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Neue AWI-Studie: Häufigere Wetterextreme sind kein Zufall

Schuld an Wetterextremen ist eindeutig der Klimawandel: AWI-Forscher haben in Bremerhaven ihre Erkenntnisse vorgestellt. Künftig wird es demnach häufiger Dürren geben.

Blick auf den ausgetrockneten Osterdeich
Ein vertrockneter Osterdeich im heißen Sommer 2018: Künftig wird man sich auf häufigere Dürren und Extremwetterlagen einstellen müssen.

Im Januar haben wir ordentlich gefroren, im vergangenen Sommer stöhnten viele über die langanhaltende Hitze: Schuld daran ist der sogenannte Jetstream, ein großer Luftstrom über der Nordhalbkugel. Der verändert seinen Kurs und verursacht so extreme Wetterphänomene. Das ist bekannt. Klimaforscher aus der ganzen Welt gehen aber seit Jahren der Frage nach, ob der immer häufiger beobachtete Schlängelkurs des Jetstreams über der Nordhalbkugel eine Folge der Klimakrise ist oder auf natürliche Schwankungen im Klimasystem zurückzuführen ist. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) können jetzt anhand eines Modells beweisen: Schuld an der Kursänderung ist der globale Klimawandel.

Was ist der Jetstream?
Als Jetstream wird ein starker Wind bezeichnet, der in etwa zehn Kilometern Höhe rund um die Erde weht und die großen Wettersysteme von West nach Ost schiebt. Er wird von den Temperaturunterschieden zwischen Tropen und Arktis angetrieben.
Was hat sich am Jetstream geändert?
Früher erreichte der Jetstream Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 500 Kilometern pro Stunde. Mittlerweile schwächt sich der Wind aber immer wieder ab. Er weht seltener auf einem geraden Kurs parallel zum Äquator, sondern schlängelt sich öfter in riesigen Wellen über die Nordhalbkugel. Das sorgt dafür, dass eine Wetterlage länger an einem Ort bleibt. Die Wellen führen im Winter zu ungewöhnlichen Kaltlufteinbrüchen aus der Arktis. Im Sommer hingegen verursacht der schwächelnde Jetstream langanhaltende Hitzewellen und Trockenheit.
Von Starkregen überraschte Passanten (Archivbild)
Auch mit Starkregen müssen wir in Zukunft öfter rechnen. Bild: DPA | Julian Stratenschulte
Was haben die Forscher herausgefunden?
Atmosphärenforscher des Alfred-Wegener-Instituts haben ein Klimamodell entwickelt, das den Schlängelkurs des Jetstreams richtig abbilden kann. Sie können die Ozonschicht als interaktives Element im Modell darstellen und so die Wechselwirkungen aus der Stratosphäre und der Ozonschicht berücksichtigen. Damit können sie beweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem schwächelnden Wind und den globalen Klimaänderungen gibt. Durch den Rückgang des Eises im Meer und der damit verbundenen größeren Aktivität atmosphärischer Wellen heizt sich die polaren Stratosphäre deutlich auf – und der Effekt wird durch das Ozon noch verstärkt. Der Jetstream wird von den tiefen polaren Temperaturen angetrieben, was zur Folge hat: Durch die Temperaturerhöhung in der Stratosphäre wird der Jetstream schwächer.
Müssen wir in Zukunft häufiger mit extremem Wetter rechnen?
Wenn die Eisdecke weiter schrumpft, wird es häufiger extreme Wetterlagen geben, die noch heftiger ausfallen können, als wir es bisher erlebt haben, sagen die Experten. Sie weisen zudem darauf hin, dass die Ergebnisse untermauern, dass die häufiger auftretenden Kaltphasen der Klimaerwärmung nicht widersprechen, sondern Teil des menschengemachten Klimawandels sind.

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  • Sonja Klanke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 28. Mai 2019, 11 Uhr