Flüchtlinge aus der Ukraine: Vor diesen Herausforderungen steht Bremen

Eine Gruppe von Menschen steht in einem losen Kreis. Sie haben gepackte Taschen und Plastiktüten dabei.
Bild: Radio Bremen

Eine Unterkunft für alle ukrainischen Flüchtlinge und ein Schulplatz für die Kinder und Jugendlichen, an diesen Problemen arbeiten zur Zeit die Bremer Behörden.

Die Flucht vieler Menschen aus der Ukraine hört nicht auf. Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind bisher mehr als drei Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer aus ihrem Land vor dem Krieg geflohen. Etwa 150.000 von ihnen sind bislang in Deutschland angekommen, der größte Teil davon in Berlin. Von da geht es weiter in die einzelnen Bundesländer – unter anderem auch nach Bremen. Eine von ihnen ist Elema.

Elema ist "begeistert von den Deutschen", sagt sie, der Bremer Pastor Andreas Hamburg übersetzt. "Ich bin fast den Tränen nahe, wie gut und herzlich das hier organisiert wurde", sagt die Ukrainerin, die vor der Messehalle steht. So wie sie fühlten viele der Geflohenen. Die Messehalle ist aktuell die erste Anlaufstation für die Geflüchteten aus der Ukraine. Hier können sie ankommen, werden registriert und ärztlich untersucht. Und dann heißt es warten. Für Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) ist aber klar, dass die Messehallen nur ein Zwischenstopp sein sollen.

Erst mal ein Bett und ankommen

Anja Stahmann auf einer Pressekonferenz im Bremer Rathaus
Sozialsenatorin Stahmann will alle ukrainischen Flüchtlinge in geeignete Unterkünfte vermitteln. (Archivbild) Bild: Radio Bremen

"Das ist sicherlich nicht das Optimale, das ist was anderes, als in einer Wohnung zu leben", sagt Stahmann buten un binnen. "Das ist das Bett, was man hat, um hier erst einmal anzukommen." Papierkram müsse auch gemacht werden. "Wir müssen die Menschen registrieren und das ist jetzt im Aufbau."

Das langfristige Ziel von Stahmann ist es, den Menschen eine eigene Wohnung zu vermitteln. Da sei man auch schon in Kontakt mit Immobilienbesitzern. In Bremerhaven konnten bereits 170 Wohnungen angeboten werden. Weitere sind in Planung und werden aktuell noch gesucht.

Ukrainisch sprechende Pädagogen gesucht

Eine andere große Herausforderung steht der Bildungsbehörde bevor. Denn 40 Prozent der Geflüchteten sind Kinder und Jugendliche, die nun in die Kitas oder Schulen integriert werden sollen. Damit das gelingt greift Bremens Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) auf ein bekanntes System zurück. "Wir gehen jetzt ran, mit den Schulen gemeinsam das bewährte Vorkurssystem auf- und auszubauen, um den Kindern die Möglichkeit zu geben die deutsche Sprache zu erlernen und am Unterricht zu partizipieren", sagt Aulepp. "Das ist eine große Herausforderung, aber die nehmen wir hier, und die nehmen die Menschen, die in den Schulen arbeiten, gerne an, um den Kindern die Normalität zu ermöglichen."

Denn das bräuchten die Kinder und Jugendlichen jetzt am meisten: Normalität, Vertrauen und einen Platz, wo sie ankommen können, so Aulepp weiter. Der Plan der Bildungsbehörde steht und wird teilweise auch schon umgesetzt. Damit dieser Plan aber auch funktioniert braucht es Personal – sprich: Pädagoginnen und Pädagogen, die der ukrainischen Sprache mächtig sind. Das werde nur mit kurzfristigen und niedrigschwelligen Angeboten möglich sein, so Aulepp.

Geflüchtete als Lehrkräfte einsetzen?

Gesucht werden also Lehrkräfte in Bremen, die bereits ukrainisch und russisch sprechen und bereit sind zusätzlich Angebote zu machen, wie Aulepp erklärt. Möglich sei es auch, dass erwachsene Geflüchtete, die gerne mit Kindern arbeiten, eingesetzt werden. "Das ist eine Frage, die wir schnell klären müssen, um sie auch einsetzen zu können", so die Bildungssenatorin. Denn Zeit habe man in der aktuellen Situation nicht.

Mir ist es wichtig, dass alle Kommunen, alle Bundesländer in Deutschland Solidarität zeigen, Aufnahmebereitschaft zeigen und signalisieren: das ist eine Aufgabe, die wir gemeinsam stemmen und ich bin mir sicher, dass alle Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen in diese Richtung beraten werden. Und das ist gerade für die Kinder und Jugendlichen ganz besonders wichtig

Bildungssenatorin Sascha Aulepp im Interview.
Sascha Aulepp (SPD), Bildungssenatorin

Täglich kommen mehr Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind nach Bremen – meist Frauen mit Kindern. Deshalb, so der Wunsch von den beiden Senatorinnen, braucht Bremen eine Verschnaufpause. Dafür sollte sich Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bei der Ministerpräsidentenkonferenz stark machen. 

Ankunft in Bremen: Ukraine-Flüchtlinge kommen in Messehalle unter

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 17. März 2022, 6 Uhr