Fragen & Antworten

Das sollten Bremer jetzt über die Omikron-Variante wissen

Grafische Darstellung des Corona-Virus.
Die Omikron-Mutation des Coronavirus könnte Anfang Januar auch in Bremen dominant sein. Bild: Imago | MiS

Die neue Variante des Corona-Virus verbreitet sich rasant. Virologen und Politik wollen wieder Kontakte einschränken. Diese Fakten helfen, Omikron und die Folgen zu verstehen.

Ihr Kürzel lautet B.1.1.529, doch bekannt ist die neueste Variante des Corona-Virus als "Omikron". Weltweit löst sie aufgrund ihrer schnellen Verbreitung Besorgnis aus – auch im Land Bremen. Denn erste Fälle sind mittlerweile auch in Bremen und Bremerhaven aufgetreten. Die wichtigsten Fragen zur neuen Mutation beantworten wir hier.

Wieviele Fälle gibt es in Bremen und Bremerhaven?
Die Omikron-Variante des Coronavirus ist mittlerweile auch im Land Bremen angekommen: Nach Angaben der Gesundheitsbehörde gibt es inzwischen zwei Fälle in Bremen und zwei Fälle in Bremerhaven. Darüber hinaus meldet die Stadt Bremen 72 Verdachtsfälle – Stand: 20. Dezember. Erschwert wird die genaue Ermittlung der aktuellen Fallzahlen allerdings dadurch, dass der Nachweis der Omikron-Variante eine Sequenzierung der in einer Probe festgestellten Genmutation voraussetzt. Dies geschieht derzeit noch nicht in Bremen, sondern in einem vom Bund koordinierten Testlabor. Dass ziehe bis zu 14 Tage Wartezeit nach sich, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts.
Wie schnell verbreitet sich die Omikron-Variante?
In mehreren Staaten hat die Omikron-Variante die bis dato dominante Delta-Variante binnen wenigen Wochen verdrängt. So zum Beispiel zunächst im südlichen Afrika. Auch in den USA waren Anfang dieser Woche rund 73 Prozent aller Corona-Neuinfektionen auf die Omikron-Mutation zurückzuführen, berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC. Zum Vergleich: In der zweiten Dezemberwoche lag dieser Wert noch bei gut 12 Prozent. In Großbritannien gehen mittlerweile ebenfalls die meisten Neuinfektionen auf die Omikron-Variante zurück – allein in London mehr als 80 Prozent, weshalb die Stadt den Katastrophenfall ausgerufen hat.
Ein Arzt klebt ein Pflaster auf die Einstichstelle der Impfung. Die Spritze hält er dabei in der rechten Hand.
Gegen die Omikron-Variante geben vorläufigen Studien zufolge wohl nur Booster-Impfungen einen gewissen Schutz vor Ansteckung. (Symbolbild) Bild: DPA | photothek | Ute Grabowsky
"Die Verdopplungszeiten bei Omikron sind sehr kurz", sagt Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie. "Wir sind in Großbritannien bei ein bis zwei Tagen." Auch der R-Wert, also die Zahl der Ansteckungen, die von einer infizierten Person ausgehen, liege höher als bei der Delta-Variante. Letzte Schätzungen lägen laut Zeeb bei grob 3,5 – das heißt, eine mit der Omikron-Variante des Coronavirus infizierte Person steckt im Schnitt drei bis vier weitere Personen an. "Ohne Impfungen und ohne Maßnahmen wie zum Beispiel Masken könnte die neue Variante ähnlich ansteckend sein wie Masern", sagt Zeeb. Schon im Januar könne Omikron Delta als dominierende Variante ablösen.

