Die Niederlande gewinnen den ESC – und 5 weitere Fakten

Mitfavorit Duncan Laurence hat das Finale des Eurovision Song Contest gewonnen. Deutschland landete auf Rang 24. Wussten Sie, dass ausgerechnet Bremens einzige ESC-Teilnehmerin gestern was Besseres vor hatte?

Duncan Laurence gewinnt ESC
Der niederländische Sänger Duncan Larence hat den ESC gewonnen. Bild: DPA | Vyacheslav Prokofyev

1 S!sters: 24. in Tel Aviv, aber Siegerin in Bremen

Laurita Spinelli und Carlotta Truman von "Sisters" beim ESC in Tel Aviv.
Laurita Spinelli und Carlotta Truman vertreten dieses Jahr Deutschland beim ESC in Israel. Bild: DPA | Geisler-Fotopress

Zugegeben: So richtig groß waren die Chancen für Laura Kästel und Carlotta Truman nicht, tatsächlich den ESC 2019 zu gewinnen. Bei den Buchmachern lagen sie schon vorher auf dem letzten Platz. Sie wurden Drittletzte, immerhin. Von den europaweiten Fernsehzuschauern gab es jedoch null Punkte für den deutschen Beitrag, was Moderatorin Bar Refaeli beim Vorlesen sichtlich leidtat: "I'm sorry", sagte das Model. Beim Jury-Durchlauf waren insgesamt nur 32 Punkte für S!sters zusammengekommen. Zum Vergleich: Sieger Niederlande hatte am Ende 492 Punkte.

Das Duo S!sters, wurde 2019 für die deutsche Vorentscheidung zum ESC zusammengestellt – dabei sind sie gar keine Schwestern. Carlotta Truman, die eine Hälfte von S!sters, ist in Bremen keine Unbekannte. Die gebürtige Hannoveranerin trat 2013 im Roland-Center beim "Kids Song-Contest" an – und gewann. Unter den Juroren: Ross Anthony, ehemaliges Bandmitglied der Casting-Gruppe BroSis und mittlerweile Schlagersänger. Schon zuvor hatte Truman sich bei der Casting-Sendung "Das Supertalent" beworben und kam bis ins Finale. Auch bei "The Voice Kids" schaffte sie es in die letzte Rund und belegte den zweiten Platz.

2 Corinna May: die ehemalige Bremer ESC-Hoffnung

Corinna May
Die Bremerin Corinna May trat 2002 für Deutschland beim ESC in Tallinn an. Und kam auf Platz 21. Bild: CJC-Event | C.Janz

Die Bremer Sängerin Corinna May nahm 1999 an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil. Zwar belegte ihr Song "Hör den Kindern einfach zu" zunächst den ersten Platz. Allerdings war das Lied zuvor schon vom Komponisten veröffentlicht worden – ein klarer Verstoß gegen die ESC-Regeln. Ein Jahr später unternahm sie einen zweiten Anlauf. Ihr Song "I Believe in God" belegte allerdings Platz zwei – hinter Stefan Raab. 2002 klappte es endlich: Allerdings reichte es im estnischen Tallin nur für Platz 21 (von 24). Heute interessiert sich May nach eigenen Angaben nur noch bedingt für den ESC. Sie empfinde den Wettbewerb nicht mehr als Schaulaufen der Komponisten, der er mal war.

Für mich ist das eher uninteressant geworden, vor allem, weil inzwischen besonderer Wert auf die Optik gelegt wird und weniger auf die Musik.

Corinna May, Sängerin

Einen Favorit hatte sie deshalb dieses Jahr auch nicht, drückte aber den deutschen Teilnehmerinnen die Daumen – zumal sie Carlotta, die eine Hälfte von S!sters, schon als Teenager kennengelernt habe und große Stücke auf sie halte. Das Finale hat May am Samstag nicht verfolgt, sie trat stattdessen als Überraschungsgast auf einer privaten Party auf. Doch ganz lässt sie der ESC nicht los: Im Juni wird sie bei der UNESCON dabei sein, dem dreitägigen ESC-Fan-Festival in Hannover.

3 Favorit aus den Niederlagen gewinnt

Die Niederlande gewannen zum fünften Mal in der Geschichte des Wettbewerbs nach 1957, 1959, 1969 und 1975. Die Liebeskummerballade "Arcade" des 25 Jahre alten Interpreten Duncan Laurence traf vor allem den Geschmack der TV-Zuschauer. "Wir sind stolz auf Duncan Laurence, der Europa mit musikalischer Klasse erobert hat, den Niederlanden zum ersten Mal seit 44 Jahren den Gewinn beschert hat und das Songfestival im kommenden Jahr in die Niederlande holt!", schrieben König Willem-Alexander und Königin Máxima auf Twitter.

Auf Platz zwei kam am Ende Italien vor Russland und Platz vier erreichte die Schweiz mit Luca Hänni, der 2012 die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen hatte.

4 Island fällt auf – aber nicht musikalisch

Der Eurovision Song Contest fand in Tel Aviv statt, weil die israelische Sängerin Netta Barzilai im vergangenen Jahr mit ihrem außergewöhnlichen Song "Toy" gesiegt hatte. Für echte Misstöne in der Show sorgte dieses Mal die isländische Musik- und Performance-Gruppe Hatari. Es gab wütende Buhrufe in der Halle, als die Gruppe bei der Bekanntgabe ihres Punkteergebnisses Banner mit der Aufschrift "Palestine" (Palästina) hochhielt.

5 1,15 Millionen für einen Madonna-Auftritt

Madonna bei ihrem Auftritt in der Pause des ESC-Wettbewerbs in Tel Aviv.
Der Auftritt von Madonna wurde von den meisten Zuschauern als enttäuschend bewertet: dünne Stimme, lahme Show. Bild: Handout

Superstar Madonna trat während der Abstimmungsphase auf und sang etwas schief ihren 30 Jahre alten Hit "Like a prayer". Sie präsentierte außerdem einen neuen Song: "Future". Nach Angaben der britischen PR-Firma Number 10 strategies trug der israelisch-kanadische Geschäftsmann Sylvan Adams die Kosten für Madonnas Auftritt – schätzungsweise rund 1,15 Millionen Euro. Den gehässigen Kommentaren in den Sozialen Netzwerken zufolge aber wohl keine Investition, die sich gelohnt hatte.

6 Peter Urban: Mister Grand Prix

Er ist die ESC-Stimme: Peter Urban. In Tel Aviv führte er die deutschen Fernsehzuschauer zum 22. Mal einen Song Contest – nur im Jahr 2009 konnte er aus gesundheitlichen Gründen die Sendung nicht kommentieren. Seit mehr als 40 Jahren ist der mittlerweile 70-jährige Musikjournalist beim NDR, hat seine Doktorarbeit zur Poesie des Rocks geschrieben und steht mit seiner eigenen Band auf der Bühne.

Als Urban 1997 das erste Mal den ESC kommentierte, hieß der Wettbewerb noch "Grand Prix Eurovision de la Chanson". Damals flogen nur Peter Urban und ein Kollege aus der Redaktion zum Wettbewerb – heute reist er mit einem Team von 30 Leuten.

  • Jakob Patzke

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 14. Mai 2019, 18:10 Uhr