Fragen & Antworten

Wie gesund ist der Fisch auf unserem Tisch?

Missstände in der Fleischproduktion sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Wie ist das beim Fisch? Die Bremer Verbraucherzentrale gibt Tipps, worauf man beim Kauf achten sollte.

Ein zubereiteter Fisch auf einem Teller neben Gemüse.
Antibiotika im Hähnchenfleisch, Listerien in der Wurst – welche Probleme gibt es beim Fisch? Bild: Imago | Panthermedia
Woher kommt unser Fisch?
Nur etwa 14 Prozent des Fisches, den wir essen, kommt aus Deutschland. Der Rest wird importiert aus aller Welt. Aus welchem Fanggebiet der Fisch kommt, ob er aus einer Zucht stammt oder frei gelebt hat, muss erkennbar sein. Denn Lebensmittel unterliegen der Kennzeichnungspflicht. Und wer weiß, aus welchem Fanggebiet der Fisch kommt, kann zum Beispiel bei Greenpeace im Netz nachsehen, welche Arten in diesem Fanggebiet überfischt sind.
Was heißt Aquakultur?
Etwa ein Drittel der Fischbestände weltweit sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation überfischt. Weitere 60 Prozent gelten als maximal befischt. Um unseren Hunger auf Fisch trotzdem zu stillen, werden Fische zunehmend in schwimmenden Gehegen gezüchtet – in Meeren genauso wie in Teichen. Allein in Niedersachsen gibt es rund 200 Betriebe, die Forellen, Karpfen, Aale und Welse herstellen. Einige von ihnen auch in Bioqualität.

Biosiegel gibt es auch für Seefische  – aber eben nur aus Aquakulturen. Und das liegt daran, weil man nur in den Gehegen kontrollieren kann, was die Tiere fressen und wie sie leben. Und bei Aquakulturen soll das Biosiegel auch sicherstellen, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, sagt die Bremer Fischhändlerin und Fischsommelière Petra Koch-Bodes.

Die Besatzdichte ist geringer, das heißt die Fische haben weniger Stress, weil sie sich nicht ihren Platz erkämpfen müssen. Bei Bio kann ich mir einfach sicher sein, was ich bei anderen nochmal deutlicher hinterfragen muss.

Petra Koch-Bodes, Fischsommelière
Was bringen die Fisch-Gütesiegel?
Eine Hilfe für Verbraucher, denen nachhaltige Fischerei wichtig ist, sollen zwei Gütesiegel sein – das MSC-Siegel für Seefisch und das ASC-Siegel für Zuchtfische. Beide sind allerdings umstritten. Beispiel MSC: Der Marine Stewardship Council ist eine gemeinnützige Organisation, die unter anderem prüfen lässt, ob Fischerei-Betriebe das Ökosystem schützen und nur so viel fischen, dass die Bestände nicht gefährdet werden. Umweltorganisationen kritisieren aber, dass die Firmen nicht intensiv genug überprüft werden und dass das begehrte Siegel deshalb viel zu schnell vergeben werde. Eine Folge: Betriebe mit MSC-Siegel dürften munter auch dort weiter fischen, wo die Bestände gefährdet sind. Für den Verbraucher sei das Siegel aber immerhin ein Anhaltspunkt, sagt Sonja Pannenbecker von der Bremer Verbraucherzentrale.
Worauf kann man als Verbraucher achten?
Wenn man einen ganzen Fisch vor sich hat, sollte man darauf achten, ob die Augen noch prall und leuchtend aussehen, sagt Sonja Pannenbecker von der Bremer Verbraucherzentrale. Auch die Kiemen sollten frisch aussehen – glänzend und kräftig rot. "Und es sollte, wenn es sich um Seefisch handelt, auch nach Meer riechen und nicht nach Fisch. Sobald es fischig riecht, sollte man kritisch werden." Das geht natürlich nur direkt am Kutter oder an der Frischetheke im Fachhandel oder im Supermarkt. Wenn der Fisch eingepackt in der Tiefkühltruhe liegt, muss man darauf vertrauen, dass Produzenten und Händler die Kühlkette eingehalten haben.
Wer kontrolliert die Qualität?
Beim Institut für Fische und Fischereierzeugnisse in Cuxhaven, einer Einrichtung des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, werden täglich Fische, Krebs- und Weichtiere aus Norddeutschland untersucht – frische direkt vom Kutter, tiefgekühlte aus dem Discounter, Filets von der Frischetheke, aber auch bereits fertig zubereitete aus Restaurants.

