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Wie zuverlässig sind die Schnelltests, die Bremen verwendet?

Ein Nasenabstrich für einen Corona-Test
Die Nachfrage nach Schnelltests ist seit der Wiedereinführung der Bürgertests deutlich gestiegen. (Symbolbild) Bild: DPA | Robin Utrecht

Antigen-Schnelltests sind wieder sehr gefragt. Doch nicht alle sind laut Paul-Ehrlich-Institut verlässlich. Wie Bremer Institutionen damit umgehen, erklären wir hier.

Die Liste der in Deutschland zugelassenen Corona-Antigentests ist lang. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) zählt mehr als 500 auf, die laut Herstellern den Mindestkriterien genügen und laut Coronavirus-Testverordnung erstattungsfähig sind. Das Problem: Hersteller dürfen sich selbst zertifizieren. Sie selbst bescheinigen also, dass ihr Test in einem Abstrich oder einer Spuckprobe das Virus erkennt. Eine Überprüfung dieser Angaben in unabhängigen Labors ist erst ab Mai 2022 vorgesehen.

Dem ist jetzt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit einer eigenen, noch vorläufigen Studie zuvorgekommen. Die gute Nachricht: Den Forschern zufolge erfüllen drei Viertel von 122 überprüften Tests die Mindestanforderungen, erkennen also Proben mit "sehr hoher Viruslast" verlässlich. Einige erkennen sogar mehr als 80 Prozent der infizierten Proben mit lediglich "hoher Viruslast" (siehe Grafik).

Zuverlässigste Antigen-Schnelltest laut PEI-Studie

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Die schlechte Nachricht: Nicht jeder Schnelltest hält, was der Hersteller verspricht. 26 von 122 überprüften Tests verfehlten die Minimalanforderungen. Das heißt, in rund einem Viertel der Proben wurde selbst eine "sehr hohe Viruslast" nicht erkannt. In der Praxis bedeutet dies: Eine infizierte, meist schon unter ersten Corona-Symptomen leidende Person würde bei diesen Tests ein negatives Ergebnis aufweisen.

Tests verschiedener Hersteller an Bremer Schulen

"Grundsätzlich ist es bekannt, dass insbesondere die Sensitivität vieler Antigen-Schnelltests zu wünschen übrig lässt", sagt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. Dass das Verfahren der Prüfung der Tests noch immer nicht auf andere Beine gestellt wurde, wundere ihn daher. "Dennoch können mit wiederholten Tests, zum Beispiel in Schulen, selbst bei nicht optimalen Tests eine recht gute Trefferquote erreicht werden", sagt Zeeb.

An Bremer Schulen soll diese Trefferquote, je nach Alter der Kinder, beispielsweise durch Tests verschiedener Hersteller sichergestellt werden. Organisiert wird dies durch den landeseigenen Dienstleister Immobilien Bremen, der nicht nur mehr als 2.000 Immobilien der Freien Hansestadt Bremen verwaltet, sondern auch das Einkaufs- und Vergabezentrum, das sich für Bremens Verwaltung um die Logistik von Schnelltests kümmert.

Handhabbarkeit bei Kindern wichtig

In Grundschulen komme beispielsweise der Schnelltest des chinesischen Unternehmens Lepu zum Einsatz, sagt Immobilien Bremen-Sprecher Fabio Cecere. In der aktuellen Studie des Paul-Ehrlich-Instituts schneidet der Test im unteren Mittelfeld ab, da er zwar eine "sehr hohe Viruslast" ausnahmslos erkennt, bei nur "hoher Viruslast" aber nur in 26 Prozent der Fälle anschlägt.

