Von Britain und Bremen: 5 spannende Fakten über Weihnachtsansprachen

Weihnachtsansprache von Bürgermeister Andreas Bovenschulte

Bild: DPA | Victoria Jones

Viele Könige tun es, ebenso der Papst. Bremens Bürgermeister Bovenschulte hält seine Ansprache an Heiligabend. Mit diesen Fakten glänzen Sie in jeder Gesellschaft.

1 Der königliche Dauerbrenner

Kein Kirchen- oder Staatsoberhaupt hat mehr Weihnachtsansprachen im Fernsehen gehalten als sie: Seit 1957 wird alljährlich die Weihnachtsrede von Queen Elizabeth II. im Fernsehen ausgestrahlt. 25 Jahre nachdem ihr Großvater König George V. erstmals die Tradition der royalen Ansprache am Nachmittag des ersten Weihnachtstags im Radio begonnen hat. Und das zunächst extrem widerwillig. Die Idee dazu hatte von der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt BBC, der die Wirkung des damals noch neumodischen Apparats namens Radio erkannte. Mit Erfolg.

Gerade in Kriegszeiten gab die royale Rede vielen Menschen großen Halt und fiel seit ihrer Einführung auch kein einziges Mal aus. Der Kampf seines stotternden Sohns und Nachfolgers König George VI. mit dem Medium Radio wurde in "The King's Speech" erfolgreich verfilmt. Für die Königin wird es dieses Jahr schon die 69. "Queen's Speech" und die 64. im Fernsehen. 2012 – im Jahr der Olympischen Sommerspiele in London und des 60. Thronjubiläums – wurde die Rede sogar mit 3D-Technik aufgezeichnet.

Die Ansprache der Queen im Jahr 1957:

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Doch gibt es Königshäuser, die vergleichbare Ansprachen schon länger im Repertoire haben: Die dänischen Monarchen begannen beispielsweise schon in den 80er Jahren des 19.Jahrhunderts damit, sich am Silvestertag an das Volk zu wenden.

2 Die meisten Zuschauer

Und noch ein Rekord: Keine Weihnachtsansprache – sieht man mal vom päpstlichen "Urbi et orbi" ab – wird von so vielen Menschen gesehen wie die der britischen Königin. Sie richtet sich immerhin an rund zwei Milliarden Menschen. Denn in den 54 Mitgliedstaaten des Commonwealth of Nations lebt knapp ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung. Von Antigua bis Zypern, von Neufundland bis Neuseeland.

Während Elizabeth II. am 25. Dezember um 15 Uhr in der BBC ihre Worte an die Welt richtet, bleiben den potenziellen Thronfolgern derzeit nur die sozialen Netzwerke für ihre Weihnachtsgrüße.

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Sie erwarten keine Weihnachtspost von William und Kate? Dann ist dies ja auch kein Spoiler: Das neue Familienfoto, das dieses Jahr den Weihnachtskarten der jungen Roylas beiliegt, hat das Paar bereits bei Instagram veröffentlicht.

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3 Der Skandal

Bundeskanzlerin Merkel bei ihrer letzten Neujahrsrede 2020.
Ihre letzte Neujahrsrede 2020: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Bild: DPA | Markus Schreiber

In Deutschland gibt es zwei Ansprachen im Dezember: Die zu Weihnachten hält der Bundespräsident, die zum Jahreswechsel der Bundeskanzler. Vor 1970 waren die Rollen umgekehrt verteilt. Bedeutet: Seit 2005 hielt Angela Merkel nonstop die Neujahrsansprache und dieses Jahr wird sich erstmals Neu-Kanzler Olaf Scholz am Silvestertag über das Fernsehen an die Bevölkerung wenden. Außer jemand vertauscht... Nein! Sowas passiert sicher nicht nochmal!

Helmut Kohl wurde 1982 Bundeskanzler und blieb es 16 Jahre lang bis 1998. Als seine bis dato vierte Neujahrsabsprache anstand, strahlte Das Erste am 31. Dezember 1986 statt der aktuellen Aufzeichnung die vom Vorjahr aus. Aus Versehen, hieß es. Die aktuelle Fassung wurde am 1. Januar 1987 nachgeholt. CSU-Generalsekretär Gerold Tandler sprach von "bewusster Sabotage" und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler wollte auch nicht recht an einen "Redakteur namens Zufall" glauben oder einen "Techniker namens Versehen".

4 Die traditionsreichste Rede

Papst Franziskus ließt den Weihnachtssegen 2020.
Papst Franziskus ließt den Weihnachtssegen 2020. Bild: DPA | Associated Press

Weihnachtsansprachen haben – kaum verwunderlich – eine kirchliche Tradition. Was auch erklärt, warum sie vor allem Staatsoberhäupter oder Regierungschefs christlich geprägter Länder übernommen haben. Der Papst wendet sich beispielsweise seit 1878 rund um Weihnachten an seinen Mitarbeiterstab, um einen Blick zurück auf das Jahr zu werfen. Dieses Jahr ist dieser Weihnachtsempfang mit Papst Franziskus und den Kardinälen am 23. Dezember. Darüber hinaus richtet sich das katholische Kirchenoberhaupt traditionell am ersten Weihnachtstag – wie auch zu Ostern – mit einer Friedensbotschaft an die Welt und spendet mittags um 12 Uhr den Segen "Urbi et Orbi".

5 Eine der wichtigsten Ansprachen für die Bremer...

... Bevölkerung hielt sicherlich Bürgermeister Wilhelm Kaisen am ersten Weihnachtsfest nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Noch Anfang des Jahres wurde die Stadt massiv bombardiert und lag in großen Teilen in Trümmern. Viele Väter und Söhne waren im Krieg gefallen, galten als vermisst oder waren noch in Gefangenschaft. Bremen stand unter amerikanischer Besatzung. Zusammen mit den Amerikanern hatte der Senat an diesem vierten Adventssonntag auf dem Bremer Marktplatz ein Weihnachtsfest organisiert. Um 15 Uhr richtete Kaisen vom Balkon des Rathauses seine Worte an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Und traf offenbar genau den richtigen Ton.

Die Jugend muss aus der Vergangenheit lernen und bereit sein, ein Reich der Freiheit, der Duldsamkeit und der sozialen Gerechtigkeit aufzubauen.

Wilhelm Kaisen sitzt am Schreibtisch (Archivbild)
Wilhelm Kaisen am 23. Dezember 1945

Er sprach vom "Frieden auf Erden", der in Bremen zunächst nur äußerlich eingekehrt sei: "Auf den Frieden auf Erden darf man nicht warten. Er muss erkämpft werden. Jetzt, da die Politik der Gewalt und des Völkermordens besiegt und abgetan ist, können wir den Boden bereiten für eine Saat der Menschenliebe und Völkerversöhnung."

Das war am Nachmittag des 23. Dezember 1945. Abends um 19 Uhr nahm Radio Bremen seinen Sendebetrieb auf.

Die Weihnachtsansprache hält in Bremen dieses Jahr – anders als im vergangenen– Bürgermeister Andreas Bovenschulte, die Neujahrsansprache Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff. Beide werden am Weihnachtstag beziehungsweise Silvestertag jeweils um 18 Uhr auf Bremen Eins ausgestrahlt und sind dann auch bei buten-un-binnen-Online als Video und in Textform abrufbar.

Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 24. Dezember 2021, 18:00 Uhr