Reisen trotz Corona: Bremerhavens Tourismus-Chef fordert Perspektive

Die Hälfte der Deutschen plant einer Studie zufolge in diesem Jahr in den Urlaub zu fahren. Bremerhaven bereitet trotz aller Unsicherheit die "Lütte Sail" vor.

Zwei Mädchen sitzen mit Masken im Bus und machen ein Selfie.
Laut der Tourismusanalyse 2021 können sich zwei Drittel der Deutschen vorstellen, künftig kürzere Strecken wieder zu entdecken, statt weite Reisen zu machen. Bild: DPA | Lev Dolgachov

Der Corona-Lockdown trifft die Tourismus-Branche hart. Und mit ihr Bremerhaven. Mit einem Neustart von Urlaubsreisen rechnet der Tourismus-Chef der Stadt, Ralf Meyer, aber spätestens nach Ostern. Allerdings gebe es noch viele Unsicherheitsfaktoren. "Wir wissen gar nicht, was im August auf uns zu kommt", sagt Meyer.

Zu dem Ergebnis kommt auch die Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg in ihrer bundesweiten Tourismusanalyse 2021. Für die repräsentative Studie wurden 3.000 Menschen befragt. Die Tourismusbranche schwankt aus Sicht der Zukunftsforscher zwischen Bangen und Hoffen. Denn es sei völlig offen, wann und unter welche Voraussetzungen wieder gereist werden könne, sagt der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Ulrich Reinhardt. "Fest steht, dass derzeit bereits fast die Hälfte der Bundesbürger plant, dieses Jahr in den Urlaub zu fahren."

Inländische Reiseziele könnten noch beliebter werden

Gleichzeitig vertrete mit 70 Prozent eine deutliche Mehrheit der Befragten die Einstellung: Wer derzeit verreist, handelt egoistisch und denkt nicht an das Gemeinwohl. Dennoch gehen die Experten in ihrer Studie davon aus, dass der Inlandstourismus weiteren Aufschwung bekommt. Man sei vorsichtig optimistisch. Es gebe jedoch auch große Bedenken wegen der Corona-Gefahr: "Es können sich zwei Drittel der Bundesbürger vorstellen, in Zukunft kürzere Strecken wieder zu entdecken, anstatt weite Reisen zu machen", so Reinhardt. "Dies könnte erneut eine große Chance für die inländischen Reiseziele sein. Andererseits aber natürlich auch eine konkrete Antwort auf die befürchteten steigenden Preise."

Bremerhaven bereitet "Lütte Sail" für August vor

Laut der Studie verbrachten bereits im vorigen Jahr 56 von 100 Reisenden ihren Urlaub in der Bundesrepublik, 2019 waren es nur 34. Insgesamt seien die Reisezahlen durch die Pandemie allerdings massiv eingebrochen. Die Unsicherheit stellt viele Tourismus-Standorte vor enorme Herausforderungen. Denn die Saison muss ganz normal geplant werden, um jederzeit starten zu können. So bereitet zum Beispiel Bremerhaven alles für das Seglertreffen "Lütte Sail" im August vor. Die Stadt arbeite bei den Verträgen mit Pandemie-Ausstiegsklauseln, sagt Tourismus-Chef Meyer.

Wir wissen gar nicht, was im August auf uns zu kommt. Also wir wissen heute nicht, ob im August eine Großveranstaltung stattfinden kann. Sowohl die "Hansesail" in Rostock als auch die "Lütte Sail" hier in Bremerhaven, die werden weiter vorbereitet und vorangetrieben.

Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Erlebnis Bremerhaven Ralf Meyer im Studio von buten un binnen.
Ralf Meyer, Tourismus-Chef Bremerhaven

Das Großsegler-Treffen "Sail" musste 2020 wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Ohne Großveranstaltungen sei der Tourismus aber nicht tragfähig, ist Meyer überzeugt: "Die sind imageträchtig für Bremerhaven. Die Sail ist fast europaweit bekannt", sagte er. "Das sind natürlich Veranstaltungen, mit denen Sie Menschen nach Bremerhaven ziehen." Alleine durch die weggefallene "Sail" 2020 seien in der Region gut 30 Millionen Euro Umsatz weggebrochen: "Die 'Lütte Sail' lebt eigentlich davon, dass Menschen sich zwischen den Schiffen bewegen können, dass man miteinander feiert", sagt Meyer. "Auf diese Zeit freuen wir uns natürlich. Und wenn es in diesem Jahr nicht sein soll, dann im nächsten Jahr."

Tourismus-Chef hofft auf Stufenplan und Impfung

Die Tourismusexperten an der Küste fordern vom Bund einen Stufenplan, damit die Branche wieder Geld verdienen kann. Zahlreichen Betrieben drohe inzwischen das Aus. Laut Statistischem Bundesamt sank die Zahl der Übernachtungen 2020 auf ein Rekordtief. Große Hoffnung setzt Meyer nun in den Corona-Impfstoff – und in die Bereitschaft der Menschen sich auch tatsächlich impfen zu lassen. Andernfalls lautet seine düstere Prognose: "Einen Tourismus wird es ohne Impfung nicht wieder in der Form geben, wie wir ihn kennen."

Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Dirk Bliedtner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 10. Februar 2021, 14 Uhr