Wie ein Bremer im 18. Jahrhundert "Facebook" erfand

Zeig' mir Deine Freunde und ich weiß, wer Du bist: Das ist keine Idee der Neuzeit. Im 18. Jahrhundert ließ ein Bremer Porträts der Elite anfertigen. Im Focke-Museum weiß man mehr.

Bild: Radio Bremen | Susanne Hausmann

Heute reicht ein Klick auf das Facebook-Profil einer Person und wir kennen ihre Interessen und Kontakte. Wir wissen, mit wem sich jemand umgibt und mit wem eher nicht. Es ergibt sich ein Netzwerk aus Menschen, die unter- und miteinander vernetzt sind. Doch auf die Idee, diesen Verbindungen eine Form zu geben, kam nicht etwa zum ersten Mal der US-Amerikaner Mark Zuckerberg Anfang der 2000er Jahre. Nein, die Idee hatte ein Bremer bereits im 18. Jahrhundert.

Ein historisches Portrait Peter Wilckens, sowie eine Bremen Karte aus dem Jahre 1773 auf der das Stephaniviertel eingezeichnet ist.
Peter Wilckens baute sich ein Haus im Stephaniviertel. Bild: Radio Bremen

Bei dem Bremer handelt es sich um den Millionärssohn Peter Wilckens. Er war der Nachkömmling einer Familie, die erfolgreich mit Baumwolle handelte. Als einer von Wilckens Brüdern das Geschäft und die dazugehörige Druckerei in dritter Generation übernahm, wurde er selbst mit 33 Jahren ausgezahlt. Fortan konnte sich der reiche Erbe "den schönen Dingen des Lebens widmen", erzählt Karin Walter, Kuratorin des Focke-Museums. Es folgte eine Heirat mit der Tochter eines Leinenhändlers und der Bau eines herrschaftlichen Hauses im heutigen Stephaniviertel – mit einer besonderen Porträtreihe.

Viele Männer der Bremer Elite

"Es ist nicht überliefert, wie das Kabinett bei Wilckens ausgestellt war", sagt die Kuratorin. Sie gehe aber davon aus, dass der Kunstmäzen in seinem Haus eigene Räume einrichten ließ, in denen die Porträt-Reihe ihren Platz fand. Auch die genaue Entstehungsgeschichte ist unbekannt. Es bleiben also die vielen Bilder, die besonders männliche Personen der damaligen Bremer Elite zeigen. Abgebildet wurden zum Beispiel Bremer Kaufleute und Politiker sowie die Familie Wilckens und die seiner Frau. Außerdem auch Juristen, Mediziner und Theologen. Aber auch Handwerker, wie Wilckens Perückenmacher und Künstler lassen sich in der Porträt-Sammlung finden.

Wer in Bremen das Sagen hatte, wurde in die Sammlung mit aufgenommen.

Karin Walter, Kuratorin des Focke Museums
Viele kleine historische Portraits sind miteinander vernetzt. Links daneben ist ein Facebook Logo abgebildet.
Anders als man denken könnte, war Facebook nicht das erste Verzeichnis von Netzwerken. Bild: Radio Bremen | Susanne Hausmann

Gemalt wurden viele der Bilder vom Künstler Jacob Fehrmann, zu Zeiten der Aufklärung. In diesen wurden erstmals Vereine gegründet und das Thema der Freundschaft wurde zu einem zentralen Element, erklärt Karin Walter. Die Kuratorin vermutet, dass das Wilckensche Kabinett als Raum für Zusammenkünfte diente. Ein Zusammentreffen also der Elite, umgeben von den eigenen Porträts als Wanddekoration. "Wir haben also dokumentiert, wer alles dazugehört hat" erläutert sie weiter.

Außerdem geben die Porträts Aufschluss darüber, wer zu welchen Vereinen gehört hat. "Das ist genau das, was heute Facebook macht: Man zeigt seine Freunde, kommt in verschiedenen Gruppen zusammen und stellt sich in einer Form selbst dar." Eine frühe Art der Selbstdarstellung und Community-Bildung – nur eben ohne die neue Technologie, aber dafür auf Papier und in Farbe.

Autorinnen

  • Susanne Hausmann
  • Kerstin Farwick

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25.01.2021, 19:30 Uhr