Vertrackte Urlaubsplanung: Was Bremer vor einer Reise beachten sollten

Flugreisende warten mit Gepäck an einem Terminal (Archivbild)
Flugreisen sind derzeit fast uneingeschränkt möglich. Allerdings sollten Reisende wissen, unter welchen Umständen sie notfalls von der Reise zurücktreten könnten. Bild: DPA | Christoph Schmidt

Reisen ist in der vierten Corona-Welle erlaubt, aber unsicher. Bremer Verbraucherschützer sagen, worauf man beim Buchen achten muss und wie man notfalls zurücktreten kann.

Ob zu Weihnachten oder im neuen Jahr: Um Reisen ist wegen steigender Bahnpreise, noch mehr aber durch die vierte Corona-Welle eine neue Debatte entbrannt. So rät der neue Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) von Reisen zu Weihnachten ab. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mahnt zumindest das Einhalten der Abstandsregeln im öffentlichen Personenverkehr an: gleich, ob im Zug, im Bus oder im Flieger. Unterdessen warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in verschiedene Corona-Hochrisiko- und in Virusvarianten-Gebiete.

Die Verbraucherzentrale Bremen erklärt, worauf Bremerinnen und Bremer achten sollten, wenn sie gerade eine Reise planen – oder auch von einer Reise zurücktreten möchten.

Wo sollte ich mich vor und während meiner Reise am besten über mögliche Einschränkungen und Risiken an meinem Urlaubsort, insbesondere durch Corona, informieren?
Wer ins Ausland reisen möchte, dem empfehlen Verbraucherschützer, die Warnungen und Hinweise des Auswärtigen Amts (www.auswaertiges-amt.de) im Blick zu behalten. Das Auswärtige Amt informiert Reisende auch über die Corona-Regeln am Zielort, die sich von den hiesigen Regeln wie der derzeit geltenden 3G-Regel im öffentlichen Personenverkehr unterscheiden können. "Wer ein Smartphone nutzt, sollte die App "Sicher Reisen" des Auswärtigen Amts installieren", sagt Parsya Baschiri, Verbraucherrechts-Berater der Verbraucherzentrale Bremen.

Die App halte zu jedem Land ausführliche, fortlaufend aktualisierte Reise- und Sicherheitshinweise bereit, erklärt das Auswärtige Amt. Für Probleme vor Ort biete die App Infos für Notfälle sowie die Adressen der deutschen Vertretungen im jeweiligen Reiseland. Sie informiert über die Themen "Aktuelles", "Sicherheit", "Natur und Klima", "Einreise und Zoll" sowie "Gesundheit". Gestattet man der App, den eigenen Standort zu orten, überträgt sie automatisch eine Push-Nachricht, falls sich die Reise- und Sicherheitshinweise für das jeweilige Urlaubsland ändern.

Wer innerhalb Deutschlands verreist, für den sind vor dem Hintergrund der jeweils unterschiedlichen und sich verändernden Corona-Regeln die örtlichen Gesundheitsämter die maßgebliche Informationsquelle. "Da sollte man sich vor der Reise nach möglichen Einschränkungen erkundigen", sagt der Bremer Verbraucherrechtsberater Parsya Baschiri.

Einen guten, regelmäßig aktualisierten Überblick über die jeweiligen Corona-Regeln in den einzelnen Bundesländern und die damit verbundenen Regeln speziell für Reisende steht auch auf dieser Website des ADAC.
Zugreisende an einem Bahnsteig (Archivbild)
Das Reisen per Zug ist zwar nahezu uneingeschränkt möglich, wird aber teurer. Bild: Imago | Future Image
Ich habe eine Reise gebucht, mir ist die Corona-Lage aber nicht mehr geheuer. Kann ich die Reise stornieren und bekomme ich mein Geld zurück?
Grundsätzlich zwingt mich niemand, eine bereits gebuchte Reise auch anzutreten, sagt Parsya Baschiri von der Verbraucherzentrale Bremen. Allerdings würden, je nach Vertrag, den ich abgeschlossen habe, meist zumindest Storno-Gebühren fällig, wenn ich von der Reise zurücktrete.

Einen Anspruch darauf, die komplette Summe erstattet zu bekommen, habe ich bei Pauschalreisen, sofern ich "unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände" nachweisen könne. Diese Umstände müssten so schwer wiegen, dass man mir meine Reise nicht zumuten kann, sagt Baschiri.
Welche Umständen wiegen so schwer, dass ich mein Geld zurück bekomme, wenn ich von einer bereits gebuchten Pauschalreise zurücktrete?
Eine Reisewarnung für mein Reiseziel durch das Auswärtige Amt wäre nach allgemeiner Rechtsauffassung ein hinreichender Grund, sagt Baschiri: "In diesem Fall lägen außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vor. Und die rechtfertigen dann auch eine kostenlose Stornierung."

Das betreffe beispielsweise Reisen in ein Corona-Hochrisikogebiet oder in ein Virusvariantengebiet. Zu den Hochrisikogebieten zählt laut Auswärtigem Amt derzeit beispielsweise die Schweiz, zu den Virusvariantengebieten beispielsweise Namibia. Außerdem warnt das Auswärtige Amt vor Reisen zu Zielen mit erhöhter Terroranschlags-Gefahr wie Afghanistan oder vor solchen in Krisenherde wie Somalia. Dort kommt es laut Auswärtigem Amt immer wieder zu Fällen von Piraterie.