Ein Schüler hält einen Corona-Schnelltest an einer Grundschule mit negativem Ergebnis in die Kamera.
In Bremer Schulen und Kitas kommen vor allem Tests zum Einsatz, die für Schüler, Eltern und Lehrer handhabbar sind. (Symbolbild) Bild: DPA | Christoph Soeder

Dennoch habe der Test aus Sicht von Immobilien Bremen gerade in Grundschulen Vorteile. "Die Tests müssen so handhabbar sein, dass Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, sie unter Aufsicht der Lehrkraft eigenständig durchzuführen", sagt Cecere. Das bedeute, dass eine Lehrkraft gleichzeitig eine komplette Klasse sicher bei der Testung anleiten und beaufsichtigen können müsse. Die sei beim Lepu-Test der Fall. Ähnliche Anforderungen gelten für Kitas, wo Selbsttests zur Anwendung der Eltern bei den Kindern im Alter ab drei Jahren beschafft würden.

Bremen prüft Chargen vorab durch Mustertests

"Alle für Schulen und Kitas eingesetzten Selbsttests müssen aber grundsätzlich entweder von Bfarm und PEI evaluiert und als Laientest zugelassen sein oder eine entsprechende CE-Kennzeichnung tragen", sagt Ceres. Darüber hinaus werde immer im Vorfeld jeder Beauftragung ein Mustertest aus der zu beliefernden Charge sowie die entsprechenden Unterlagen, Zertifizierungen und Nachweise von der Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz geprüft und freigegeben.

Auch die anderen für Bremens Schulen und Kitas beschafften Schnelltests von Herstellern wie Hotgen und Safecare finden sich in der aktuellen PEI-Studie wieder. Sie erfüllen ebenfalls die Mindestanforderungen, erreichen allerdings im Hinblick auf die Sensitivität, also die Empfindlichkeit für etwas niedrigere Virusmengen, nicht die hohen Werte anderer Tests im Ranking (siehe Grafik).

Fast alle Hersteller kommen aus China

"99 Prozent der Tests stammen aus China", sagt Jan Patrick Wolters, der in Bremen vier private Testzentren betreibt – am Flughafen, im Weserpark, im Walle-Center und der Berliner Freiheit. Seit einigen Monaten wird dort ein Test des Herstellers Joinstar verwendet. Auch dieser erfüllt laut PEI-Studie die Mindestanforderungen und schlägt zudem bei knapp zwei Dritteln der analysierten Proben mit nur "hoher Virusmenge" an.

Sollte einer unserer Tests nicht funktionieren, dann nutzen wir den nicht weiter.

Jan Wolters, Betreiber von vier Testzentren in Bremen

Es könne immer mal sein, dass eine Charge eines Herstellers durchfalle, weil sie zum Beispiel beim Transport zu warm geworden sei, sagt Wolters. "Gerade am Anfang der Pandemie gab es auch Schwierigkeiten mit der Luftfracht. Da hatten wir das Problem, dass sie uns wegen des Luftdrucks explodiert sind."

"Neben den generellen Auflagen und der Validierung der Tests ist für uns auch die Handhabung ein Kriterium", sagt der Unternehmer. Nicht zuletzt spiele mittlerweile auch der Preis wieder eine wichtigere Rolle. "Denn die Lieferanten kommen derzeit kaum mit der Produktion hinterher."

Heimstiftung braucht 20.000 Tests im Monat

Für die Bremer Heimstiftung, Bremens größter Betreiberin von Alten- und Pflegeheimen, spielt der günstige Einkauf ebenfalls eine entscheidende Rolle. "An unseren 34 Standorten machen wir rund 20.000 Schnelltests im Monat", sagt Pflegedirektorin Susanne Brockmann. Angesichts dieser großen Zahl setze die Heimstiftung auf verschiedene Tests, die, je nach Angebotslage, zentral eingekauft würden. "Da können die Hersteller jeden Monat wechseln", sagt Brockmann.

Auch hier gilt: Alle Tests müssten vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet sein. "Eine eigene Prüfung durchzuführen, das schaffen wir in der Praxis allerdings nicht."

Was ist los in den Bremer Testzentren?

Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor