Gibt es wirklich Quarantäneverstöße in Bremens Einkaufszentren?

Urban Legend: Gab es Quarantäne-Verstöße in Bremer Einkaufszentren?

Bild: Radio Bremen

Seit Monaten kursieren Gerüchte über Quarantäneverstöße in Bremer Shoppingzentren. Aber was ist an diesen "Urban Legends" dran und wie entstehen sie?

Eine Erzählung, die momentan in Bremen die Runde macht: Eine Freundin war kürzlich bei Dodenhof oder im Weserpark und sah dort eine Person als Kunde, von der sie wusste, dass sich diese in Corona-Quarantäne befand. Jene Freundin informierte die Marktleitung. Daraufhin gab es eine Lautsprecherdurchsage, in der die Person aufgefordert wurde, sich sofort am Infoschalter zu melden. Dafür würde man von einer Anzeige bei der Polizei abgesehen. Daraufhin meldete sich jedoch nicht nur eine, sondern direkt sieben, 21 oder auch 43 Personen beim Schalter. So das Gerücht.

"Da ist gar nichts dran"

Monika Mehrtens, die Center-Managerin des Weserparks in Osterholz, wurde in den vergangenen drei Monaten auch immer wieder mit Gerüchten dieser Art konfrontiert. Sogar Bekannte meldeten sich bei ihr und fragten nach, ob die Erzählungen der Wahrheit entsprächen.

Es haben die Presse und die Polizei angerufen und gefragt, was da dran ist. Und wir haben natürlich auch unsere Kundeninformation befragt. Man weiß ja nie, ob so eine Durchsage wirklich mal gemacht worden ist. Aber es ist wirklich auszuschließen.

Monika Mehrtens, Center-Managerin im Weserpark
Frau im Einkaufszentrum
Monika Mehrtens dementiert, dass Vorkommnisse dieser Art im Weserpark stattgefunden haben. Bild: Radio Bremen


Sie ist erstaunt über die Fantasie der Menschen, da die Geschichten für sie überhaupt keinen Sinn ergeben. "Erstens würden wir so eine Durchsage schon mal gar nicht machen, wenn so etwas wäre", erklärt sie und stellt außerdem in Frage, ob sich diese Personen wirklich melden würden, wenn sie ausgerufen werden. Die Center-Managerin wünscht sich, dass Leute mehr nachdenken, bevor sie solche Gerüchte glauben und weiterverbreiten. Denn diese "Urban Legend" bereitet ihr nicht nur zusätzliche Arbeit, sondern sie fürchtet auch um den Ruf des Einkaufzentrums.

Keine harmlose Geschichte

Professor auf Smartphone im FaceTime Gespräch
Cornelius Puschmann beschäftigt sich damit, wie wir Informationen im Internet teilen. Bild: Radio Bremen

"Urban Legends" funktionieren unter anderem so gut, weil wir sie meist von Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern hören, sagt Cornelius Puschmann, Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Bremen. Deshalb würden sich Gerüchte wie diese so schnell verbreiten.

Wenn sie uns weitergegeben werden von Personen, die wir kennen, Personen, denen wir vielleicht vertrauen und deren Rat wir wichtig finden, dann ist es so, dass wir diese Information als besonders glaubwürdig einstufen. Häufig und weniger kritisch hinterfragen, ob das denn stimmt, ob das gesichert ist.

Cornelius Puschmann, Professor der Kommunikations- und Medienwissenschaft

Puschmann schätzt diese "Urban Legend" kritisch ein, da es um die Gesundheit der Menschen geht: "Es ist etwas, das uns Sorgen bereitet, weil es möglich wäre." Er empfiehlt daher, selbst zu hinterfragen und zu reflektieren, wie gesichert die Informationen sind und ob es Belege für sie gibt, bevor man sie verbreitet.

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Autor

  • Uwe Wichert

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Januar 2022, 19:30 Uhr