Verschärfte Corona-Regeln: Bremens Veranstalter fürchten "Todesstoß"

Die Inszenierung des Stücks "Imagine" wird auf der Bühne vom Theater Bremen geprobt
Die Veranstaltungsbranche in Bremen und Bremerhaven befürchtet, dass Konzerte, Messen und Events schon bald wieder abgesagt werden könnten. Bild: DPA | Sina Schuldt

2G-plus, abgesagte Veranstaltung? Bund und Länder beraten beim Corona-Gipfel über weitere Verschärfungen. Veranstalter in Bremen und Bremerhaven sind alarmiert.

Am Donnerstag berät die Bund-Länder Runde erstmals wieder gemeinsam über das weitere Vorgehen in der Pandemie. Grund dafür sind die steigenden Infektionszahlen. Zwar gilt in Bremen und Bremerhaven derzeit Warnstufe 0. Aber schon jetzt mehren sich Forderungen, große Konzerte und Events abzusagen. Zuletzt empfahl das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem Wochenbericht, "größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden".

Veranstalter seien keine "Pandemietreiber"

Ist nun wieder Schluss mit Konzerten, Events, Tagungen oder größeren Shows? Bisher steht es den Veranstaltern im Land Bremen offen, ob sie bei Großveranstaltungen auf 2G oder 3G setzten. So sieht es die Warnstufe 0 vor. Doch Empfehlungen wie die des RKI lösen bei einigen Veranstaltern im Land Bremen Unverständnis aus. Die Stadthalle Bremerhaven sieht die Veranstaltungsbranche derzeit zu Unrecht gemaßregelt. "Es ist ein Armutszeugnis, auf das Absagen von Veranstaltungen zu bestehen und damit wieder diese zu Pandemietreibern zu erklären, die es nachweislich nicht sind", beschwert sich Geschäftsführer Othmar Gimpel. Die Stadthalle und zahlreiche andere Veranstalter hätten während der Pandemie massiv auf die Sicherheit der Gäste Acht gegeben. Mit Absagen und weiteren Einschränkungen versetze man der Branche eine Art "Todesstoß", so Gimpel.

Die Maßnahmen müssen endlich relevant sein. Man läuft Gefahr, einer gesamten Branche den Todesstoß zu verpassen.

Othmar Gimpel, Geschäftsführer der Stadthalle Bremerhaven

Veranstaltungs-Absagen sind ein "negatives Signal"

Auch in der Stadt Bremen reagieren Veranstalter zunehmend frustriert mit Blick auf das Bund-Länder-Treffen. So auch der Bremer Konzertveranstalter Koopmann. Ankündigung von verschobenen und abgesagten Veranstaltungen hätten eine negative Signalwirkung, so Oliver Mücke, Sprecher bei Koopmann Concerts & Promotion. Er befürchtet, mit den neuen Beschränkungen blieben der Branche weiter Gäste und Künstler aus. "Wir hatten und haben keinerlei Planungssicherheit mehr und können nicht sagen, was in einem Monat oder einem halben Jahr ist", beklagt Mücke.

Wenn durch das unkoordinierte Handeln und den blinden Aktionismus vieler Entscheidungsträger unsere Branche erneut in den Abgrund gedrängt wird, können wir es auch irgendwann komplett sein lassen.

Oliver Mücke, Koopmann Concerts & Promotions

Stornowelle in der Branche rollt bereits an

Die Signalwirkung, die von den Forderungen nach schärferen Corona-Maßnahmen ausgeht, ist schon jetzt bei den Veranstaltern spürbar. Zumindest legt das eine Umfrage des Bundesverbands der Konzert und Veranstaltungswirtschaft nahe. Demnach haben 77 Prozent der fast 1.000 befragten Veranstaltungsbetriebe in den letzten 5 Tagen massive Stornierungen erlebt. Das macht, laut BDKV, einen Umsatzverlust von fast 100 Millionen Euro aus.

Veranstalter fordern bundeseinheitliche Regelungen

Damit es dazu nicht kommt, fordern Bremens Veranstalter wie die ÖVB-Arena, Koopmann, die Stadthalle Bremerhaven oder die Norddeutsche Konzertdirektion Grevesmühl eine einheitliche Lösung für alle Bundesländer. "Es nutzt uns gar nichts, wenn wir wie im Augenblick in Bremen 2G haben und in anderen Bundeslandern 3G oder gar 2G Plus", heißt es von Christine Glander, Sprecherin der ÖVB-Arena. Mit den unterschiedlichen Regeln rentieren sich Auftritte für Künstler wirtschaftlich nicht mehr und ganze Tourneen würden abgesagt, so Glander.

Hilfsprogramme müssen verlängert werden

Ob nun 3G, 2G oder 2G-plus – viele Veranstaltungsunternehmen in Bremen und Bremerhaven fordern ein Ende des Corona-Regel-Flickenteppichs. Und eine Verlängerung der Corona-Hilfen. Die Corona-Hilfsprogramme seien notwendig, betont die Geschäftsführerin der Norddeutschen Konzertdirektion in Bremerhaven, Franziska Grevesmühl von Marcard. "Bei einem erneuten Lockdown oder weiteren Stornierung müssen wir möglicherweise wieder teilweise Kurzarbeit anmelden. Diese hatten wir gerade vor zwei Monaten beenden können". Genau deswegen brauche es weiter Überbrückungshilfen, heißt es auch vom BDKV. Fast 40 bis 50 Prozent der Mitarbeitenden hätten seit der Pandemie die Veranstaltungsbranche verlassen.

Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 17. November 2021, 23:30 Uhr