So wurde dieser Bremer Uni-Prof zu einem Pionier der digitalen Kunst

Professor Frieder Nake von der Uni Bremen
Frieder Nake lehrt seit 1972 an der Universität Bremen.

Dozent an der Uni Bremen seit fast 50 Jahren: Frieder Nake

Bild: Universität Bremen | Matej Meža

Als der Mathematiker Frieder Nake als Dozent zur Uni Bremen kam, war die Hochschule gerade mal ein Jahr alt. Heute, fast 50 Jahre später, arbeitet er hier immer noch als Professor für grafische Datenverarbeitung und Interaktion. In dieser Woche ist er 83 Jahre alt geworden.

Anfang der siebziger Jahre lehrte Frieder Nake in Kanada und fühlte sich da eigentlich sehr wohl. Aber dann bekam er einen Brief, in dem ihn ein junger Mann auf die neu gegründete Uni in Bremen hinwies. Das Konzept der jungen Hochschule gefiel ihm sehr, erinnert er sich.

Das, was die mir geschrieben hatten, war so anders: Nichts Professorales, da war keinerlei Distanz. Ich habe noch nie so ein Engagement gefühlt in mir selbst, wie hierher zu kommen.

Frieder Nake, Professor an der Uni Bremen

Er schrieb eine Bewerbung und kam nach Bremen. Hier gab es kaum Hierarchien, Studierende und Dozenten begegneten sich auf Augenhöhe. Wenn er einen Kaffee trinken wollte, sei er einfach in die Cafete gegangen. Dort hätten immer ein paar Studierende gesessen, mit denen er sich dann über alles Mögliche unterhalten habe, erinnert er sich.

Sein Spezialgebiet ist die Computerkunst

Hierarchien sind auch heute noch nicht so sein Ding. Als Professor steht ihm ein größeres Büro zu. Weil er das nicht braucht, teilt er es sich mit einer Doktorandin. Geduzt wird bei ihm immer noch. Und bei Vorlesungen ist er nicht so gerne derjenige, der immer vorne steht. "Es gibt Studierende, die setzen sich immer in die letzte Reihe – das hasse ich. Ich sage aber nichts, ist mir egal. Wenn die da hinten alle sitzen, gehe ich dahin.", erzählt er.

Computerkünstler Frieder Nake an seinem PC.
Professor Frieder Nake an seinem PC. Bild: Radio Bremen

Sein Spezialgebiet ist die digitale Kunst – Kunst, die am Computer erzeugt wird. Frieder Nake gehört zu den Pionieren dieser Kunst. Seine Werke hat er seit den sechziger Jahren weltweit ausgestellt.

Dass er sie für sich entdeckt hat, war Zufall. Er arbeitet damals in Rechenzentrum der Uni in Stuttgart, als sein Chef ankündigte, eine Zeichenmaschine kaufen zu wollen. Und zwar nicht irgendeine, sondern den Graphomaten des legendären Computererfinders Konrad Zuse. Und Frieder Nake sollte eine Software für diese Maschine entwickeln. Er sagte sofort zu.

Diese Minute, sagt er, habe sein Leben verändert. Denn er schrieb die Software, probierte sie aus – und wurde damit zu einem Pionier der Computerkunst.

Dozent aus Leidenschaft

Heute, viele Jahrzehnte später, gibt Frieder Nake sein Wissen immer noch weiter. Zu lehren, junge Menschen zu inspirieren – das ist sein Leben. Für seine Lehre wurde er ausgezeichnet. Und dabei sieht er sich nicht als klassischer Dozent, der jungen Menschen sein Wissen beibringt, sondern er will Situationen schaffen, in denen die Studierenden sich selber bilden:

Ich sage bei jedem Anfang einer neuen Veranstaltung: Von mir werdet ihr nichts lernen. Und dann mache ich eine Kunstpause – damit sie so ein bisschen nachdenken. Ihr lernt nur von euch selbst. Natürlich bilde ich mir schon ein, dass ich dieses und jenes – schon aufgrund der anderen Lebenszeit – etwas anders sehe und verstehe. Aber was bedeutet denn das? Die sind einfach jünger – fertig aus.

Frieder Nake

Buchprojekte warten schon

Aufzuhören, das kam für ihn lange nicht in Frage. Aber jetzt habe er doch überlegt, zum Sommersemester auszusteigen, sagt er. Das sei nämlich sein 100. Semester an der Uni Bremen. Aber diese Pläne bröckelten schon wieder. Und dabei hätte er genug zu tun. Schon seit Jahren warten verschiedene Buchprojekte.

Seine Studierenden würden ihn jedenfalls vermissen. Weil er ein besonderer Dozent sei, der kein Blatt vor den Mund nehme, sagt Lisa Spetzler. Sie studiert digitale Medien an der Hochschule für Künste und belegt einen Kurs bei Frieder Nake. Er sei einfach gut drauf, meint sie.

Er ist älter als mein Opa, aber viel fitter. Er hat auch mehrfach schon gesagt, dass wir uns bei ihm treffen könnten. Dann machen wir eine Party und jeder kann sich drei Bücher aus seinem Bücherregal ausleihen. Da wär ich sofort dabei.

Lisa Spetzler, Studentin an der Hochschule für Künste in Bremen

Autorin

  • Claudia Scholz Redakteurin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 16. Dezember 2021, 13:38 Uhr