Wie Bremen Satelliten im All den richtigen Kick gibt

Die Ariane Group baut in Bremen bereits die Oberstufe für die Ariane-Raketen. Jetzt soll eine weitere Stufe Satelliten noch genauer ins All bringen.

Video vom 7. Juli 2020
Der Leiter der Zukunftprojekte der ArianeGroup, Sven Rakers, der eine neue Oberstufe vorstellt.
Bild: Radio Bremen

Wie der Stürmer, der im Strafraum dem langen Ball noch einmal den richtigen Kick ins Tor gibt, so soll vereinfacht auch die sogenannte Kick-Stage im All funktionieren. Statt eines Balls ist es ein Satellit – oder mehrere – und statt des Tors muss die richtige Umlaufbahn getroffen werden.

Die neue Oberstufe, die in Bremen von der Ariane Group für die künftige Ariane 6 gebaut wird, kann bereits mehrfach gezündet werden. Für einige spezielle Fälle reicht das aber nicht. Wenn es etwa darum geht, eine ganze Batterie von kleinen Satelliten in verschiedenen Umlaufbahnen auszusetzen, oder eine Sonde zu einem Asteroiden geschickt werden soll, dann gibt es den Extra-Kick.

Mit dem Extra-Kick schneller in den richtigen Orbit

Zum Einsatz kann die "Oberstufe der Oberstufe" auch dann kommen, wenn ein Satellit sich sonst mit eigenem meist eher schwachem Antrieb mühsam an seinen Platz im All bewegen würde. Dabei würde er durch schädliche Weltraumstrahlung zwei Jahre seiner Lebenszeit verlieren – noch bevor er überhaupt in Betrieb ist. Die Kick-Stage platziert den Satelliten in ein bis zwei Tagen an der richtigen Stelle.

Ein gläsernes Modell einer Oberstufe der der Ariane 6-Rakete
Ein Modell der Kick-Stage von der ArianeGroup in Bremen – mitsamt Nutzlast und Oberstufe. Bild: ArianeGroup

Zum ersten Mal zum Einsatz soll die Kick-Stage 2024 kommen. Noch hat die Ariane Group den Zuschlag für das Projekt nicht sicher. Auch OHB, das andere große Bremer Raumfahrtunternehmen bewirbt sich um den Auftrag.

Start der neuen Ariane 6 erst im kommenden Jahr

Zunächst muss aber erst mal die neue Ariane 6 ihren Jungfernflug haben. Sie wurde entwickelt, damit Europa einen eigenen Zugang zum Weltall behält. Der Markt ist hart umkämpft, die europäische Vorzeigerakete Ariane bisweilen deutlich teurer als die Konkurrenz. Aus diesem Grund muss die Ariane besser und günstiger werden.

Eigentlich sollte der erste Start Ende des Jahres sein. Doch die weltweite Corona-Pandemie verzögert auch vieles in der Raumfahrt. Die Ariane 6 wird definitiv nicht mehr in diesem Jahr vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana abheben. Das hat die europäische Raumfahrtagentur ESA bestätigt. Einen Termin für 2021 gibt es noch nicht.

Ariane 6-Rakete nach dem Start (Simulation)
Einen genauen Starttermin für den Jungfernflug der neuen Ariane 6 gibt es noch nicht. Möglicherweise wird es die zweite Jahreshälfte 2021. Bild: ArianeGroup

Autor

  • Sven Weingärtner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 7. Juli 2020, 16:35 Uhr