Darum flutet ein Künstler die Bremerhavener Kunsthalle mit Weserwasser

Ein Mann hockt auf dem Boden und leitet mit einem Schlauch Wasser in einen Raum.
Bild: Radio Bremen | Joschka Schmitt

Die Kunsthalle der Seestadt zeigt ab heute eine spektakuläre Installation. Dafür hat der Bremerhaven-Stipendiat Aurel Dahlgrün Tausende Liter Wasser in die Halle geleitet.

Immer eine Handbreit Wasser unter'm Kiel – mit diesem Spruch wünscht man sich an der Küste Glück. Ein Künstler in Bremerhaven hat das mit der Handbreit Wasser nun etwas anders interpretiert. Für eine Ausstellung flutet er kurzerhand die Kunsthalle – mit Hilfe der Feuerwehr. "Tide" heißt die Schau die am heutigen Sonntag startet.

Etwa 5.000 Liter Wasser hat die Feuerwehr zur Kunsthalle transportiert. Frisch aus der Wesermündung gepumpt und mit einem Feuerwehrauto angekarrt. Und dann: Wasser marsch! Per Schlauch und Pumpe strömen die Wassermassen in den ersten Stock des Backsteingebäudes.

Wir fluten die Halle. Das klingt brutal. Wir werden die Halle weiter betreten können, aber eine große Fläche mit Wasser haben. So eine Art Spiegel auf dem Boden, der die Räumlichkeit der Kunsthalle wieder ganz anders darstellen lässt.

Klaus Becké, Kurator, Kunstverein Bremerhaven
Zwei Männer stehen sich gegenüber.
Kurator Klaus Becké (links) und Konzeptkünstler Aurel Dahlgrün. Bild: Radio Bremen | Joschka Schmitt

Während oben in der Halle Konzeptkünstler Aurel Dahlgrün und sein Team warten, stehen Torben Garms und Michael Erholdt von der Feuerwehr Bremerhaven unten und regeln die Wasserzufuhr. Eine außergewöhnliche Aufgabe für die Feuerwehrleute. Doch den Gefallen tun sie dem 31-Jährigen gerne. "Kultur und Forschung sind sehr wichtig, da haben wir alle was von", sagt Garms. "Und es ist mal was anderes, als Menschen zu retten."

Kosmopolitischer Künstler mit Bremerhaven-Stipendium

Der gebürtige Berliner Dahlgrün wuchs in Schweden auf, lebte in Brasilien und studierte Kunst in Düsseldorf. Seit einigen Monaten wirkt er in der Seestadt. Er hat das einjährige, sogenannte Bremerhaven-Stipendium vom Kunstverein bekommen. "Tide" ist seine erste Ausstellung vor Ort. Für die Flutung der Kunsthalle, hat er sich von den Gezeiten inspirieren lassen.

So ein bisschen wie bei Ebbe und Flut: Als ich Drohnenaufnahmen gemacht habe, habe ich gemerkt, wenn das Wasser sich wegschiebt, dann entstehen Strukturen im Sand, die total spannend sind.

Aurel Dahlgrün, Künstler

Ähnliches hofft er auch für seine Wasserinstallation. Wenn es im Laufe der Zeit verdunstet, sollen auch hier Muster entstehen. "Wenn sich das Wasser zurückzieht, werden kristalline Strukturen und abstrakte Formen sichtbar, die unvorhersehbar sind." Je nachdem zu welchem Zeitpunkt der Besucher kommt, wird er ein anderes Bild sehen.

Wasser ist Dahlgrüns großes Thema. Deswegen hat er für seine Ausstellung nicht nur die Halle geflutet, sondern stellt in einem Raum weiter auch verschiedene Fotografien und Papierarbeiten aus – alle mit Bezug zur Weser. "Mir war das wichtig, dass ich mit Material arbeite, das ich hier vor Ort finde." Noch bis Mitte Januar ist "Tide" in der Kunsthalle in Bremerhaven zu sehen. Anschließend wird das Wasser zurück in die Weser geleitet.

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Bild: Armin Kölbli

Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Das Wochenende aus Bremerhaven, 28. November 2021, 10 Uhr