Verkehrsversuche in der Bremer Innenstadt enden mit viel Kritik

Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Die Verkehrsführung bleibt, wie sie ist. Die Verkehrsversuche in der Martinistraße enden. Eine Bilanz gibt es noch nicht, aber viel Kritik aus Wirtschaft und Opposition.

Mit dem Osterwochenende endet zugleich die Zeit der Verkehrsversuche in der Bremer Martinistraße, begleitet von einem kulturellen Rahmenprogramm. Neun Monate lang hat das Mobilitätsressort auf der bis Juli 2021 vierspurigen Straße mit Absperrungen, Pollern und Markierungen verschiedene Phasen des Rückbaus simuliert: zunächst mit einer Vollsperrung des Mittelabschnitts, dann mit einer teilweisen Einbahnstraßenregelungen, zuletzt mit einspurigem Zweirichtungsverkehr. Auf diese Weise wollte das Mobilitätsressort nicht nur verschiedene Varianten der Verkehrsführung ausprobieren, sondern zugleich ausloten, wie sich welche Maßnahme auf den Straßenverkehr in den umliegenden Stadtteilen auswirkt.

"An Verkehrsführung ändert sich nichts"

Dass die Zeit der Experimente auf der Martinistraße mit dem 18. April endet, werden die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer vor Ort allerdings kaum bemerken. "An der Verkehrsführung ändert sich erst einmal nichts", sagt dazu Jens Tittmann, Sprecher des Mobilitätsressorts. Das bedeutet: Bis eine dauerhafte Lösung für den Verkehr in der Martinistraße gefunden ist, wird der Autoverkehr dort weiterhin in beide Fahrtrichtungen einspurig geführt bei einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Für Fahrradfahrer gibt es auf beiden Seiten geschützte Radfahrstreifen.

Ob es auch auf lange Sicht bei dieser oder einer ähnlichen Verkehrsführung bleiben könnte – darüber wird voraussichtlich im Juni die Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung der Bremischen Bürgerschaft beraten. Denn bis Juni, so zumindest der derzeitige Plan, hoffe sein Ressort die Verkehrsversuche auf der Martinistraße und die dazugehörigen Verkehrszählungen auswerten zu können, sagt Tittmann. Bis es aber so weit sei, sei es für eine Bilanz zu früh.

Scharfe Kritik von CDU und FDP

Porträt von Hartmut Bodeit
Findet den Verkehrsversuch in der Martinistraße zu teuer: CDU-Politiker Hartmut Bodeit. Bild: CDU Bremen

Dass es zu früh für eine abschließende Bilanz zu den Verkehrsversuchen auf der Martinistraße ist, findet auch Hartmut Bodeit, verkehrspolitischer Sprecher der Bremer CDU. Gleichwohl zieht er ein harsches Zwischenfazit: "Das ist mit 1,3 Millionen Euro ein sehr teurer Verkehrsversuch gewesen – mit viel Klimbim. 300.000 Euro hätten auch gereicht." Bremen befinde sich in einer Haushaltsnotlage. Der Sanierungsstau bei Radwegen, Fahrbahnen und Fußwegen sei groß. "Da hätte man das Geld reinstecken sollen", findet Bodeit, der zudem bemängelt, dass der Verkehrsversuch viel zu lange gedauert und für viel Verwirrung in der Bevölkerung gesorgt habe.

Ganz ähnlich äußert sich Thore Schäck, verkehrspolitischer Sprecher der Bremer FDP-Fraktion: "Die Verkehrsversuche in der Martinistraße waren ein einziges Chaos, auch die aktuelle Einspur-Lösung legt zum Feierabend halb Bremen lahm." Zudem kritisiert die FDP das Rahmenprogramm, das Bremen rund um die Verkehrsversuche in der Martinistraße initiiert hat: "Surferwelle und sonderbare Holzkonstruktionen haben viel Geld gekostet, die Innenstadt aber nicht aufgewertet", sagt Schäck.

Das teure Kasperletheater hätte es nicht gebraucht!

Thore Schäck der FDP-Landesvorsitzender in Bremen im Studiogespräch bei buten un binnen.
FDP-Politiker Thore Schäck

"Nicht gelungene Umsetzung und Kommunikation"

Rollrasen und Liegestühle auf der belebten Martinistraße von oben fotografiert
Auch Rollrasen und Liegestühle zur Eröffnung von Transformartini hätten nicht dauerhaft zur Aufenthaltsqualität vor Ort beigetragen, bemängelt die City-Initiative. Bild: Ben Eichler | Ben Eichler

Doch nicht nur aus der Opposition erntet der Bremer Senat bereits vor der offiziellen Bilanz viel Kritik für die Verkehrsversuche auf der Martinistraße. Auch die innerstädtische Wirtschaft zeigt sich darüber verärgert. So kritisiert Carolin Reuther, Geschäftsführerin der City-Inititative Bremen, eine "nicht gelungene Umsetzung und Kommunikation", wodurch gerade Menschen, die auf ein Auto angewiesen seien, abgeschreckt worden seien. Zudem stellt Reuther den Sinn der Verkehrsversuche an sich in Frage: "Auf einen einspurigen Zweirichtungsverkehr hätte man sich von vornherein einigen können", sagt sie.

Allerdings bringe die derzeitige Ausgestaltung dieses Zweirichtungsverkehrs Probleme mit sich: "Es fehlen in vielen Bereichen Lieferzonen, die in Teilen vorliegende Kombination aus Bus- und Fahrradspur ist ungünstig, die Rückstauverkehre zu Pendelzeiten groß", bemängelt die City-Initiative. Hier müsse Bremen nachbessern. Schließlich habe sich die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt aufgrund der Verkehrsversuche nicht verbessert. "Dafür benötigen wir ein städtebauliches Gesamtkonzept, keine reinen Verkehrslösungen", so Reuther. Das Mobilitätsressort müsse noch zeigen, wie sich der gewonnene Raum für Fußgänger positiv nutzen lasse.

So sehen die Pläne für die autofreie Innenstadt aus

Bild: Radio Bremen

Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. April 2022, 19.30 Uhr