Vor Hotspot-Entscheidung: Angespannte Lage in Bremens Kliniken

Eine Krankenschwester kümmert sich um einen Patienten auf der Intensivstation eines Krankenhauses.

Vor Hotspot-Entscheidung: Angespannte Lage in Bremens Kliniken

Bild: DPA | Helmut Fohringer/APA/picturedesk.com

Bremens Politik ist uneins darüber, ob die Krankenhäuser überlastet genug sind, um Bremen zum Hotspot zu erklären. Wie die Kliniken das sehen, fassen wir hier zusammen.

Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) hat sich dafür ausgesprochen, Bremen zu einem Corona-Hotspot zu erklären. Dann könnte die Maskenpflicht im Einzelhandel wieder eingeführt werden. Am Dienstag berät der Senat darüber – und wird wohl eine Entscheidung gegen den Wunsch des Gesundheitsressorts treffen. Ein Hotspot könne nur beschlossen werden, wenn das Gesundheitssystem überlastet sei, sagt der SPD-Fraktions-Vorsitzende Mustafa Güngör. Eben das sei zur Zeit nicht gegeben. Die Grünen wiederum sind für die Regelung. Der Grund: Die Lage in den Krankenhäusern sei dramatisch, sagt deren gesundheitspolitische Sprecherin, Ilona Osterkamp-Weber.

Doch wer hat Recht? Wir haben bei den Kliniken nachgefragt. Dies sind die Antworten.

1 Evangelisches Diakonie-Krankenhaus (Diako)

Die Pandemie gehe selbstverständlich auch am Diako nicht vorbei, sagt Klinik-Sprecher Ingo Hartel. "Richtig ist, dass die Situation anspruchsvoll ist und uns herausfordert", sagt er. Dies sei unter anderem am Krankenstand der eigenen Mitarbeitenden zu sehen, so der Sprecher. Dennoch gelinge es dem Krankenhaus bislang, den Regelbetrieb "patientenorientiert" sicherzustellen.

2 Gesundheit Nord (Geno)

Auch in den Krankenhäusern der Gesundheit Nord ist die Lage derzeit angespannt, sagt Geno-Sprecherin Karen Matiszick. Die Patientenzahlen seien unvermindert hoch, ein rückläufiger Trend nicht zu erkennen. Derzeit hat der Klinikverbund insgesamt 96 Patientinnen und Patienten mit einer Corona-Infektion stationär aufgenommen. Davon sind acht so schwer erkrankt, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden.

"Zugleich haben wir – anders als in den ersten Pandemiewellen – derzeit rund 200 Beschäftigte, die Corona-bedingt ausfallen", sagt Matiszick. Entweder, weil sie selber infiziert oder weil sie in Quarantäne seien. Durch die Größe des Klinikverbunds gelinge es bislang allerdings, die Ausfälle zu kompensieren und den Regelbetrieb weitestgehend aufrecht zu erhalten.

3 Krankenhaus Sankt Joseph-Stift

"Die Lage in unserem Haus ist weiterhin sehr angespannt", sagt Silke Meiners, Sprecherin des St. Joseph-Stifts. Das Krankenhaus versorge noch immer viele Patientinnen und Patienten mit einer Covid-19-Infektion. Dabei würden zwar weniger Fälle auf der Intensivstation als noch in vorherigen Wellen verzeichnet, dafür aber umso mehr im Isolierbereich.

Problematisch sehen wir die starke Belastung – physisch wie auch psychisch – beim Personal nach mittlerweile zwei Jahren Corona-Pandemie.

Silke Meiners, Sprecherin des St. Joseph-Stifts

Hinzu kämen coronabedingte Personalausfällen, die die ohnehin angespannte Personalsituation noch verschärfe. Aktuell befinden sich 42 Mitarbeitende des St. Joseph-Stifts in Isolation. Dadurch, dass sich die Betroffenen aktuell aus allen Berufsgruppen zusammensetzten und es keine Häufung in einer bestimmten Abteilung gebe, gebe es allerdings nur leichte Einschränkungen.

4 Roland Klinik

"Die Lage ist schwierig", sagt Johannes Albers, Leiter Krankenhaushygiene an der Roland Klinik am Werdersee. Wegen der vielen Personalausfälle müssten OP-Säle geschlossen werden. Auch elektive, also nicht dringend notwendige, Operationen sowie Sprechstunden müssten derzeit immer wieder verschoben werden. "Aus unserer Sicht ist eine Hotspot-Einstufung Bremens mehr als sinnvoll", sagt Albers.

5 Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen (RKK)

Das Rotes-Kreuz-Krankenhaus in Bremen.
Am Rotes Kreuz Krankenhaus in Bremen muss beim Personal "improvisiert" werden. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Grundsätzlich sei ein wirklicher Regelbetrieb seit Corona nicht möglich, sagt RKK-Sprecherin Dorothee Weihe. Der Aufwand für die Versorgung infizierter Patienten sei hoch. Konkret bedeute dies, dass für ihre Versorgung doppelt so viel Personal benötigt werde wie bei der Versorgung nicht-infizierter Patienten.

"Durch die hohen Inzidenzen steigt aber der Anteil der Quarantänefälle natürlich auch in der Mitarbeiterschaft, und es wird immer schwieriger, die Schichten zu besetzen", sagt Weihe. Die Situation ändere sich täglich, es müsse improvisiert werden. "Am Wochenende mussten Personal zusammengezogen und Stationskapazitäten verringert werden." Im Moment seien es rund fünf Prozent des Personals, die fehlten.

6 Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide

Einem Sprecher des Klinikums Bremerhaven-Reinkenheide zufolge, liegt der Personalausfall dort aktuell bei 18 Prozent. Wobei sich knapp vier Prozent der Beschäftigten derzeit in Isolation befinden. Dies stünde stellvertretend für die vergangenen Wochen und führe zu Engpässen auf einzelnen Stationen. "Alles, was kein Notfall ist, ist für den Moment eingeschränkt", so der Sprecher.

Derzeit behandle das Klinikum 37 Patientinnen und Patienten mit Sars-Cov-2, darunter seien vier auf der Intensivstation. Die Notfallversorgung und lebenswichtige Operationen könnten durchgeführt werden. Was plan- und verschiebbar ist, sei hingegen eingeschränkt, zum Beispiel eine künstliche Hüfte, sagt der Sprecher.

Rückblick: Bremerhavener Klinik verschiebt alle planbaren Operationen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 5. April 2022, 8 Uhr