Wer schläft denn da im Baum? 5 Fakten über die Waldohreulen in Bremen

Wo Waldohreulen mitten in Bremen-Findorff schlafen

Bild: Nabu | Florian Scheiba

Sie sind wieder da: Waldohreulen haben ihren Schlafbaum in einem Wohngebiet in Bremen-Findorff bezogen. Auch im dritten Winter üben die Tiere eine große Faszination aus.

Der leicht zerzauste Lebensbaum in Bremen-Findorff ist schon seit mehreren Jahren das Zuhause von mehreren Waldohreulen. In diesem Winter haben Anwohner und der Naturschutzbund Bremen (Nabu) bisher sieben Tiere gezählt. Im vergangenen Jahr waren es auch schon bis zu 20.

Wer weiß, wo man suchen muss, findet die hübschen Tiere schnell: Schlafend sitzen sie verteilt auf den Ästen des Lebensbaumes. Mindestens zum dritten Mal sind sie hier zusammengekommen. Bis zur Brutzeit im März oder April teilen sie sich diesen Schlafbaum. Dann verteilen sie sich, um zu brüten und ihre Jungtiere aufzuziehen. Noch mehr Waldohreulen-Wissen gefällig? Hier sind fünf Fakten über die Vögel.

1 Die Püschelohren

Die Waldohreule ist ein nachtaktiver Greifvogel. Sie ist zwischen 32 und 37 Zentimeter groß und hat eine Flügel-Spannweite von rund einem Meter. Wegen der flauschigen Federohren gehört sie zur Gattung der sogenannten Ohreulen. Die Püschel haben allerdings keinerlei Hörfunktion. Die Eule kann damit Artgenossen ihre Stimmung zeigen.

2 Federn helfen beim Hören

Beim Hören helfen tatsächlich die Federn im Gesicht rund um die Augen. Der so genannte "Gesichtsschleier" gibt den Eulen ihr typisches euliges Aussehen. Der Gesichtsschleier verstärkt die Schallwellen und lenkt sie zu den eigentlichen Ohren.

3 In Europa zuhause

Eine Waldohreule
Bei einer Spannweite von rund einem Meter wiegt eine Waldohreule nur zwischen 220 Gramm (Männchen) und 370 Gramm (Weibchen). Bild: Imago | Imagebroker

Die Waldohreule ist fast in ganz Europa zuhause. Nach dem Waldkauz ist sie die häufigste Eulenart in Deutschland. Mit mehr als 32.000 Brutpaaren hierzulande ist die Tierart laut Nabu nicht bedroht. Streng geschützt sind die Waldohreulen aber trotzdem.

Junge Waldohreulen können auch mal bis zu 2.000 Kilometer zurücklegen, um ein geeignetes Zuhause zu finden, sagt Florian Scheiba vom Nabu Bremen. Die meisten Tiere bleiben aber in ihrem angestammten Lebensraum oder legen nur kürzere Strecken zurück. Woher die Waldohreulen in Findorff stammen, weiß Scheiba nicht. Bisher wurden die Tiere nicht gekennzeichnet.

4 Der ideale Lebensraum

Laut Nabu wohnen Waldohreulen eigentlich am liebsten im Wald in der Nähe von offenen Flächen wie zum Beispiel Feldern. Doch auch in Bremen-Findorff scheint es den Tieren gut zu gefallen. In der Nähe des Waldohreulen-Schlafbaums liegen Kleingärten und der Bürgerpark. Auch dort finden die Eulen offenbar genug Nahrung. Am liebsten fressen sie Mäuse und Wühlmäuse.

Warum genau sich die Eulen den Schlafbaum teilen, ist übrigens nicht bekannt. Anders als andere Vogelarten leben Eulen den Rest des Jahres nicht in Schwärmen, sondern lediglich als Brutpaar zusammen.

5 Zweitbezug statt eigenem Nestbau

Waldohreulen bauen keine eigenen Nester. Im Normalfall nutzen sie alte Krähennester. Auch in Bremen brüten sie gerne und nerven damit auch mal die Anwohnerinnen und Anwohner. Sind die Jungtiere erst einmal mobil, signalisieren sie ihren Eltern nämlich mit einem lauten fiependen Ruf, wo im Baum sie sitzen – und dass sie Hunger haben. Da die Tiere ausschließlich nachts jagen, kann das Fiepen durchaus die Nachtruhe stören.

Florian Scheiba vom Nabu Bremen guckt meist jeden Winter bei den Waldohreulen in Findorff vorbei. Auch wenn der Vogel nicht bedroht oder selten ist, selbst für den Naturschutz-Experten haben die Tiere ihren Reiz nicht verloren: "Das sind putzige Tiere und man sieht sie selten, das macht die Faszination aus. Auch für mich", sagt Scheiba. Wo genau der Waldohreulen-Schlafbaum steht, möchte er trotzdem nicht im Netz lesen. Schließlich sollen sich die Tiere auch weiterhin wohlfühlen. Zu viele Störungen könnten das gefährden.

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Autorin

  • Sarah Kumpf Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. Januar 2022, 19:30 Uhr