Fragen & Antworten

Geduldspiel – Bremer müssen lange auf E-Autos und E-Bikes warten

Bild: Imago | Sigrid Gombert

Sie sind modern, umweltfreundlich und gefragt wie nie. Wer sich ein E-Bike oder ein E-Auto zulegen möchte, hat momentan schlechte Karten. Woran liegt das?

Klimawandel, Energiepreise, Pandemie – die Gründe, sich für Elektromobilität zu interessieren, sind vielfältig. Gefragt sind Autos und Fahrräder mit Elektromotor wie nie zuvor. Doch ein Besuch beim Händler endet meistens ernüchternd. Die Nachfrage ist enorm und Corona hat einige Lieferketten unterbrochen. Das Resultat sind leere Lager und lange Wartezeiten.

Was versteht man eigentlich unter einem E-Auto?
Hier unterscheidet man zwischen rein elektrisch fahrenden Autos und Plug-in-Hybriden. Letztere haben neben einem Akku, den man wie bei einem reinen E-Auto über das Stromnetz auflädt, zusätzlich einen Verbrenner-Motor. Der Elektroantrieb reicht für kürzere Strecken, beispielsweise im Stadtverkehr, je nach Modell etwa 50 bis 100 Kilometer. Ist der Akku aufgebraucht, kommt der herkömmliche Benzin- oder Dieselmotor zum Einsatz. Reine E-Autos können teilweise über 500 Kilometer mit einer Aufladung fahren.
Wie lange muss ich auf mein neues E-Auto warten?
Die Nachfrage ist groß, die Hersteller können kaum nachliefern. Gestiegene Kraftstoffpreise, Umweltbewusstsein und staatliche Förderungen haben den Trend zu alternativen Antriebsarten enorm verstärkt. Die Neuzulassungen in Deutschland haben sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht.
Die Lieferzeit beträgt aktuell etwa zehn Monate, wenn ein Modell derzeit überhaupt bestellbar ist, sagt Ralph Orléa, Inhaber eines Autohauses in Bremen-Nord. Jahreswagen oder Vorführwagen können vereinzelt noch angeboten werden, so Orléa. Zu entsprechend hohen Preisen, versteht sich.

Die Nachfrage ist extrem hoch. Man kann sagen etwa 70 Prozent Elektroauto, 30 Prozent Verbrenner.

Ralph Orléa, Autohändler in Bremen-Nord
Ralph Orléa, Autohändler in Bremen-Nord
Warum sind die Wartzeiten so lang?
Verfügbare Autos wurden abverkauft, aber der Nachschub wurde knapp. Wegen Corona mussten einige Fahrzeughersteller Kurzarbeit einführen oder die Arbeit vorübergehend komplett einstellen. Die gleiche Situation herrscht bei den benötigten Mikrochips, die dadurch nicht lieferbar sind und eine weltweite Halbleiterkrise ausgelöst haben, welche nicht nur die Fahrzeugindustrie schwer getroffen hat. Die aktuelle Lage in Europa beeinflusst die Zulieferer zusätzlich. Laut Autohändler Ralph Orléa wurden viele Fahrzeugteile wie beispielsweise Kabelbäume bisher in der Ukraine hergestellt. Durch den Krieg ist die Produktions- und Lieferkette an der Stelle unterbrochen.

Die Strompreise werden steigen. Wenn Sie zu Hause eine Photovoltaik-Anlage haben ist das eine tolle Sache, besser kann man nicht fahren.

Ralph Orléa, Autohändler in Bremen-Nord
Ralph Orléa, Autohändler in Bremen-Nord

Neuzulassungen Pkw in Deutschland

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Was ist ein E-Bike?
Gemeint sind in der Regel Fahrräder, die ihre Besitzer mit einem Antrieb beim Treten unterstützen, sogenannte Pedelecs. Damit kann man bis zu 25 Stundenkilometer schnell werden, mit einem S-Pedelec sind sogar 45 Kilometer pro Stunde drin. Je nach Fitnesslevel kann die Unterstützung durch den Elektromotor individuell eingestellt werden. Das erlaubt auch älteren oder erkrankten Menschen wieder längere Radtouren. Reine Elektroräder, bei denen man gar nicht mehr in die Pedale treten muss, gibt es ebenfalls, sie sind aber eher mit einem Mofa zu vergleichen und werden nicht so häufig nachgefragt.

Wir verkaufen fast mehr Pedelecs und E-Bikes als Fahrräder momentan. Das ist ein Wahnsinns-Hype.

Stefan Bohlmann, Fahrradhändler in Bremen-Huchting.
Stefan Bohlmann, Fahrradhändler in Bremen-Huchting
Sind E-Bikes einfacher zu bekommen als E-Autos?
Wer Glück hat, findet noch ein Exemplar beim Fahrradhändler. Dann sollte man aber schnell zugreifen, denn die Nachfrage ist riesig. Wer ein bestimmtes Modell kaufen möchte, sollte sich auf Lieferzeiten von einigen Monaten bis zu einem Jahr einstellen. Es gibt zum Teil staatliche Förderung bei der Anschaffung, viele Firmen bieten ihren Mitarbeitenden Leasingverträge für Fahrräder an, aber auch die Spritpreise und der Umweltgedanke lassen die Nachfrage steigen.
Was sind die Gründe dafür?
Zwei Millionen E-Bikes wurden 2021 verkauft – ein neuer Rekord. Es ist die umweltfreundliche Alternative zum Auto, man kommt schnell zur Arbeit, die Parkplatzsuche entfällt und man kommt entspannt ohne große Kraftanstrengung ans Ziel. Aber auch als Fitnessgerät ist es gefragt, besonders in Zeiten von Corona und Homeoffice.

Der hohen Nachfrage stehen Lieferschwierigkeiten gegenüber. Den Herstellern fehlen Komponenten wie Bremssysteme, Displays und Akkus. Viele Teile werden in Asien produziert, wo aufgrund der Corona-Pandemie einige Werke ihre Arbeit zeitweise einstellen mussten. So kommen keine neuen E-Bikes in die Geschäfte und die Händler können der Nachfrage nicht mehr gerecht werden.

Wir können nichts verkaufen, wenn wir nichts kriegen.

Stefan Bohlmann, Fahrradhändler in Bremen-Huchting.
Stefan Bohlmann, Fahrradhändler in Bremen-Huchting

Verkauf Fahrräder und E-Bikes in Deutschland in Deutschland

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 3. April 2022, 19:30 Uhr