Fragen & Antworten

Wo hakt es beim Unterricht für ukrainische Kinder an Bremer Schulen?

Bild: Radio Bremen

Auch ukrainische Kinder und Jugendliche sollen in Bremen zur Schule gehen. Das birgt Herausforderungen – die das Bildungsressort nun bewältigen muss.

Seit knapp einem Monat läuft das neue Schuljahr in Bremen – und im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Land angestiegen. Ein wesentlicher Grund dafür: Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine – denn unter den nach Bremen geflüchteten Menschen sind viele Kinder und Jugendliche, die nun auch zur Schule gehen sollen. Die Organisation des Schulbesuchs liegt in den Händen des Bildungsressorts und birgt für die Handelnden einige Herausforderungen.

Wie viele Kinder und Jugendliche aus der Ukraine müssen in den Bremer Schulen unterkommen?
Beim Bildungsressort haben sich insgesamt bisher rund 1.400 geflüchtete ukrainische Kinder und Jugendliche für einen Schulbesuch angemeldet. Das sagte eine Sprecherin der Bildungsbehörde gegenüber buten un binnen. Rund 1.150 davon seien bereits einer Schule zugewiesen worden. In Bremerhaven besuchen fast 500 Kinder und Jugendliche eine Schule. Das Ressort rechnet aber damit, dass noch mehr schulpflichtige Ukrainerinnen und Ukrainer kommen werden: Insgesamt erwartet das Ressort 2.500 bis 3.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine.
Wie organisiert Bremen den Schulbesuch für ukrainische Kinder und Jugendliche?
Das Konzept des Bildungsressorts: ein Zusammenspiel aus den zwei sogenannten Willkommensschulen und den Vorkursen, die direkt an die Regelschulen angedockt sind. Die Willkommensschulen richten sich vor allem an ältere Schülerinnen und Schüler – hier liegt der Fokus auf dem Ankommen in Bremen. Dementsprechend steht vor allem Deutschunterricht auf dem Lehrplan. Die Vorkurse hingegen sind eine Ergänzung zum regulären Unterricht an den Schulen. Jüngere Schülerinnen und Schüler sollen direkt dort untergebracht werden, für die Älteren ist der Vorkurs der nächste Schritt nach der Willkommensschule.
Wie ist das Schuljahr bisher angelaufen?
Noch läuft nicht alles glatt. Ein Beispiel: In der Willkommensschule in der Stresemannstraße etwa gibt es einen Monat nach Schulbeginn weder Wlan noch Schultafeln. Aber: Das Schulangebot lebt bisher vom Einsatz und Engagement der Lehrkräfte in den Schulen. Das betonen sowohl das Bildungsressort als auch Schulleitungen. Deswegen läuft der Unterricht auch – trotz der Widrigkeiten.
Wo und von wem werden die Kinder unterrichtet?
Trotz Mangel von Raum und Personal: "Alle Kinder haben einen Anspruch darauf, gefördert zu werden, haben Anspruch auf Bildung. Das müssen wir allen Kindern ermöglichen und das werden wir auch tun!", sagt Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD). Um das zu erreichen, wurden in den letzten Monaten 33 ukrainische Lehrkräfte und knapp 50 weitere Sprachlehrkräfte eingestellt. Elf Lehrkräfte sind dazu aus ihrer Pension zurückgekehrt. Auch räumlich mussten teils ungewöhnliche Lösungen her – so ist die Willkommensschule in der Stresemannstraße in den ehemaligen Räumlichkeiten eines Mobilfunkanbieters untergekommen.
Ukranische Jugendliche im Unterricht an einer Bremer Schule
Unter anderem hat das Bildungsressort 33 ukrainische Lehrkräfte eingestellt. Bild: Radio Bremen
Wie ist die Stimmung in den Schulen?
"Ich bin froh wieder zur Schule gehen zu dürfen und hier Deutsch zu lernen, damit ich verstehe, was die Menschen hier draußen um mich rum reden", erzählt zum Beispiel die 14-jährige Juliana. So wie ihr geht es den meisten ukrainischen Schülerinnen und Schülern – gerade denjenigen, denen es nicht leicht fällt, ohne Unterstützung durch die Schule eine neue Sprache zu lernen. Dementsprechend motiviert nehmen die Lehrkräfte die meisten Kinder und Jugendliche wahr. Allerdings sehen manche Lehrerinnen und Lehrer auch einen gewissen Unmut bei geflüchteten Schülerinnen und Schülern, die nicht aus der Ukraine, sondern aus anderen Ländern kommen: Viele von ihnen könnten nicht nachvollziehen, dass der Schulbesuch nun so pragmatisch organisiert wird – weil es bei ihnen noch anders war.
Wie sieht die weitere Planung des Bildungsressorts aus?
Der aktuelle Fokus der Bildungsbehörde liegt laut Aulepp darin, die Kapazitäten der Vorkurse und Willkommensschulen weiter zu erhöhen. Außerdem sollen diese noch enger an die Regelschule angebunden werden, sodass perspektivisch alle Kinder in Bremen gemeinsam zur Schule gehen können. Alle weiteren Planungen hängen von der aktuellen Lage in der Ukraine ab – deswegen ist es schwer, eine langfristige Perspektive zu entwickeln. Die Willkommensschulen sind erstmal für ein Jahr eingeplant – dann soll weitergeschaut werden.

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. September 2022, 19:30 Uhr