Doch Achtung! Wenn ich meine Reise in ein derartiges Risikogebiet zu einem Zeitpunkt gebucht habe, zu dem es bereits eine Reisewarnung für mein Reiseziel gegeben hat, so liegen die Dinge anders. Dann argumentierten Reiseveranstalter meist, dass ich meine Reise trotz der Warnung, also "sehenden Auges" gebucht hätte. In diesem Fall lasse sich eine kostenlose Stornierung kaum rechtfertigen, sagt Verbraucherschützer Baschiri.
Ich habe keine Pauschalreise gebucht. Welche Rechte habe ich bei meiner Individualreise?
Wenn ich eine individuell gebuchte Unterkunft beispielsweise wegen Einreisebeschränkungen nicht nutzen kann, so muss ich auch nicht dafür bezahlen – zumindest nach Auffassung der Verbraucherzentrale Bremen.

Als Grundlage für diese Auffassung, schränkt die Verbraucherzentrale ein, gelte allerdings deutsches Recht. Habe ich meine Unterkunft direkt beim Eigentümer im Ausland gebucht, so kann es sein, dass das dortige Recht greift.

Entsprechendes gilt laut Verbraucherzentrale Bremen für Flugreisen, die ich aufgrund von Ein- oder Ausreisebeschränkungen nicht antreten kann. Werden die Flüge von den Fluggesellschaften abgesagt, habe ich die Wahl zwischen der Erstattung des Flugpreises und einem Ersatzflug zu einem späteren Zeitpunkt, der mich nichts extra kosten darf. Auch, wenn einen Airline meinen Flug trotz der Reisebeschränkungen durchführt, muss sie mir nach Meinung der Verbraucherzentrale Bremen den Flugpreis erstatten, wenn für mich ein Einreiseverbot gilt.
Was ist, wenn ich mich mit Corona infiziert habe und deswegen nicht reisen kann?
Grundsätzlich sei eine Erkrankung kein Grund, um stornokostenfrei von einer Reise zurückzutreten, sagt Verbraucherschützer Baschiri. Dabei spiele auch keine Rolle, ob es sich um Corona oder um eine andere Krankheit handelt. "Es sei denn, man hat eine Reiserücktrittsversicherung, die den Fall einer Corona-Erkrankung abdeckt", so Baschiri.

Doch das sei nicht bei allen Reiserücktrittsversicherungen der Fall. Grundsätzlich rät die Verbraucherzentrale sehr dazu, Reiserücktrittsversicherungen abzuschließen. Allerdings gebe es große Unterschiede. Viele enthielten eine Klausel, die Corona ausschließt. "Da sollte man das Kleingedruckte lesen", rät Baschiri. Außerdem solle man den Versicherungsvertrag aufheben, um im Zweifelsfall nachweisen zu können, wie er zum Zeitpunkt seines Zustandekommens ausgesehen hat. Denn mitunter fügten einige Anbiete eine Corona-Klausel im Nachhinein ein.
Eine Frau steht hinter einem Fenster und schaut hinaus (Symbolbild)
Wer in Quarantäne muss und daher eine gebuchte Reise nicht antreten kann, wird sie dennoch bezahlen müssen. Bild: DPA | Bildagentur-online/Tetra-Images/Jessica Peterson
Angenommen, ich habe eine Reiserücktrittsversicherung oder einen Corona-Flexi-Vertrag abgeschlossen. Wann spätestens muss ich von meiner Reise zurücktreten, damit mein Versicherungsschutz tatsächlich greift?
Das hänge davon ab, was genau in meinem Vertrag steht. In der Regel, so Baschiri, stehe in den Verträgen, dass man bis 14 Tage vor Reiseantritt kostenlos stornieren könne. "Wenn man einen Tag vorher damit ankommt, wird es nicht möglich sein, kostenlos raus zu kommen", sagt Baschiri. Ausnahmen könnten nachweislich schwere Erkrankungen, der Tod eines engen Verwandten oder plötzliche Arbeitslosigkeit darstellen: "Das muss man aber im Detail prüfen."
Was ist, wenn ich meine Reise nicht antreten kann, weil ich etwa als Kontaktperson eines Infizierten in Quarantäne muss?
Das ist dann leider mein Problem, nicht das des Reiseveranstalters. Ich käme in solch einem Fall nicht aus meinem Vertrag heraus, ohne Storno-Kosten zu zahlen, sagt Baschiri. Der Grund: Ich hätte die Situation beeinflussen können und kann daher keine "außergewöhnlichen und unvermeidbaren Umstände" für mich anführen.
Zu Beginn der Pandemie haben viele Reiseveranstalter Kunden, die gebuchte Reisen nicht antreten konnten, mit Gutscheinen vertröstet statt ihnen den Reisepreis zu erstatten. Ist das immer noch so?
Ja, sagt Baschiri. Es sei wichtig zu wissen, dass niemand dazu verpflichtet ist, den Gutschein anzunehmen. "Wir raten Betroffenen, ihr Geld zurück zu verlangen – und das innerhalb von 14 Tagen."

Rückblick: Schlangen am Airport zu den Herbstferien

Bild: Radio Bremen

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