Asteroid in Erdnähe: "Wir stehen quasi unter Dauerbeschuss"

Donnerstagmorgen hat ein Asteroid relativ nah die Erde passiert. Wissenschaftler forschen an Abwehrmechanismen – und daran, Asteroiden kommerziell zu nutzen.

Asteroid 2012 TC4
Würde der Asteroid 2012 TC4 die Erde treffen, hätte das beträchtliche Folgen. Etwa so wie 2013 rund um die russische Stadt Tscheljabinsk: Ein Asteroid ähnlicher Größe läste damals schwere Stoßwellen aus – 1.500 Menschen wurden verletzt, 7.000 Gebäude beschädigt. Bild: DPA | NASA/JPL-Caltech

Es war knapp – jedenfalls für Weltraum-Maßstäbe. Tatsächlich saust der Asteroid 2012 TC4 im Abstand von 44.000 Kilometern an der Erde vorbei. Zum Vergleich: Der Mond ist rund 400.000 Kilometer entfernt. Trotzdem: Der nächste Einschlag ist nur eine Frage der Zeit.

"Wir stehen quasi unter Dauerbeschuss", sagt Andreas Vogel dazu. Der Leiter des Olbers Planetariums in Bremen will damit allerdings keine Panik schüren. Dass ein Asteroid uns trifft, der ernsthaft gefährlich für das Leben auf der Erde sein könnte, ist extrem unwahrscheinlich. Der Brocken, der das Leben der Dinosaurier beendete, hatte vermutlich einen Durchmesser von zehn Kilometern. "Das kommt statistisch nur alle 100 Millionen Jahre vor", sagt Vogel.

Szenarien zur Abwehr

Um für einen solchen Fall trotzdem vorbereitet zu sein, forschen Wissenschaftler an Abwehrmechanismen. Welcher davon zum Einsatz käme, hängt auch davon ab, wie früh ein Asteroid entdeckt wird. Im Idealfall hätte die Menschheit sogar Jahrzehnte Zeit, um sich vorzubereiten. In Frage kämen dann drei verschiedene Szenarien:

Asteroid Didymoon mit Rauchwolke
Das Bild zeigt die Simulation einer Wolke, die durch die Kollision einer Sonde auf dem Asteroiden Didymoon entstehen könnte. Bild: DPA | Esa
  1. Einschlag mit einem Satelliten: Ein großer, schwerer Satellit würde auf den Asteroiden geschossen und würde ihn so von seiner bisherigen Bahn ablenken.
  2. Abschleppen mit einem "Gravitationstraktor": Statt mit einem Einschlag abgelenkt, könnte ein Asteroid auch mit einem Satelliten abgeschleppt werden. Da Anziehungskräfte zwischen den beiden Körpern wirken, würde ein Satellit in der Nähe des Asteroiden über lange Zeit nach und nach dessen Bahn verändern.
  3. Anmalen mit weißer Farbe: Klingt absurd? Ist es aber nicht. Weiße Farbe auf einem Teil des Asteroiden würde zu unterschiedlichen Wärmezonen führen. Und die wiederum könnten auch dazu führen, den Asteroiden abzulenken.

Falls die Zeit für diese Möglichkeiten zu knapp wäre, bliebe noch immer eine Notlösung: die Atombombe. Auf oder in der Nähe des Asteroiden gezündet, könnte sie diesen zerstören oder ebenfalls aus seiner Bahn schubsen.

Ein Asteroiden-Einschlag ist eine der wenigen Naturkatastrophen, die wir als Menschen direkt beeinflussen und auch verhindern können.

Ingo Gerth, Ingenieur beim Bremer Weltraum-Unternehmen OHB

Das Bremer Raumfahrt-Unternehmen OHB ist an solchen Studien und Projekten zur Abwehr von Asteroiden beteiligt. Ingenieur Ingo Gerth sieht aber nicht nur die Gefahr, die von den fliegenden Objekten ausgeht: "Sie bergen auch gewaltige Ressourcen, die sich nutzen lassen könnten."

Kommerzielle Nutzbarkeit

Für Gerth sind Asteroiden "fliegende Diamanten". Wissenschaftler vermuten auf ihnen kostbare Rohstoffe wie Platin oder andere seltene Metalle. Andere Asteroiden könnten Wasser liefern. OHB untersuche gerade verschiedene Konzepte, um diese Ressourcen nutzbar zu machen.

Die Metalle wären auch bei uns auf der Erde begehrt. Das Wasser würde der bemannten Raumfahrt helfen. Raumschiffe müssten dann nicht mehr alle Vorräte von der Erde mitnehmen. Stattdessen könnten sie im All auftanken.

  • Sarah Kumpf

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 12. Oktober 2017, 6:20 Uhr