Bremer Virologe: "Keinen Grund Corona-Maßnahmen über Bord zu werfen"

Steigende Corona-Zahlen: Bremer Virologe warnt vor Lockerungen

Bild: Radio Bremen
  • Virologe Dotzauer warnt davor, alle Corona-Maßnahmen aufzuheben
  • Gesundheitssenatorin Bernhard will Schwellenwert-Planung
  • Bürgermeister Bovenschulte hält Lockerungen für angemessen

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer kritisiert, dass ab dem 20. März voraussichtlich alle tiefgreifenden Corona-Schutzmaßnahmen aufgehoben werden. Mit Blick auf die Zahlen gebe es keinen vernünftigen Grund, sämtliche Maßnahmen über Bord zu werfen.

Alle Maßnahmen aufzuheben, kann nur solchen Leuten plausibel erscheinen, die die Realität ignorieren und sich der Fantasievorstellung hingeben, dass über die Sommermonate nichts passiert.

Andreas Dotzauer, Bremer Virologe

Tatsächlich hat das Infektionsgeschehen im Land Bremen zuletzt wieder Fahrt aufgenommen. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in der Stadt Bremen am Samstag auf 843 und in Bremerhaven auf 1.246 gestiegen. Vor einer Woche lagen diese Werte bei 667,5 (Bremen) und bei 883 (Bremerhaven).

Der Bund hat zwar Kriterien festgelegt, mit denen die Länder die Maßnahmen auch nach dem 20. März wieder verschärfen können. Die sind aber recht vage gehalten und es ist noch unklar, wie Bremen damit umgeht.

Bürgermeister und Gesundheitssenatorin uneins

Zumal sich Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke) nicht einig sind. Bovenschulte hatte zuletzt erklärt, dass er die geplanten Lockerungen für angemessen hält. "In der gegenwärtigen Lage halte ich das für eine verantwortbare Regelung", sagte er zu buten un binnen. Allerdings: "Sollte sich das Pandemiegeschehen künftig grundlegend ändern und eine flächendeckende Überlastung des Gesundheitswesens drohen, müsste der Bundesgesetzgeber noch einmal nachbessern."

Bernhard (Die Linke) sieht das aber komplett anders. "Wir sehen in ganz Deutschland wieder steigende Fallzahlen, und dann gibt es nicht einmal die Möglichkeit über die Maskenpflicht grundsätzlich in Innenräumen zu entscheiden?", sagte sie buten un binnen. Sie halte die Pläne für die Zeit nach dem 20. März für absolut nicht angemessen, sagte sie buten un binnen.

Weitere Diskussion im Senat

Am Dienstag tagt der Bremer Senat. Bernhard will, dass die Bremer Landesregierung ihrer Behörde dann den Auftrag gibt, eine "Schwellenwert-Planung" auszuarbeiten, für den Fall, dass "die Inzidenzen weiter steigen, sich dies in den Kliniken bemerkbar macht und schnell reagiert werden muss", sagte sie im Interview mit dem "Weser-Kurier". Am Donnerstag tagen Bund und Länder. Nicht ausgeschlossen, dass da die Regeln noch einmal präzisiert oder verschärft werden.

Rückblick: Bovenschulte: "Das Lockerungsmodell bietet eine klare Perspektive"

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. März 2022, 19:30 Uhr