Interview

Wissenschaftssenatorin: Uni Bremen soll Tradition und Neugier bewahren

Bremer Universität feiert 50. Geburtstag

Video vom 15. Oktober 2021
Die Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling im Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Seit 50 Jahren existiert die Universität Bremen. Zum Jubiläumstag erzählt Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling, was sie die Zukunft der Uni sieht.

Ein halbes Jahrhundert Geschichte hat die Universität Bremen bereits hinter sich. Eine relativ junge Universität, wenn man sie mit anderen in Deutschland vergleicht. Und doch hat sie einiges in den vergangenen Jahren erlebt. Wie wird ihr Zukunft? Welche Schwerpunkte setzt die Politik für ihre Entwicklung in den nächsten 50 Jahren? buten un binnen hat darüber mit Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) gesprochen.

Frau Schilling, ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich die Universität Bremen in den nächsten Jahren entwickeln?
Ich habe keine Glaskugel, ich denke und erwarte aber, dass die großen Trends die Universität Bremen auch in Zukunft prägen werden. Zunächst aber einmal hoffe ich, dass die Uni sich ihre Stärken erhält: Neugier, Offenheit für die Förderung junger und vielfältiger Talente sowie ihre Tradition, Forschung und Lehre im Studium nah zueinander zu bringen und gerade die Themen aufzugreifen, die gesellschaftlich wichtig sind. Mir fällt der Klimawandel ein ebenso wie der soziale Wandel, seine Ursachen und Folgen.
Wichtig wird auch die weitere Internationalisierung sein. Und die weitere Digitalisierung. Wir haben das gerade in der Pandemie erfahren, die Digitalisierung hat es der Universität Bremen ermöglicht, auch in dieser Ausnahmesituation Forschung und Lehre aufrecht zu erhalten. In Zukunft kommt es darauf an, aus diesen Erfahrungen zu lernen. Welche Elemente der digitalen Lehre etwa wollen wir erhalten und ausbauen und wie können wir das ausgestalten, ohne auf den unmittelbaren persönlichen Kontakt auf dem Campus zu verzichten. Es geht daher nicht um ein entweder oder, um Digitalisierung oder Präsenz. Der Fortschritt liegt in einer Mischung aus beiden Formaten.
Die Universität Bremen hat 2019 den Exzellenz-Titel verloren. Halten Sie es für denkbar, dass sie ihn bald wiedererlangt? Und wie?
Richtig ist, dass die Universität Bremen kein zweites Exzellenz Cluster gewonnen hat und sie daher die Voraussetzungen nicht erfüllte, um am Wettbewerb um den Titel der Exzellenzuniversität teilzunehmen. Aber die Meereswissenschaften sind nach wie vor mit einem Exzellenzcluster vertreten und bei der DFG [Deutsche Forschungsgemeinschaft] ist die Universität Bremen immer unter den antragsstärksten Hochschulen gelistet.
Auf die nächste Runde der Exzellenzinitiative, die 2025 entschieden wird, bereitet sich die Universität Bremen gerade vor. Wir unterstützen diesen Prozess bis 2025 mit 2,9 Millionen Euro pro Jahr und werden zusätzliche Professuren zur Verstärkung entsprechend widmen. Gemeinsam mit dem Rektorat der Universität stellen wir uns daher so auf, dass wir in der nächsten Runde erfolgreich sein können. Das ist ein Wettbewerb auf höchstem Niveau, aber ich bin mir sicher, dass wir unsere Stärken zur Geltung bringen werden.
Der Bremer Wissenschaftsplan 2025 sieht vor, dass mehr Geld in das Wissenschaftsbudget fließt. Nach Corona sollen es jedoch etwa 100 Millionen weniger sein als ursprünglich geplant. Wie wollen Sie dann Bremen als wissenschaftlichen Standort voranbringen?
Zunächst einmal hat der Senat mit den Haushaltsbeschlüssen für 2022/23 und der mittelfristigen Finanzplanung für 2024/25 einen starken Schwerpunkt im Wissenschaftsbereich gesetzt und damit diesen Bereich überzeugend gestärkt. 2023 werden wir die Haushalte der Hochschulen um zehn Prozent gegenüber dem Jahr 2021 gestärkt haben. Auch dies fand schon unter ganz schwierigen Rahmenbedingungen statt, und zwar unter coronabedingt rückläufigen Steuereinnahmen. Von einem "weniger" kann daher keine Rede sein, sondern wir setzen Zuwächse um.
Sehen Sie kurzfristig Reformbedarf und, wenn ja, in welchem Bereich der Universität?
Ich sehe keine Reformbedarfe, ich sehe Entwicklungschancen. Wichtige Entwicklungsthemen haben wir im Wissenschaftsplan 2025 benannt und hier auch teilweise schon angesprochen. Wir sollten die Internationalisierung weiter verstärken, die Chancen der Digitalisierung nutzen und das wichtige Thema der Chancengerechtigkeit weiter ausbauen. Auch hier liegt die Universität Bremen schon ziemlich gut im Rennen und wurde 2018 als eine von 10 Hochschulen für ihr Gleichstellungskonzept ausgezeichnet. Das ist gut und ein wichtiger Erfolg langjähriger Anstrengung.
Aber auch hier gibt es noch viel zu tun. Aus meiner Sicht ist es wichtig, den Anteil der Professorinnen weiter zu stärken und mehr Frauen für das Studium der sogenannten MINT-Fächer, also Mathe, Informatik und Naturwissenschaften, zu gewinnen. Auch hieran arbeiten wir gemeinsam mit dem Rektorat.

