Interview

Beschlagnahmt – und dann? Was geschieht mit Cannabis-Pflanzen?

Erst ein Rekordfund im Frühjahr. Jetzt hat die Polizei in Bremen-Sebaldsbrück wieder eine riesige Cannabis-Plantage entdeckt. Aber was passiert eigentlich mit den Pflanzen?

Eine Justitia-Figur mit Cannabisblättern.
Das Aufdecken illegaler Plantagen ist der Job der Polizei. Was dann mit den Pflanzen geschieht, entscheidet die Staatsanwaltschaft. Bild: Imago | Star-Media

Immer häufiger entdeckt die Polizei in Bremen Cannabis-Plantagen. 2015 wurden noch 31 Plantagen ausgehoben, 2017 waren es 50 entdeckte Anlagen. Außerdem werden die aufgedeckten Plantagen laut Landeskriminalamt auch immer größer.

Im vergangenen Frühjahr ging der Bremer Polizei ihr bisheriger Rekordfund ins Netz. Rund 20.000 Pflanzen konnte die Polizei in Bremen-Blumenthal in einer einzigen Indoor-Plantage sicherstellen. Dabei handelte es sich zum großen Teil um Setzlinge und nicht um ausgewachsene Pflanzen.

Doch was passiert eigentlich mit so viel illegal angebautem Rauschgift? Einen einfachen Weg zur Verbrennungsanlage beschreiten die Pflanzen nämlich nicht, wie Claudia Kück von der Bremer Staatsanwaltschaft verrät.

Wie lang werden Cannabis und andere Drogen denn in der Regel aufbewahrt?
Bei Drogen handelt es sich um Beweismittel für ein Strafverfahren. Das bedeutet, dass sie grundsätzlich bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens aufbewahrt werden müssen.
Claudia Kück, Staatsanwaltschaft Bremen
Claudia Kück von der Staatsanwaltschaft Bremen
Was geschieht dann mit dem Rauschgift?
Nach Abschluss eines Ermittlungsverfahrens, sei es durch Einstellung durch die Staatsanwaltschaft oder durch ein rechtskräftiges Urteil, erfolgt eine sogenannte Beweisstückregelung durch die Staatsanwaltschaft. Diese ordnet dann die Vernichtung an. Die Drogen werden im Beisein eines Polizeibeamten verbrannt. Details zum Ort und Transport können aber ebenfalls aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden.
Werden alle beschlagnahmten Rauschmittel und Gegenstände aus der Asservatenkammer verbrannt beziehungsweise zerstört?
Alle beschlagnahmten Gegenstände im Zusammenhang mit einer Indoor-Plantage werden vernichtet. Gleiches gilt für Drogen, Zigaretten, Textilien. Bis auf Alkohol. Falls er ein Markenprodukt und verwertungsfähig ist, wird er auf Zoll-Auktionen weiterverkauft. Oder von Fachbetrieben entsorgt.
Das beschlagnahmte Marihuana ist häufig ziemlich hochwertig und aufwendig produziert. Warum kann es nicht als Arzneimittel verwendet werden?
Das sichergestellte Marihuana kann nicht entsprechend zertifiziert werden, da die Anbaubedingungen unklar sind. Es ist zum Beispiel nicht klar, welche Düngemittel verwendet wurden und ob diese gesundheitlich unbedenklich sind.
Dennoch wird die Qualität des Rauschmittels geprüft. Warum?
Der festgestellte Wirkstoffgehalt der Drogen ist ein maßgebliches Kriterium für die Schuldfeststellung. Zudem richtet sich hiernach, ob die sogenannte "nicht geringe Menge" im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes überschritten wurde und somit ein Verbrechenstatbestand mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr vorliegt.
Werden beschlagnahmte Drogen denn manchmal auch für anderweitige Zwecke verwendet?
Ja, in geringem Maße werden Drogen zu Ausbildungszwecken für Rauschgiftspürhunde verwendet.

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  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. März 2018, 19:30 Uhr