Das passiert mit den übrig gebliebenen Böllern

Drei Verkaufstage pro Jahr, ein deutschlandweiter Umsatz von rund 140 Millionen jährlich: Die Feuerwerksindustrie hat einen eigenen Rhythmus. Und auch nach Silvester gut zu tun.

Feuerwerksraketen im Verkauf
Bei guter Lagerung lange haltbar: Diese Rakten können also auch 2018 noch gezündet werden.

Am 1. Januar werden sie noch vereinzelt von ein paar nimmersatten Pyromanen durch die Straßen gepfeffert, doch spätestens am Folgetag sind ihre Tage erst einmal wieder gezählt: Silvesterböller. Trotz ihrer kurzen Verweildauer sind sie jedoch jedes Jahr ein riesiges Geschäft. 137 Millionen Euro haben Deutsche laut einer Schätzung des Verbands der pyrotechnischen Industrie zu diesem Jahreswechsel ausgegeben.

Auch das Bremerhavener Unternehmen Comet verdient so sein Geld. Was mit nicht verkauften Böllern passiert und was die Firma den Rest des Jahres macht, erklärt Geschäftsführer Richard Eickel.

Was passiert eigentlich mit den Böllern, die in den Discountern liegen geblieben sind?
Wir liefern die Artikel nicht nur in einer kurzen Zeitperiode zwischen der 50. und 51. Kalenderwoche aus, sondern holen diese nach erfolgter Retourenmeldung des Handels auch wieder zurück. Erst nach Rückholung sowie Begutachtung der Retoure können wir abschätzen, was an neuer Ware aus Fernost benötigt wird. Die Begutachtung beziehungsweise auch Aufarbeitung der Retourenware ist ein langwieriger Prozess, der sich aber dennoch rentiert.
Kann man die zurückgeschickten Böller wiederverwenden?
Auch diese werden begutachtet und bei ordnungsgemäßem Zustand wieder eingelagert. Sie lassen sich bei entsprechenden äußeren Bedingungen, wie zum Beispiel trockener Aufbewahrung und natürlich nicht in der Nähe von Zündquellen, nahezu unbegrenzt lagern und nutzen.
Comet-Geschäftsführer Richard Eickel in einer Comet-Lagerhalle.
Comet-Geschäftsführer Richard Eickel in einer der Lagerhallen in Bremerhaven. Bild: Comet GmbH
Haben Böller denn eine Art Haltbarkeitsdatum? Werden sie irgendwann weniger sicher, oder funktionieren einfach nicht mehr?
Es gibt für Feuerwerk kein Haltbarkeitsdatum. Bei richtiger Lagerung verlieren sie auch nicht an Sicherheit oder Funktionalität. Richtig inspiziert werden müssen sie aber natürlich schon.
Was macht eine Feuerwerksfirma denn jetzt das ganze Jahr bis zur nächsten Silvesterfeier?
Nach Silvester ist vor Silvester. Die Herausforderungen liegen für uns in der extrem kurzen Zeitspanne für den Verkauf unserer Produkte, der zeitgerechten Produktionssteuerung sowie der aufwendigen Logistik. Alle Aktivitäten des Jahres steuern letztlich auf die drei Verkaufstage am Jahresende hin. Bis Ende Februar laufen die Retouren in Bremerhaven auf. Erst zu diesem Zeitpunkt kennen wir den Umsatz des Vorjahres. Die Bearbeitung der nicht verkauften Artikel zeigt, welche Produkte gut gelaufen sind. Die Ergebnisse schlagen sich in der Gestaltung der Produktpalette für das neue Jahr nieder. Im Frühsommer treffen die Feuerwerksprodukte schließlich per Seefracht von Hong Kong in Bremerhaven ein. Millionen einzelne Feuerwerksartikel werden dann in den Folgemonaten vor Ort konfektioniert.
  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 3. Januar 2018, 23:20 Uhr