Der Fisch kommt zu uns über die Veterinär- und Lebensmittelüberwachung der kommunalen Behörden in den Landkreisen oder den kreisfreien Städten. Das heißt, unsere Einsender sind die Kollegen Tierärzte und Tierärztinnen aus den Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämtern. Die nehmen Proben in ihrem Einzugsbereich.

Dr. Edda Bartelt, Leiterin Institut für Fische und Fischereierzeugnisse

Und diese Proben werden in Cuxhaven zum Beispiel auf Salmonellen, Listerien und Viren untersucht – Krankheitserreger, die nicht vom Fisch kommen, sondern von den Menschen, die ihn berühren. Und darauf, ob der Fisch schon erste Spuren von Fäulnis zeigt. Das ist deshalb so wichtig, weil Fisch schnell verderben kann, sagt Sonja Pannenbecker von der Verbraucherzentrale in Bremen. "Fisch ist ein hoch sensibles Lebensmittel, auch durch den hohen Wasseranteil, es ist sehr anfällig für Mikroorganismen."

Die bisherigen Kontrollen reichen aber nicht aus, kritisiert die Verbraucherorganisation Foodwatch. Auch der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure hat nach dem Skandal um verdorbene Wurst aus Hessen letzten Herbst Alarm geschlagen: Mit seinen 2.500 Mitarbeitern schaffe der Verband nicht einmal die Hälfte der notwendigen Kontrollen. Es müssten mindestens 1.500 mehr sein.

So viel Fisch wurde 2018 in Deutschland pro Kopf eingekauft

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Womit sind Fische belastet?
Rund 2.700 Proben haben die Cuxhavener Forscher 2018 untersucht: Auf Verunreinigungen durch Viren und Bakterien, aber auch darauf, ob sie mit Schwermetallen oder Rückständen von Pestiziden oder Medikamenten belastet sind. Bei knapp acht Prozent gab es Beanstandungen. Das sind immerhin rund 200 Fälle.

Die zunehmende Industrialisierung der Welt geht an den Gewässern nicht spurlos vorbei. Das Bundeszentrum für Ernährung hat 2018 aber festgestellt, dass der essbare Anteil der handelsüblichen Seefische nur geringe Mengen an Blei, Cadmium oder Quecksilber in sich trägt. Ausnahmen sind langlebige Fische an der Spitze der Nahrungskette wie z.B. Hai, weißer Heilbutt oder Thunfisch. Sie haben oft einen höheren Quecksilbergehalt. Deshalb sind sie beispielsweise für Schwangere nicht geeignet.
Gibt es noch andere Verunreinigungen?
Einen Sonderfall gibt es sozusagen vor unserer Haustür: In der Nord- und Ostsee lagern laut Thünen-Institut Millionen Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg, geschätzte 1,6 Millionen Tonnen allein in deutschen Gewässern. Experten des Instituts haben vor Kiel über längere Zeit Klieschen untersucht. Das Ergebnis: Viele der Tiere dort haben Tumore an der Leber. Ob die Munition der Auslöser ist und ob es Auswirkungen auf den Menschen gibt, ist noch unklar.

Auch der Plastikmüll in den Meeren ist ein zunehmendes Problem. Eine Stichproben-Untersuchung im Auftrag von Greenpeace aus dem letzten Jahr hat in zwei von drei Heringen und in sechs von zehn Austern Mikroplastik gefunden.

Fischmarktfavoriten in Deutschland

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Sollte man deshalb lieber auf Fisch verzichten?
Obwohl es immer mal wieder vorkommt, dass Dr. Edda Bartelt und ihre Kollegen verunreinigte Fische auf den Labortisch bekommen, müsse man deswegen nicht grundsätzlich auf Fisch verzichten, sagt die Expertin. Im Gegenteil. Die Produzenten achteten sehr auf Qualität.

Es wird sehr viel auf Qualität geachtet, auch seitens der Einführer, der Fischindustrie. Eben weil es so sehr leicht verderblich ist, so dass man schon aus diesem Grund ein eigenes Interesse daran hat, gute Ware zu produzieren.

Dr. Edda Bartelt, Leiterin Institut für Fische und Fischereierzeugnisse

Ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche gelten als gesund, so die Bremer Verbraucherzentrale. Weil besonders Seefische wertvolle Omega-3-Fettsäuren haben.

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Autorin

  • Claudia Scholz

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 28. Februar 2020, 14:40 Uhr