Von der roten Kaderschmiede zur Exzellenz: 50 Jahre Universität Bremen

Video vom 11. Oktober 2021
Janos Kereszti ist im Uni-Archiv mit Leiterin Sigrid Dauks.
Bild: Radio Bremen
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Wird der Plan, ein Drittel der Universität in die Innenstadt zu verlegen, aufgehen?
Wir haben im Senat einen Planungsprozess beschlossen und den werden wir jetzt zunächst sauber umsetzen, um danach die notwendigen Beschlüsse gemeinsam zu fällen. Ich habe aber die feste Überzeugung, dass die Uni mit ihren vielen jungen Menschen der Innenstadt wichtige Impulse geben kann. Und dass die Innenstadt für eine so gesellschaftlich offene Universität, wie es die Universität Bremen schon immer war, ein geradezu idealer zusätzlicher Standort ist.
Für viele Fachprofile liegen spannende Kooperationspartner in der Innenstadt, denken Sie nur an die Bereiche Medien, Gesundheit oder Gesellschaft und Politik. Wenn es gelingt, die Rahmenbedingungen entsprechend auszugestalten, kann das eine historische Weichenstellung werden, die die Universität Bremen in den zweiten 50 Jahren ihres Bestehens nachhaltig prägt.
Tut Bremen genug, um Studenten anzulocken?
Bremen tut schon viel, aber wir werden künftig noch mehr tun müssen, weil der demografische Wandel dazu führt, dass es einen stärkeren Wettbewerb um Studierende geben wird. Letztlich muss das Gesamtpaket stimmen. Das beginnt beim Studienangebot, reicht über die Ausgestaltung des Einschreibeprozesses bis hin zum Studierenden- und Standortmarketing. Wir sind hierzu im kontinuierlichen Austausch mit den Rektoraten und setzen auch immer wieder wichtige Akzente.
Wird es irgendwann ein Medizinstudium in Bremen geben?
Das Thema haben wir natürlich im Blick. Klar ist uns aber auch, dass die Planung eines Medizinstudiums hier in Bremen nur mit einem Partner möglich ist, der die hohen Investitionskosten und Betriebskosten trägt. Dieser Partner müsste seinerseits bereit sein, eng mit den bestehenden Kliniken hier in Bremen zusammenzuarbeiten. Jedenfalls sofern er nicht eine eigene Uniklinik aufbauen möchte.
Wir halten die Augen offen und wären bereit, einen gemeinsamen Weg mit einem investitionsbereiten Partner zu gehen. Aber nach unserer derzeitigen Einschätzung ist es eher unwahrscheinlich, dass wir kurzfristig da eine konkrete Entwicklung machen können.

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Autorin

  • Serena Bilanceri Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Oktober 2021, 19:30 Uhr