Deshalb sollten Fußgänger bei Gewitter hüpfen

Auch in Bremen gewittert es in diesem Jahr häufig. Und dann? Wann muss man Schutz suchen, wieso kann telefonieren gefährlich sein und wie laufe ich am besten nach Hause?

Gewitterwolken.

1 Zählen, rechnen und man weiß, wo das Gewitter ist

Graf Zahl lässt grüßen: In der Tat kann durch eine einfache Rechenaufgabe herausgefunden werden, wie weit das Gewitter noch entfernt ist. Sobald es blitzt, im Sekundentakt zählen bis der Donner folgt. Diese Zahl durch Drei geteilt ergibt die Distanz in Kilometern. Wenn es bereits nach weniger als neun Sekunden donnert, sollte laut Deutschem Wetterdienst dringend Schutz gesucht werden – denn dann ist das Gewitter näher als drei Kilometer. Erst wenn seit einer halben Stunde gar kein Donner mehr gegrollt hat, ist das Gewitter vorbei.

2 Runter von Fahrrad oder Motorrad

Im Auto kann man sicher den Heimweg antreten oder fortsetzen. Wer aber mit dem Fahrrad oder Motorrad unterwegs ist, sollte laut Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e. V. (VDE) lieber absteigen und abwarten. Denn das Metall in den Zweirädern leitet den Strom, die Gummireifen schützen nicht vor einem eventuellen Blitzeinschlag. Außerdem sei es ebenso wichtig, mindestens drei Meter Sicherheitsabstand zum Fahrzeug einzuhalten, um sich bei einem Einschlag zu schützen.

Für Fußgänger gilt: Ist ein Gewitter plötzlich direkt über einem, sollte man nicht rennen, sondern mit geschlossenen Beinen hüpfen! Denn sollte in der Nähe ein Blitz einschlagen, wird der Strom nicht über den einen Fuß vom Boden durch den Körper in den anderen Fuß geleitet. Das wäre lebensgefährlich.

3 Ab ins Haus und alle Stecker ziehen

Zwar haben die meisten Häuser mittlerweile einen Blitzableiter, Pflicht ist dieser aber erst seit 2016 und auch nur für Gebäude über 20 Meter, öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser und alte Häuser mit Stroh- oder Holzdach.

In Gebäuden mit Blitzschutzsystemen besteht für Mensch, Tier und Technik prinzipiell keine Gefahr.

Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V., Broschüre "Blitze – So können Sie sich schützen"

Ohne kann es gefährlich werden, zum Beispiel beim Telefonieren mit dem guten alten Festnetztelefon. Denn bei einem Blitzeinschlag steigt die Spannung in den Stromleitungen drastisch an. Wem ohne TV und Stereoanlage langweilig wird, solle sich laut des VDE übrigens auch nicht unbedingt unter der Dusche die Zeit vertreiben: Gerade in älteren Häusern sind die Leitungen manchmal mit Metall verkleidet – ein gefundenes Fressen für Blitze.

4 Vor Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen

Der Klassiker unter den Gewittersprüchen – und der gefährlichste. Denn alle Bäume sollten laut dem Deutschen Wetterdienst unbedingt gemieden werden, wenn es blitzt und donnert.

Die zerklüftete Oberflächenstruktur der Eiche ist im nassen Zustand besonders empfänglich für Blitzentladungen, die auch ihre sichtbaren Spuren in Form von abgesprengter Rinde oder Ästen hinterlassen. Die glatte Buchenrinde leitet hingegen den Blitz eher direkt in den Boden ab, ohne dass dabei sichtbare Schäden entstehen. Die Gefahr für den Schutzsuchenden ist in beiden Fällen jedoch gleich groß.

Quelle: Deutscher Wetterdienst Online, Gewitter Verhaltensregeln

Ein Blitz sucht sich zum Entladen den höchsten Punkt, und den auch gerne mehr als einmal. Neben Hochhäusern in der Stadt und freistehenden Häusern auf dem Land gehören auch Bäume dazu. Die Energie des Blitzes kann übrigens bis in die Spitzen der Wurzeln vordringen und so auch den Boden mehrere Meter rund um den Baum elektrisieren. Das heißt: Abstand halten! Vor zehn Jahren ist in Süddeutschland eine schutzsuchende Kuhherde von einem einzigen Blitz getötet worden, da sie um einen Baum stand.

5 Flach auf den Boden legen

Wer möglichst flach am Boden ist, ist sicherer vor Blitzeinschlägen – das stimmt. Regenschirme sind mit ihrer hohen Metallspitze bei Gewitter deswegen gar keine gute Idee. Aber: Wer liegt, bietet dem Blitz mehr Angriffsfläche. Sowohl der VDE als auch der Deutsche Wetterdienst empfehlen, sich hinzuhocken. Füße zusammen, möglichst klein zusammenrollen, am besten in eine Mulde. So macht man es dem Blitz ganz schön schwer, gezielt zu treffen. In den Bergen entladen sich übrigens besonders viele Gewitter. In Deutschland ist zum Beispiel Sachsen mit dem Erzgebirge Spitzenreiter bei sogenannten Erdblitzen: 2,06 Blitzeinschläge pro Jahr und Quadratkilometer. Schlusslicht ist das Land Bremen. Die Wahrscheinlichkeit am Alpenrand vom Blitz getroffen zu werden ist außerdem acht Mal höher als im flachen Norden.

6 Raus aus dem Wasser

Unbedingt! Denn während die reguläre Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden bei 1:6.000.000 liegt, erhöht sie sich in und auf dem Wasser. Zwar werde ein Mensch eher nicht direkt vom Blitz getroffen, aber Wasser leitet Strom in "mehr als 100 Meter Entfernung vom Einschlagsort", erklärt der VDE in seiner Onlinebroschüre zu Blitzsicherheit. Übrigens ist laut Wetterforschern der Universität São Paolo der Ort mit weltweit den meisten Blitzen pro Jahr ein See: Über dem Lake Maracaibo in Venezuela blitzt es pro Jahr und Quadratkilometer mehr als 230 Mal, dazu zählen auch Blitzeinschläge.

Autorin

  • Katharina Kuntze

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 20. Juni 2019, 23:30 Uhr