1981 brach in Bremen der Deich: So schützt sich Bremen heute davor

Bremen diskutiert über Konsequenzen aus Hochwasserkatastrophe

Audio vom 18. Juli 2021
Ein Deich mit Bäumen während einer Sturmflut.
Bild: DPA | Imagebroker
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Kürzlich sagte die Senatorin Maike Schaefer, die Überflutungskatastrophe erinnere sie an den Deichbruch 1981 in Habenhausen. Worauf heute geachtet werden muss.

Es war ein Tag, der den Anwesenden für immer in Erinnerung bleiben sollte. Am 15. März 1981 trat die Weser in Habenhausen über das Ufer. Die Wassermasse riss mit ihrer Kraft Bäume und Autos weg und zerstörte binnen wenigen Tagen laut Medienberichten 150 Parzellenhäuser. Am Sommerdeich bei Habenhausen bildete sich ein neuer Weserzweig, der durch das Kleingärtengebiet floss und es komplett überschwemmte. Die Schneise war am Ende breiter als die Weser selbst.

An diese Katastrophe fühlte sich Umweltsenatorin Maike Schaefer erinnert, als sie die Überschwemmungen in Westdeutschland sah, wie sie kürzlich auf dem Landesparteitag der Grünen erwähnte. Wäre jedoch eine solche Notsituation in Bremen heute noch möglich?

Zwischen den damaligen und den heutigen Ereignissen gibt es einige grundlegende Unterschiede. Der Deichbruch und die folgenden Überschwemmungen sind damals nicht nur durch starke Niederschläge und den schmelzenden Schnee aus den Mittelgebirgen verursacht worden, sondern auch durch einen Defekt des alten Weserwehrs. Bei den Ereignissen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben andere Faktoren eine Rolle gespielt: Sturzregen binnen kürzester Zeit, eine hügelige Landschaft, die Schlammlawinen und Sturzbäche begünstigt, durch anhaltende Niederschläge gesättigte Böden.

"Wir haben hier in Bremen ganz andere Verhältnisse bei der Gebiets- und Landschaftsstruktur. Das Wasser kann sich nicht so schnell auftürmen zu Sturzbächen, so würde ich das einschätzen", sagt dazu Michael Dierks, Geschäftsführer des Deichvereins Links der Weser. Was häufiger in Bremen vorkomme, sei eher, dass Tunnel vollliefen.

Es heißt aber nicht, dass Bremen hochwassersicher ist.

Michael Dierks
Michael Dierks, Geschäftsführer des Deichvereins Links der Weser

Altes Weserwehr funktionierte nicht richtig

"1981 war das letzte Hochwasserereignis, bei dem in Bremen tatsächlich etwas passiert ist", sagt Wilhelm Koldehofe, Referatsleiter für Hochwasserschutz im Bremer Umweltressort. "Die heutige Wehranlage in Hemelingen ist neu gebaut worden. Damals gab es noch eine alte Anlage, die nicht richtig funktioniert hat. Das Wasser kam aus der Mittelweser Richtung Bremen, staute sich vor der Wehranlage auf und konnte nicht richtig abfließen. Es hat sich dann einen neuen Weg gesucht." Der neue Weg lief über den Stadtwerder, über die Kleinhäuser und die Gartengebiete hinweg, und mündete in die Unterweser.

Damals ist fast ein neuer Flusslauf entstanden.

Wilhelm Koldenhofe, Bau- und Umweltressort, zuständig für Küstenschutz im Interview bei buten un binnen.
Wilhelm Koldehofe, Referatsleiter für Hochwasserschutz

Problematisch sei zudem gewesen, dass das alte Weserwehr nicht so leistungsfähig war wie das heutige, sagt Dierks. "Es konnte nicht so viel Wasser abführen von der Mittel- in die Unterweser."

