Bremer Boots-Boom durch die Pandemie – wohin mit dem Schiff im Winter?

Video vom 26. Oktober 2021
Ein Boot im Hafen wird aufgebockt
Bild: Volker Kölling
Bild: Volker Kölling

In der vergangenen Saison waren viele Boote im Wasser wie noch nie. Neueigner stehen jetzt aber vor einem Problem: Es fehlen Liegeplätze. So können Sie einen finden.

Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass sich die Menschen nach Urlaubs- und Freizeitmöglichkeiten im eigenen Land umgeschaut haben. Das hat zu einem wahren Wassersportboom geführt. Aber wohin im Winter mit dem schwimmenden Sommerhaus?

Was geht in den Vereinen?
Der Wassersportverein ist in der Regel die günstigste Möglichkeit, ein Boot im Sommer wie auch im Winter unterzubringen. Denn die meisten Vereine haben für ihre Mitglieder auch Bootshallen und Freilager im Angebot. Aber Vorsicht: Mit einer Mitgliedschaft in einem Verein hat man noch nicht automatisch einen Sommerliegeplatz beliebiger Größe für sein Boot am Steg – und erst recht keinen Platz in der Vereinshalle oder im Freilager. Hallenplätze sind mitunter Eigentum von Mitgliedern. Manchmal entscheiden Hallengremien über die Kandidaten für die Plätze und/oder es gibt Wartelisten. Manchmal werden Plätze mit dem Verkauf von Booten weiter "vererbt". In jedem Fall sollte man vor einem Vereinsbeitritt genau klären, was möglich ist.
Der Yachthafen mit den Winterliegeplätze von oben
Yachthafen mit Winterliegeplätzen. Bild: Volker Kölling
Wie sieht die Situation bei Bootswerften und andere kommerzielle Anbieter aus?
In Bremerhaven ist Nordsee-Yachting als flächenmäßig größter kommerzieller Winterlageranbieter auch von beheizten Hallen seit September ausgebucht. Auch Inselmann als der Spezialist für ganz große Yachten hat keinen Platz mehr. Frank Kamlade vom gleichnamigen Boots- und Yachtservice im Fischereihafen hat dieses Jahr nur noch Winterlieger aufgenommen, die seinem Werftbetrieb auch Aufträge einbringen. Die Bootswerft Winkler an der Lesum ist auch pickepackevoll und das draußen wie drinnen. Kommerzielle Winterlager-Anbieter kosten in der Regel meistens mindestens doppelt soviel wie die Unterbringung in einem Verein. Sie bieten aber auch mehr – von der Einwinterung des Bootes, über die Abwicklung von Reparaturen jeder Art bis hin zur Komplettbetreuung mit regelmäßigem Lüften der Boote und der Politur im Frühjahr.
Warum bleiben die Boote nicht im Wasser?
Tatsächlich kann es eine Option sein, das Boot für den netten Wintertörn einfach im Wasser zu lassen. Das geht im Land Bremen aber nur an wenigen Orten, weil die meisten Steganlagen nicht stark genug gegen Eisgang gesichert sind und deshalb auf behördliche Anordnung hin aus dem Wasser geholt werden müssen. Das trifft auf die Steganlagen in den großen Yachthäfen in Hasenbüren und Grohn zu und auf die allermeisten Vereine an den Flüssen Weser, Lesum und Ochtum. In Bremerhaven ist Winterliegen im Wasser in der Lloyd-Marina und insgesamt im Neuen Hafen eine Option, in Bremen-Nord im Vegesacker Museumshaven, in Bremen-Stadt im Hohentorshafen bei der Malaika-Werft und an einigen weiteren gut gesicherten Anlegern wie der LMB-Marina an der Schlachte. Aber auch hier werden die Plätze dieses Jahr ziemlich wahrscheinlich nicht reichen.
Hafengelände mit den Winterliegeplätzen von oben
Hafengelände mit Winterliegeplätzen. Bild: Volker Kölling
Woher kommen all die Boote?
Viele Eigner haben ihre Boote aus dem Mittelmeerraum und den Nachbarländern wie Dänemark und den Niederlanden zurückgeholt, weil sie in der Pandemie immer wieder schlicht keinen Zugang zu den eigenen Schiffen bekommen haben. Gleichzeitig sind viele Crews mit Langfahrtträumen mit ihren Schiffen wegen Corona in den deutschen Häfen gestrandet, bevor es überhaupt los ging. Dazu sind die Auftragsbücher der Bootswerften gut gefüllt. Es wird fleißig ausgeliefert. Der Gebrauchtbootmarkt ist leergefegt und selbst halbe Wracks aus den Scheunen Norddeutschlands sind wieder aufgemöbelt worden und machen jetzt Druck auf die Liegeplatzsituation in Häfen und Winterlagern.
Wie kommt man als Neueinsteiger trotzdem sicher an einen Liegeplatz?
Der Ausweg für Anfänger tut sich eigentlich schon mit der Bootswahl auf. Vielleicht muss es zum Einstieg in den Bootssport ja noch nicht die Zwölf-Meter-Yacht sein. Und für kleinere Boote gibt es in der Regel straßenzugelassene Autoanhänger. Damit kann man durch die freie Revierwahl sein Können an Pinne oder Rad langsam steigern und es braucht nur einen Parkplatz und eine Plane, um das Boot im Winter sicher unterzubringen. Und Mensch kann sich ganz in Ruhe umsehen, welche Marina oder welcher Verein in welcher Gegend im Revier langfristig zur eigenen Crew passt.

Autor

  • Volker Kölling Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26.10.2021, 19:30 Uhr