Fragen & Antworten

Wie kommen Urlauber aus Bremen an Corona-Tests?

Die Kapazitäten für Corona-Tests sind im Risikogebiet Bremen knapp. Einige Bundesländer verlangen aber einen negativen Test. Wo bekommt man ihn, was kostet er? Eine Übersicht.

Reisende auf einem Bahnsteig mit Muns-Nase-Masken.
Es sind harte Zeiten für Urlauber und Reisende: Auch innerhalb Deutschlands müssen sie auf die jeweiligen Corona-Vorschriften am Zielort achten. (Symbolbild) Bild: DPA | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress

Die Herbstferien haben in Bremen gerade angefangen. Doch der Urlaubsspaß könnte für viele durch die neuen Corona-Verordnungen getrübt sein. Die meisten deutschen Bundesländer haben sich am Wochenende für ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten entschieden – allerdings mit einem Flickenteppich an Regeln.

Bremen will sich dem Verbot nicht anschließen, allerdings hat die Hansestadt vergangene Woche die Obergrenze beim Corona-Inzidenzwert geknackt und ist damit zum Corona-Hotspot geworden. Bremer Urlauber werden also einen negativen, nicht älter als 48 Stunden Corona-Test benötigen, um in die meisten Bundesländer zu reisen. Doch wo sollen sie einen Test bekommen, wenn die Laborkapazitäten im Land schon an ihren Grenzen sind?

Selbst unter Ärzten herrscht Verwirrung. Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbandes, beklagt eine unklare Kommunikation auf politischer Ebene. "Es ist einfach nicht gut organisiert, nicht gut regelt. Man weiß nicht, wer genau dafür zuständig ist." Das belaste das gesamte System.

Die Behörde sagt, dass man den Test braucht – nicht aber, wo man ihn kriegen kann. Die Menschen verstopfen dann die Leitungen.

Hans-Michael Mühlenfeld vom Hausärzteverband Bremen  im buten un binnen Studio.
Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbandes
Wo haben Urlauber Chancen auf einen Corona-Test?
Die ersten Ansprechpartner sind für viele momentan die Hausärzte. "Es gibt derzeit keine zentrale Anlaufstelle", bestätigt der Sprecher des Gesundheitsressorts, Lukas Fuhrmann. Bei Ärzten, die "einen solchen Test als Selbstzahlerleistung anbieten" dürfe man grundsätzlich nachfragen, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB), Christoph Fox. Geschäftsreisende, die einen Test benötigen, sollten sich am besten zunächst an ihren Arbeitgeber wenden, empfiehlt das Gesundheitsressort.
Außerdem gibt es in Bremen eine Corona-Ambulanz für Selbstzahlende, die von den Johannitern (JUH) geführt wird. Hier können sich asymptomatische Menschen testen lassen – unter anderem Urlauber und Geschäftsreisende. "Aktuell haben wir natürlich viele (fast panische) Urlaubsreisende dabei", erzählt die Sprecherin, Nicole Baumann. Termine werden nach telefonischer Absprache oder online vergeben.

Die JUH hat Anfang August als erste Hilfsorganisation in Bremen kostenpflichtige Tests für jedermann angeboten. In der Regel waren dies Personen, die beruflich ins Ausland reisen mussten oder Firmen, die ihre Mitarbeiter haben testen lassen, weil in den Unternehmen bereits Corona-Fälle verzeichnet wurden.

Nicole Baumann, Sprecherin der Johanniter

Wer in Bremen keine Teststelle findet, kann jedoch ins Umland ausweichen – vorausgesetzt, dass dort die Test-Kapazitäten ausreichen. Im niedersächsischen Visbek führt eine Tierarztpraxis ebenfalls Corona-Tests bei Menschen durch. Auf Anfrage von buten un binnen gab die Tierklinik allerdings keine Rückmeldung. In Bremen sind dem Tierärztelandesverband (bpt) keine Tiermediziner bekannt, die eine solche Leistung anbieten. Die Entnahme der Proben an sich wäre rein theoretisch machbar, erläutert die Vorsitzende Katja Lohmann-Müller. "Das Problem ist, dass die Labore oft nicht entsprechend anerkannt sind."

Wer braucht einen Test?
Offenbar herrscht Unklarheit über die Frage, wer einen Test braucht. Im Internet kursieren teilweise widersprüchliche Informationen. Das Bundespresseamt klärt auf: Ob auch Geschäftsreisende oder nur Urlauber vom Beherbergungsverbot betroffen sind, hängt vom jeweiligen Bundesland ab. Das Verbot zu definieren ist letztendlich Ländersache. Daher sollten sich Reisende – egal aus welchem Grund – vor der Abfahrt über die Vorschriften im Zielland informieren. Das geht in der Regel auf den Internetseiten der Bundesländer.
Wie viel kostet der Test und wie lange dauert es bis zum Ergebnis?
Je nach Arzt können unterschiedliche Gebühren anfallen. Nicht selten sind um die 100 Euro notwendig. Wie lange es dauert, bis das Ergebnis da ist, variiert je nach Auslastung. Momentan schwanke die Zeitspanne zwischen 12 und 72 Stunden, erklärt Mühlenfeld.
In der Regel könnte das Ergebnis schon am nächsten Tag vorliegen. "Aufgrund des enormen Ansturms sowohl bei uns als auch beim Gesundheitsamt kann es momentan in Einzelfällen einen Tag länger dauern", sagt Johanniter-Sprecherin Baumann. Derzeit würden sich zwischen 70 und 130 Menschen pro Tag bei ihnen testen lassen.
Gerade ist die Auslastung der Labore in Bremen insgesamt extrem hoch, wie das Gesundheitsressort bestätigt.

Die Laborkapazitäten im Land Bremen sind weitgehend ausgeschöpft. Es gibt zwar einen kleinen Puffer, dieser ist jedoch wichtig, um auf mögliche Ausbruchsgeschehen oder Cluster reagieren zu können.

Lukas Fuhrmann
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde

Wer keinen Test rechtzeitig bekommt, kann daher im Augenblick wenig tun. "In der jetzigen Situation ist das Problem kaum aufzulösen", bestätigt KVHB-Sprecher Fox. Die Kassenärztliche Vereinigung hofft auf Entlastung, sobald die Antigen-Schnelltests zur Verfügung stehen.

Welche Tests werden akzeptiert?
In der Regel ist mit "Corona-Test" ein PCR-Test gemeint, auch molekularbiologischer Test genannt. Antigen-Tests, sogenannte Schnelltests, beruhen auf einem anderen Prinzip. Allerdings bestimmen auch in diesem Fall die einzelnen Länder, was als negativer Corona-Test akzeptiert wird und was nicht. Niedersachsen verlangt beispielsweise einen molekularbiologischen Test.

Beherbergungsverbot: Das machen die Bremer in ihren Herbstferien

Video vom 10. Oktober 2020
Vier Personen laufen auf einem Gehweg und ziehen zwei schwarze Koffer hinter sich her.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Oktober 2020, 19:30 Uhr