Drei Fragen und Antworten zur Verbrennung von Klärschlamm

In Bremen könnte eine Verbrennungsanlage für Klärschlamm entstehen. Ist das eine Gefahr? Muss wirklich verbrannt werden, und gibt es Vorteile? Drei Antworten.

Getrockneter und zerkleinerter Klärschlamm als braunes Granulat auf einer Handfläche.
Wenn Klärschlamm getrocknet wird, kann er verbrannt werden, was Vorteile für die Umwelt hat. Bild: Imago | Melanie Bauer
Ist die Verbrennung von Klärschlamm gefährlich?
Klärschlamm ist ein Abfallprodukt aus den Klärwerken, in denen alles aufgefangen wird, was Menschen ins Abwasser geben: Fäkalien, Arzneimittel-Rückstände, Waschmittel, Weichmacher, Nanopartikel und vieles mehr. Im Laufe der Abwasseraufbereitung sinken Partikel auf den Boden und bilden dort den Klärschlamm, der zahlreiche problematische chemische Verbindungen enthält.

Die organischen Verbindungen im Klärschlamm würden bei Temperaturen um 850 Grad komplett zerstört, sagt Bernhard Böhm von der Münchner Stadtentwässerung. In der Bayerischen Landeshauptstadt wird Klärschlamm verbrannt. In der Asche seien dann die anorganischen Stoffe wie Schwermetalle und Salze gebunden, so Böhm weiter. Die Asche kommt auf ein Depot.

Die Abgase der Verbrennungsanlagen werden in technisch komplizierten Verfahren gereinigt. Ein Hauptaugenmerk bei der sogenannten Rauchgasreinigung liegt auf dem Schwefeldioxid. Jedoch kann auch diese grundsätzlich giftige Verbindung aus der Abluft gefiltert werden. In der Klärschlammverbrennungsanlage Buchenhofen bei Wuppertal beispielsweise werden nach eigenen Angaben die gesetzlichen Emissionsgrenzwerte deutlich unterschritten. Werden die gesetzlich vorgeschriebenen Emissionswerte nicht eingehalten, kann der Verbrennungsanlage die Betriebserlaubnis entzogen werden.

Sind alle Vorschriften berücksichtigt und wird die Technik richtig bedient, finden sich auf den Internetseiten des Bundesumweltamtes oder anderer Behörden keine Hinweise, dass die Verbrennung von Klärschlamm gefährlich sei. Von buten un binnen angefragte Umweltverbände äußerten sich zum Thema nicht.
Ein Trecker verteilt Dung auf einem Feld.
Ab 2030 darf kein Klärschlamm mehr auf die Felder. Bild: Imago | McPhoto
Warum muss Klärschlamm verbrannt werden?
Ab 2030 gilt eine neue Verordnung, wonach Klärschlamm nicht mehr in der Landwirtschaft zum Düngen der Felder benutzt werden darf. Das ist heute beispielsweise beim Anbau von Futtermittel erlaubt. Ziel des Verbots ist auch ein besserer Schutz des Grundwassers, in dem sich zunehmend Medikamentenrückstände finden und das mit Nitrat belastet ist. Für beides wird eine Überdüngung der Felder verantwortlich gemacht.
Gibt es weitere Vorteile, wenn Klärschlamm verbrannt wird?
Abgesehen vom Gewässerschutz kann die Verbrennung von Klärschlamm die Umwelt schonen. So können solche Anlagen die beim Verbrennen entstehende Hitze in das Fernwärmenetz einspeisen oder Strom erzeugen und so zur Energiewende beitragen. Wird zudem in einer Anlage nur Klärschlamm verbrannt, kann aus der Asche Phosphor recycelt werden. Phosphor ist eine knappe Ressource, die Basis für Dünger in der Landwirtschaft ist. Würde man dieses Wiedergewinnungsverfahren konsequent einsetzen, könnten hierzulande mehr als 67.000 Tonnen Phosphor aus Klärschlamm recycelt werden – das ist etwa die Hälfte der Phosphat-Dünger-Importe nach Deutschland.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Dezember 2017, 19:30 Uhr