Eine so hohe Basisreproduktionszahl – also die Ausbreitung des Erregers, wenn keine Maßnahmen ergriffen würden – wie bei der Omikron-Variante habe auch Auswirkungen auf die Impfstrategie, sagt der Bremer Virologe Andreas Dotzauer. Denn je höher diese Wert für Ansteckungen ohne Maßnahmen liege, desto höher müsse die Impfquote in der Bevölkerung sein, um die Ausbreitung zu verhindern. "Es läuft derzeit auf eine benötigte Impfquote von 85 bis 86 Prozent hinaus", sagt Dotzauer.
Wie gefährlich ist die Omikron-Variante?
Ob die Omikron-Variante zu einem schweren Covid-19-Verlauf führen kann, darüber ist bislang nur wenig bekannt. Im südlichen Afrika, wo die ersten Infektionen mit der Mutation bekannt geworden sind, seien die bisherigen Fälle allerdings nicht schwerwiegend gewesen, sagte die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, der britischen BBC.

Von Aussagen wie Omikron sei daher wie eine "natürliche Impfung" oder das "Ticket aus der Pandemie" warnt der Epidemiologe Hajo Zeeb hingegen. "Die jüngsten Daten aus Großbritannien deuteten beispielsweise nicht darauf hin", sagt er. Allerdings sei die Zahlenbasis immer noch recht klein. Doch selbst wenn im Vergleich zur Delta-Variante nur ein kleiner Anteil der Krankheitsverläufe schwer sei, gäbe es ein weiteres Problem: Es würde zu einer Überlastung durch hohe Fallzahlen kommen.

Das wäre ein sehr teures Ticket aus der Pandemie.

Epidemiologe Hajo Zeeb blickt in eine Kamera
Hajo Zeeb, Epidemiologe am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie
Neben der noch unsicheren Datenlage sprechen noch weitere Argumente gegen den einfachen Vergleich der Krankheitsverläufe im südlichen Afrika und Deutschland, sagt der Virologe Andreas Dotzauer. "Wir haben eine andere Altersstruktur in diesen Ländern als bei uns", sagt er. Die Bevölkerung dort ist jünger als in Deutschland. Darüber hinaus könne es trotz eines milden Verlaufs dennoch zu systemischen Auswirkungen kommen. "Das heißt, es werden dann neben der Lunge auch andere Organe infiziert wie zum Beispiel die Bronchien." Darauf deuteten einige vorläufige Studien hin. "So etwas kann dann auch zu Fällen von Long Covid führen", sagt Dotzauer.
Wie schützen Impfungen vor Omikron?
Angesichts der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante twitterte der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin schon am 8. Dezember 2021: "Es sieht nicht gut aus für zweifach Geimpfte. Dritte Dosis nötig." Dies ist inzwischen auch die Bewertung des Robert Koch-Instituts (RKI). Für zweifach Geimpfte und Genesene werde die Gefahr einer Ansteckung nun als hoch angesehen, teilte das RKI jetzt mit. Nur für Geimpfte mit Auffrischimpfung gelte die Gefährdung als moderat.

Grundlage solcher Einschätzungen sind auch erste, vorläufige Labortests mehrerer Forscherteams, denen zufolge Antikörper auch von voll Geimpften vergleichsweise schlecht auf die neue Omikron-Variante des Coronavirus ansprechen. Zu diesem Schluss kommt beispielsweise die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Mit ihrem Team hat sie Proben von Menschen unersucht, die zweimal mit Biontech oder Moderna geimpft oder mit AstraZeneca und danach Biontech geimpft wurden. Selbst geboosterte Menschen, die dreimal mit Biontech geimpft wurden, haben demnach nur einen Schutz von 25 Prozent vor der Omikron-Variante.

Man kann davon ausgehen, dass beim Boostern nicht der Impfschutz erreicht wird wie vor den bisherigen Varianten.