Zwei wichtige Änderungen

Das alte Weserwehr verfügte über zwei Wehrfelder, eines hat jedoch damals nicht richtig funktioniert, erzählt Koldehofe. Daher konnte weniger Wasser durch das Wehr ablaufen, und die Wassermassen haben sich aufgestaut. Das heutige Weserwehr, das nach der Katastrophe vom Bund aufgebaut wurde, hat hingegen fünf Öffnungen. "Wenn eine ausfällt, ist es jetzt nicht mehr so kritisch", so Koldehofe.

Dann hat man im Wesentlichen zwei Dinge gemacht: Die Wehranlage neu gebaut und den Werdersee ausgebaut.

Wilhelm Koldenhofe, Bau- und Umweltressort, zuständig für Küstenschutz im Interview bei buten un binnen.
Wilhelm Koldehofe, Referatsleiter für Hochwasserschutz

Zusätzlich habe man eine Abflussrinne durch den Werdersee geschaffen. "Damit ein Teil des Wassers nicht über die Wehranlage muss, sondern durch den Werdersee Richtung Teerhof fließt und dann über die kleine Weser in die Unterweser." Das bestätigt Michael Dierks. "Man hat damals massive Baumaßnahmen ergriffen: Zum einen diesen Durchbruch abgedämmt, eine neue Spundwand gebaut, die Deiche wieder hergerichtet, den Werdersee verlängert und die Flutmulde anders ausgebildet." Ein neues Naturschutzgebiet ist entstanden.

All das soll sicherstellen, dass sich die Ereignisse von 1981 nicht wiederholen. "Davon gehen wir aus", versichert Koldehofe. Inzwischen habe es wieder Hochwasser gegeben, auch wenn offenbar nicht im selben Ausmaß wie damals. "Ganz risikoarm", bestätigt Dierks. "Da würde es keine Gefährdung geben für die Deiche."

Heutiger Fokus liegt woanders

Heute liegt der Fokus beim Hochwasserschutz in Bremen ganz woanders, und zwar auf Sturmfluten aus der Nordsee. Diese können die Weser hochlaufen und für Überschwemmungen sorgen. "Durch die Vertiefung der Weser zur Schiffbarmachung laufen die Sturmfluten viel schneller zu Bremen ein als es vor dieser Korrektion der Fall war", erläutert Dierks.

Die Deiche, die gegen Binnenhochwasser – und das war auch das Thema am Rhein – schützen sollen, die sind im Grunde alle hoch genug. Aber die Deiche, die gegen Sturmfluten schützen, die müssen erhöht werden.

Wilhelm Koldenhofe, Bau- und Umweltressort, zuständig für Küstenschutz im Interview bei buten un binnen.
Wilhelm Koldehofe, Referatsleiter für Hochwasserschutz

Der Generalplan Küstenschutz legt die Deiche in Bremen und Niedersachsen fest, an denen Handlungsbedarf besteht. "Wir sind kontinuierlich dabei, seit ungefähr 2009, diese Deichabschnitte zu erhöhen, das ist mehr oder weniger ein Dauerprogramm", sagt Koldehofe. In Bremen seien vor allem die Deiche links und rechts der Unterweser und in Bremerhaven die parallel zur Unterweser davon betroffen.

Insgesamt schützen etwa 80 Kilometer Deiche Bremen und Bremerhaven vor Sturmfluten.

Wilhelm Koldenhofe, Bau- und Umweltressort, zuständig für Küstenschutz im Interview bei buten un binnen.
Wilhelm Koldehofe, Referatsleiter für Hochwasserschutz

"Wir sind jetzt in insgesamt drei Projekten mittendrin", sagt Dierks. "Schon jetzt werden die neusten Erkenntnisse vom Weltklimarat aufgegriffen und eingearbeitet." Damit sich Bremen vor eventuellen, höheren Sturmfluten schützen kann.

Rückblick: Als 1981 der Habenhausener Deich brach

Video vom 22. November 2019
Ein Bild aus 1981, auf dem Ein Baum durch Überflutungen im Wasser versinkt.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 18. Juli 2021, 21 Uhr