So befreien Sie sich aus einem sinkenden Auto

Audio vom 5. August 2021
Nur noch die Heckklappe ist am 03.06.2013 in Rosenheim (Bayern) im Ortsteil Oberwöhr von einem Auto zu sehen, das von Überschwemmungen erfasst wurde.
Bild: DPA | Tobias Hase
Bild: DPA | Tobias Hase

In Oldenburg sind zwei Männer mit dem Auto in die Haaren gestürzt und konnten sich selbst befreien. Ein Experte der Feuerwehr erklärt, was bei so einem Unfall wichtig ist.

Es ist eine Situation wie aus einem Albtraum: Eine Sekunde unaufmerksam, ein kleiner Schwächeanfall, und dann sitzt man in einer Blechkiste, die langsam im Wasser versinkt. Dass dieser Traum wahr wird, ist zwar eher unwahrscheinlich – aber wenn es doch passieren sollte, hat Jörn Hagedorn, Referatsleiter Atemschutz und Tauchen bei der Feuerwehr Bremen, vor allem einen Tipp: "Ruhe bewahren."

Denn die meisten Autos sind heutzutage so gut abgedichtet, dass sie einige Minuten an der Oberfläche treiben können. Trotzdem heißt es: Schnell handeln. Durch die Öffnungen der Kabel und Verbindungen dringt das Wasser nämlich vom Motorraum her in das Fahrzeug ein.

Besser Fenster als Türen

"Das Problem ist, dass die Tür sich durch den Wasserdruck in der Regel nicht mehr öffnen lässt", erklärt Hagedorn. Und selbst, wenn doch: Durch die Tür sollte man nur fliehen, wenn sich keine anderen Personen im Wagen befinden.

Wenn man die Tür öffnet, kommt das Wasser mit einem Schwall herein und das Auto ist in Sekunden gesunken. Dann haben die Mitfahrer auf dem Rücksitz keine Chance.

Jörn Hagedorn, Feuerwehr Bremen

Die bessere Wahl sind also die Fenster. "Wenn möglich, sollten Sie die Fenster öffnen und rausklettern. Wenn das nicht geht, müssen Sie versuchen, die Scheiben einzuschlagen", sagt Hagedorn. Das ist aber gar nicht so einfach: "Am besten geht das noch mit spitzen Gegenständen. Vorzugsweise natürlich mit einem Einschlaghammer, wie man ihn auch aus den Straßenbahnen kennt." Ansonsten könne man es auch mit Treten probieren – da hinge der Erfolg aber von der Kraft der Person und dem Fahrzeugtyp ab.

Zur Not: Abtauchen

Aber mal ehrlich: Wer hat schon immer einen Hammer im Handschuhfach? "Wenn man es nicht schafft, das Fenster einzuschlagen, dann kann man auch warten, bis das Auto ganz vollgelaufen ist", sagt Jörn Hagedorn. Dann lässt sich die Tür nämlich mit etwas Kraft wieder öffnen, weil das Wasser nicht mehr von außen dagegen drückt. "Aber stellen Sie sich vor, Sie sitzen da drin und wissen, dass Sie sinken. Und dann hängen Sie mit dem Gesicht unter der Decke, um noch zu atmen. Da hat man Todesangst." In dieser belastenden Situation nicht in Panik zu geraten, das sei fast unmöglich, sagt Hagedorn. "Wer das schafft, vor dem habe ich Respekt."

Sturz in die Weser – Autofahrer befreit sich selbst

Video vom 15. November 2019
Ein Schiff mit Blaulicht liegt auf dem Wasser in einem Hafenbecken.
Bild: Nonstopnews
Bild: Nonstopnews

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier News, 29. Juli 2021, 8 Uhr