder Zentimeter."

  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: butenunbinnen, 6. Oktober 2017, 19.30 Uhr