Müssen wir uns überhaupt noch vor Corona schützen? "Unbedingt"

Die 15-jährige Clara wird im Impfzentrum geimpft. In Bremen können sich Kinder über 12 Jahre gegen Corona impfen lassen

Müssen wir uns überhaupt noch vor Corona schützen? "Unbedingt"

Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Zahlen sinken. Doch Corona bleibt gefährlich, sagt der Bremer Virologe Dotzauer. Wegen möglicher Folgeerkrankungen rät er zur vierten Impfung und widerspricht der Impfkommission.

Zwar sind Anfang des Monats die meisten Corona-Maßnahmen weggefallen. Dennoch gehen die Corona-Infektionszahlen bundesweit zurück. Auch die Sterberate unter den Infizierten ist im Vergleich zur Delta-Welle deutlich gesunken. Muss man sich nun vor Corona überhaupt noch schützen? "Unbedingt", sagt der Bremer Virologe Andreas Dotzauer: "Es ist noch nicht vorbei. Es sterben noch immer viele Menschen an Corona, bis vor Kurzem noch 300 pro Tag allein in Deutschland." Das könne man nicht einfach so beiseite schieben.

Große Sorgen bereitet dem Virologen in diesem Zusammenhang, dass die Impfkampagne ins Stocken geraten sei. "Wir kommen kaum voran, dabei brauchen wir unbedingt eine hohe Impfquote", stellt der Wissenschaftler fest. Das betreffe auch die vierte Impfung: "Man sieht, dass der Schutz vor Ansteckungen mit dem Virus schon drei, vier Monate nach der dritten Impfung deutlich nachlässt."

Diabetes und Bluthochdruck als Corona-Folgen

Das sei auch deshalb gefährlich, weil eine Corona-Infektion, selbst wenn sie auf den ersten Blick harmlos verlaufen sei, schwerwiegende Folgeerkrankungen nach sich ziehen könne. So werde Diabetes und Bluthochdruck bei ehemals Corona-Infizierten häufiger beobachtet als bei anderen Frauen und Männern. "Man sollte sich nicht selbst in seiner Lebensqualität durch eine Fahrlässigkeit einschränken. Ich empfehle allen eine zweite Auffrischungsimpfung etwa vier bis fünf Monate nach der ersten Auffrischungsimpfung."

Ist die Stiko-Empfehlung überholt?

Virologe Andreas Dotzauer im Studio von buten un binnen.
Hält die aktuelle Corona-Impfempfehlung der Stiko für veraltet und rät auch Unter-70-jährigen zur zweiten Auffrischungsimpfung nach vier bis fünf Monaten: Andreas Dotzauer. Bild: Radio Bremen

Damit widerspricht Dotzauer der aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Diese sieht die zweite Auffrischungsimpfung – von Ausnahmen etwa für Pflegepersonal abgesehen – grundsätzlich nur für alle ab 70 vor. Doch Dotzauer findet: "Was für 70-jährige gut ist, ist auch für jüngere Menschen gut." Die Empfehlung der Stiko sei "ein bisschen überholt", findet der Virologe.

Es ist genügend Impfstoff für alle da. Man muss niemanden bevorzugt impfen.

Virologe Andreas Dotzauer

Bremen bleibt auf Stiko-Linie

Wer in Bremen dem Rat Dotzauers folgen und sich auch gegen die Empfehlung der Stiko die vierte Corona-Impfung geben lassen möchte, der muss sein Glück allerdings bei einem niedergelassenen Arzt oder einer niedergelassenen Ärztin versuchen. Denn der öffentliche Gesundheitsdienst im Land Bremen impft weiterhin ausschließlich nach den Empfehlungen der Stiko, sagt Diana Schlee, Pressereferentin im Gesundheitsressort.

Dennoch hält sich der Andrang von Bremerinnen und Bremern, die entgegen der Stiko-Empfehlung eine vierte Corona-Impfung haben wollen, bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in Grenzen, sagt Christoph Fox, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen. "Es kommt vor, dass Patientinnen und Patienten deswegen in die Praxen kommen, aber nicht oft", so Fox. Die Ärztinnen und Ärzte würden dann individuell abwägen, ob sie die vierte Impfung für angebracht halten oder den betreffenden Patienten empfehlen, noch damit zu warten.

Davon unberührt steht für den Bremer Virologen Andreas Dotzauer fest: "Ich werde mit meiner zweiten Auffrischungsimpfung nicht warten, bis ich 70 bin."

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. April 2022, 23:30 Uhr