Virologe Andreas Dotzauer steht auf einem Flur.
Andreas Dotzauer, Laboratorium für Virusforschung an der Universittät Bremen
Allerdings reiche die Bandbreite, je nach vorläufiger Studie, von den genannten 25 bis zu 70 Prozent, sagt der Virologe Andreas Dotzauer. Eine Aussage, die auch der Epidemiologe Hajo Zeeb teilt. "Nach meinem derzeitigen Wissen liegen wir beim Schutz nach einer frischen Boosterimpfung bei rund 70 bis 75 Prozent", sagt er. Auch eine vierte Impfung sei ein Mittel, um den Schutz vor Omnikron zu erhöhen. Nach Zeebs Vermutung könnte eine solche dann schon auf die südafrikanische Corona-Variante angepasst sein. Auffrischungsimpfungen vorzuziehen, wie jetzt von Ständigen Impfkommission gefordert, hält er für "absolut sinnvoll": "Medizinisch ist das völlig in Ordnung."
Wann kommt der angepasste Impfstoff?
Die Anpassung bisheriger Impfstoffe an die neue Omikron-Mutation findet bereits statt. So teilte beispielsweise Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Ende vergangener Woche mit, dass die Impfstoff-Lieferungen für die nächsten Monate größtenteils bereits an die Omikron-Mutation angepassten Impfstoffe enthalten.

Auch Hersteller wie Biontech haben stets betont, dass sie im Notfall, also wenn eine den Impfschutz durchbrechende Variante auftritt, eine Anpassung innerhalb von rund 100 Tagen bis zur Auslieferung erster Chargen hinbekommen könnten.

Anders als bei einer Impfstoff-Neuentwicklung sei dabei keine umfassende klinische Studie erforderlich, sagt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Das PEI, das in Deutschland die Zulassung von Impfstoffen überwacht, sieht daher lediglich eine "limitierte klinische Prüfung an einigen hundert oder tausend Probandinnen und Probanden" vor. Nichtklinische Untersuchungen seien bei einer Anpassung ebenfalls nicht erforderlich, so das Institut.
Was schützt – neben der Booster-Impfung – gegen Omikron?
Die jüngste Empfehlung der Ständigen Impfkommission, die Booster-Impfung bereits nach drei Monaten zu ermöglichen, lässt sich in der Praxis im Bundesland Bremen nur schwer umsetzen. "Das Tempo kann in Bremen nicht erhöht werden", sagt Gesundheitsbehördensprecher Lukas Fuhrmann.
Das heißt auch, viele Menschen in Bremen und Bremerhaven müssen weiter auf ihre Booster-Impfung warten. Einen gewissen Schutz vor Ansteckung bietet neben Kontaktreduzierung, Abstands- und Hygieneregeln vor allem das Tragen von Masken. "Dies gilt insbesondere für die FFP2-Masken", sagt der Epidemiologe Hajo Zeeb und verweist auf eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts. Demnach liegt die Ansteckungsgefahr auch nach 20 Minuten nur bei 0,1 Prozent, wenn sich ein infizierter Mensch und ein gesunder ungeimpfter Mensch in einem Raum auf kurzer Distanz begegnen. Eine weitere Erkenntnis der Forscher: FFP2-Masken schützen im Vergleich zu OP-Masken 75 mal besser – wenn sie korrekt getragen werden.
Welche Maßnahmen gelten für Omikron-Verdachstfälle in Bremen?
Wer geimpft ist und Kontakt zu Corona-Infizierten hatte, muss laut Bremer Corona-Verordnung nicht in Quarantäne. Bei Omikron-Verdachtsfällen ist das anders: "Um die Ausbreitung von Omikron zu bremsen, können bei begründeten Verdachtsfällen Kontaktpersonen für 14 Tage in Quarantäne geschickt werden. Unabhängig von dem, was in der Verordnung steht", sagt Gesundheitsressort-Sprecher Fuhrmann. Sich mit einem PCR-Test vor der Zwei-Wochen Frist freizutesten, ist in einem solchen Fall nicht möglich. Hierbei handele es sich um eine individuelle Vorsichtsmaßnahme, die nur ein einziges Ziel habe: Zeit zu gewinnen. "Bei Omikron muss davon ausgegangen werden, dass sie bald die vorherrschende Variante wird." Sobald dies der Fall ist, gelten wieder die alten Regelungen. Sprich: Geimpfte müssen von da an auch bei Kontakt zu Infizierten, bei denen Omikron-Verdacht besteht, nicht mehr in Quarantäne.

Bovenschulte: Neue Beschlüsse "sind Vorsichtsmaßnahmen" für Bremen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Dezember 2021, 19:30 Uhr