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Wieder ein "weltgrößtes Schiff" – wie groß werden die Pötte noch?

In Bremerhaven kennt man das: Das weltgrößte Containerschiff hat angelegt – aktuell die "MSC Gülsün". Die Länge ist ausgereizt. Schiffe wachsen jetzt in die Breite. Wie lange geht das gut?

Das größte Containerschiff der Welt, das sich in Bremerhavener Haven befindet.

Sie heißt "MSC Gülsün" und ist gigantisch: fast 400 Meter lang, mehr als 61 Meter breit, 23.756 Container kann sie tragen. Damit gilt das im Juli vom Stapel gelaufene Schiff als das aktuell weltgrößte. Die Länge von Containerschiffen ist inzwischen ausgereizt, da tut sich seit Jahren nicht mehr viel. Auch die "MSC Gülsün" ist vor allem wegen ihrer immensen Breite ein Gigant.

Nun hat das Schiff der Genfer Reederei MSC erstmals Bremerhaven angelaufen. "Weltgrößte Schiffe" kennt man in der Stadt. Hier liegt einer der größten Containerhäfen Europas, Riesen-Schiffe gehören quasi zum Bild. Und die Terminals und Kajen wachsen seit Jahrzehnten mit den Schiffen mit: Zuerst wurden die Schiffe und Kajen immer länger, mittlerweile spielt sich das Wachstum in der Breite ab. Der Anlauf der "MSC Gülsün" ist aber für den Eurogate-Sprecher nicht wirklich etwas Besonders. "Wir sind da ganz entspannt", sagt Steffen Leuthold, Sprecher des Terminalbetreibers Eurogate.

So breit sind die Schiffe im Vergleich:

Grafische Darstellung von Containerschiffen im Vergleich zu Schiffsbreiten KLICKE A UF DIE SCHIFFS N AMEN 61,55 Meter M S C G Ü L S Ü N 56,40 Meter E M M A M A E R S K 19,20 Meter F A I R L A N D S E U T E D E E R N 11,30 Meter Seute Deern F airland Emma Maersk MSC Gülsün

Initiative gegen immer größere Schiffe

Der Hafen in Bremerhaven ist auf den ersten Blick gar nicht groß genug für die "MSC Gülsün" – oder besser: nicht tief genug. Maximal 16,5 Meter Wassertiefe dürfen Schiffe haben, die Bremerhaven anlaufen. Die "Gülsün" hat aber 17 Meter. "Das gilt aber nur, wenn das Schiff voll beladen ist", sagt Leuthold. Hier würde Bremerhaven an seine Grenzen stoßen. "Wir liegen aber an einer Route, an der immer wieder be- und entladen wird." Darum würden fast nie voll beladene Schiffe anlegen.

Das wird nicht wirtschaftlicher, auch für den Reeder nicht. Im Gegenteil: Die haben jetzt auch festgestellt, dass kleinere Containerschiffe viel wirtschaftlicher zu betreiben sind.

Michael Westhagemann, Wirtschaftssenator Hamburg

Doch so entspannt wie der Terminalbetreiber Eurogate sieht das nicht jeder. Im Gegenteil: Immer größere Schiffe sehen viele als Problem. Erst kürzlich kündigte der hamburgische Wirtschaftssenator Michael Westhagemann an, eine EU-Initiative gegen noch größere Schiffe zu starten. "Das wird nicht wirtschaftlicher, auch für den Reeder nicht. Im Gegenteil: Die haben jetzt auch festgestellt, dass kleinere Containerschiffe viel wirtschaftlicher zu betreiben sind", sagte der Senator dem NDR.

Für wen lohnen sich die Riesenschiffe?

Burkhard Lemper
Laut Burkhard Lemper profitieren Reeder von immer größeren Schiffen. Bild: privat

Die Aussagen des hamburgischen Senators würde Burkhard Lemper, Geschäftsführer des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen, so pauschal nicht unterschreiben. Sein Institut hatte an einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum Thema mitgewirkt. Eines der Ergebnisse: Für die Reedereien lohne sich das Wachstum durchaus. "Es gibt auch in diesen Größenklassen noch geringe Skaleneffekte, es muss weniger Energie und Personal pro Container eingesetzt werden", sagt Lemper.

Die Effekte gebe es aber nur, wenn die Schiffe einigermaßen voll beladen seien. Und das sind sie offenbar: "Die großen Reedereien sind im Großen und Ganzen wieder im Plus. Die Frachtraten sind nicht mehr auf Tiefstniveau, die Reeder haben die Kosten besser in den Griff bekommen. Die Lage ist für die Linien insgesamt gar nicht mehr so schlecht", so Lemper weiter.

Für die Häfen könne es aber komplizierter werden – und teuer: Lemper nennt zusätzliche Infrastrukturkosten in den Häfen und im Hinterland, außerdem könnte es Staueffekte durch eine Konzentration auf weniger Häfen geben.

Eurogate: Es wird Veränderungen im Hafenbetrieb geben

Steffen Leuthold
Eurogate-Sprecher Leuthold ist sicher, dass das Wachstum weitergeht. Bild: Eurogate

Eurogate-Sprecher Steffen Leuthold ist sich trotzdem sicher: "Das Wachstum wird weitergehen, die Chinesen werden noch größere Schiffe bauen." Doch irgendwann könne Bremerhaven dann doch auch Probleme bekommen: "Bei der Wassertiefe, aber auch bei der Höhe der Containerbrücken." Auch für den Hafenbetrieb werde es Veränderungen geben. "Die großen Schiffe ersetzen dann vielleicht zwei kleinere – und sie machen mit einem Schiff deutlich mehr Arbeit." Leuthoff ist trotzdem "sehr zuversichtlich", dass die bremischen Häfen mithalten werden – dass sich an dem Trend viel ändern ließe, glaubt Leuthold ohnehin nicht.

Das Wachstum wird weitergehen, die Chinesen werden noch größere Schiffe bauen.

Steffen Leuthold, Sprecher Eurogate

So lang sind die Schiffe im Vergleich:

Grafische Darstellung von verschiedenen Containerschiffen im Vergleich zur Länge und maximalen Beladung Beladung in TEU = Anzahl der Container KLICKE A UF DIE SCHIFFS N AMEN MSC GÜLSÜN 23.500 TEU 399,9 Meter 397 Meter EM M A M AERSK 14.770 TEU F AIR L AND 226 TEU 142 Meter 61,45 Meter SEUTE DEERN 44,7 TEU Seute Deern F airland Emma Maersk MSC Gülsün

Bergung der "MSC Zoe"-Container

 Das Msc-Schiff auf dem Meer.

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  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. August 2018, 19.30 Uhr