Fragen & Antworten

Wie kann Wasserstoff helfen, von fossilen Energieträgern loszukommen?

Eine Frau steht an einer Zapfsäule und tankt.

Wie kann Wasserstoff helfen, von fossilen Energieträgern loszukommen?

Bild: DPA | Rupert Oberhäuser

Wasserstoff gilt als Energiequelle der Zukunft, erste Autos treibt er bereits an. Ein Bremerhavener Professor erklärt, was er für die Versorgung mit Wärme und Strom leisten kann.

Wer dieser Tage tanken muss, braucht starke Nerven. Preise für Diesel und Benzin, aber auch für Gas und Strom, explodieren in Folge des Ukraine-Kriegs. Doch auch angesichts der Energiewende drängt sich zunehmend die Frage auf: Wie kann es gelingen, unabhängiger von Kohle, Erdgas oder Öl zu werden? In Bremerhaven liegen viele Hoffnungen auf Wasserstoff.

Ein Mann steht vor einem Container.
Uwe Werner leitet das Wasserstoff-Projekt "Mimcrogrid" an der Hochschule Bremerhaven. Bild: Kathrin Janc
Was lässt sich mit der Technologie Wasserstoff überhaupt schon machen?
Wasserstoff ist keine ganz neue Technologie und wird zum Beispiel auch schon in kleinerem Maßstab bei Autos, in Raketen im Weltall oder in der Industrie genutzt. Das sagt Uwe Werner, Professor für Elektrische Antriebstechnik an der Hochschule Bremerhaven. Er leitet ein Forschungsprojekt dazu, wie Wasserstoff sogar zu Hause zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden kann.
Ist es möglich, die Gasheizung zu Hause durch eine Wasserstoff-Anlage zu ersetzen?
Ja, technisch ist das absolut möglich, sagt Werner. In seinem Forschungsprojekt an der Hochschule wird damit experimentiert. Benötigt wird beispielsweise eine Photovoltaik-Anlage oder eine kleine Windkraft-Anlage. Wenn es ausreichend sonnig oder stürmisch ist und mehr Strom produziert als verbraucht wird, wird daraus Wasserstoff hergestellt. Das passiert in einem sogenannten Elektrolyseur, der in einer Art Schrank steht. Dieser Wasserstoff kommt in große Flaschen und kann später, wenn es mal tagelang schattig oder windstill ist, wieder in Strom verwandelt werden oder über ein Blockheizkraftwerk in Wärme.
Ist es teuer, zu Hause auf Wasserstoff umzustellen?
Ja, die Wasserstoff-Technik für zu Hause samt notwendiger Photovoltaik-Anlage ist aktuell noch ziemlich kostspielig und kostet laut Werner 35.000 bis 40.000 Euro. "Das wird sich aber zeitnah, also die nächsten drei, vier Jahre, massiv ändern", so der Professor. "Und dann wird es vielleicht auch ökonomisch sinnvoll, auf so eine Technologie umzusteigen."
Ist es nicht gefährlich, Wasserstoff im Heizungskeller zu lagern?
Das könnte man denken, auch beim Gedanken an die Geschichte des mit Wasserstoff gefüllten Zeppelins Hindenburg, der in Flammen aufgeging. Werner widerspricht dem jedoch und sagt, Wasserstoff sei nicht gefährlicher als andere Kraftstoffe. Er sieht die Aufklärung darüber auch als Teil seiner Arbeit.

Das ist ein Hauptpunkt, dass wir den Menschen die Angst vor einer neuen Technologie nehmen, um Akzeptanz zu schaffen. Und letztendlich ist Wasserstoff auch nicht minder oder mehr gefährlich als ein Erdgasanschluss zu Hause oder eine Heizöl-Heizung.

Uwe Werner, Hochschule Bremerhaven
Wie steht es um die Kritik an der energiereichen Herstellung von Wasserstoff?
In der Tat ist Wasserstoff nur wirklich umweltschonend, wenn er mit regenerativen Energien erzeugt wurde. Auch Werner sagt: Wasserstoff ist kein Allheilmittel, sondern in Zukunft wird es viele verschiedene Energiequellen geben.

Die Energiewende wird sich anders vollziehen, als viele vielleicht denken. Nicht: Wir haben eine Technologie gefunden, bumms, das ist die Spitzentechnologie, die wird benutzt. Anders als in den letzten 50 Jahren, werden wir unterschiedliche Energieträger nutzen und zwar anwendungsbezogen.

Uwe Werner, Hochschule Bremerhaven

Als Beispiel sagt Werner, dass zum Heizen vielleicht Wasserstoff genutzt wird, bei der Mobilität auf kurzen Strecken batteriebetriebene Fahrzeuge und bei längeren wiederum künstliche Kraftstoffe wie Ammoniak oder Wasserstoff.

So wird "grüner" Wasserstoff hergestellt

Bild: Radio Bremen

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus Bremerhaven, 20. März 2022, 11:40 Uhr