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NABU warnt: Darum könnte Gift in Weihnachtsbäumen gefährlich werden

Eine Frau mit Maske sitzt neben einem geschmückten Weihnachtsbaum und nimmt ein Geschenk auf.
Bild: Imago | Sven Simon

Weihnachtsbäume können im warmen Wohnzimmer Chemikalien abgeben, mit denen sie zuvor behandeln wurden. Der NABU Bremerhaven warnt vor gesundheitlichen Folgen und gibt Tipps.

Nicht mehr lange bis Weihnachten, für viele Menschen die Zeit sich um einen Tannenbaum zu kümmern. Knapp 30 Millionen davon gehen laut Naturschutzbund NABU jedes Jahr in Deutschland über den Ladentisch. Bequem, günstig und perfekt gewachsen werden sie nun wieder an Straßenecken oder in Baumärkten angeboten, die saftig-grünen Tannen. Doch der unschuldige Brauch könnte statt romantischem Tannenduft einen giftigen Haken haben, warnt der NABU in Bremerhaven.

Was ist das Problem mit den Tannenbäumen?
Die Gefahr, dass man sich möglicherweise eine Giftschleuder ins Haus holt, warnt der NABU. Viele der billig zu habenden Tannenbäume seien eben auch billig produziert, so der Vorwurf. Die Bäume wachsen zehn bis 15 Jahre und werden währenddessen mit Giftstoffen wie Pflanzenschutzmitteln, Pestiziden, Dünger und Hormonen behandelt. Über Dreiviertel der Weihnachtsbäume sind bei Tests regelmäßig mit mindestens einem Pestizid belastet, sagt der NABU. Die Flächen für den Anbau in Monokultur fehlten zudem der Natur.

Empfindliche Menschen merken das: Wenn Sie so einen Baum im warmen Wohnzimmer haben, gasen diese Chemikalien teilweise aus und Sie atmen das ein. Manche bekommen davon eine laufende Nase oder tränende Augen. Also ich würde mir so ein Ding niemals in mein Wohnzimmer holen.

Sönke Hofmann im Interview
Sönke Hofmann, Geschäftsführer NABU Bremen
Welche Folgen könnte es geben?
Der gelernte Förster und NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann sagt: "In meiner Lehrzeit habe ich selbst noch Glyphosat gegen Unkräuter in Weihnachtsbaumkulturen spritzen müssen." Das Totalherbizid sei verantwortlich für massive Nierenschäden und ziemlich sicher krebserregend. Doch auch Nervengifte wie Lambda-Cyhalothrin fänden gegen Insekten Anwendung. Im warmen Wohnraum können die Chemikalien dann in die Raumluft entweichen und besonders Kinder, Senioren und Vorerkrankte belasten.
Sollte man also lieber zu Plastikbaum oder Tanne im Kübel greifen?  
Auch hier gibt es laut NABU Bedenken. Das Material eines Plastikbaums und der entsprechende Müll seien wiederum umweltschädlich. Und im Kübel eingepflanzte Bäumchen seien auch keine Lösung, denn die meisten überlebten den Wechsel von draußen ins Warme und wieder zurück nicht. Was also tun?

Besser ist es, sich einen Baum von einer Gärtnerei oder einem Bauern aus der Region zu kaufen. Manche Förster bieten es an, dass man im Wald aus der Naturverjüngung einen Baum schlagen kann. Da hat man dann Garantie, dass keine Chemie drin ist. Und es gibt Bäume mit Bio- und FSC-Zertifizierung.

Sönke Hofmann im Interview
Sönke Hofmann, Geschäftsführer NABU Bremen

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 14. Dezember 2021, 15:20 Uhr