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Was kann Putin stoppen, Frau Schattenberg?

Bild: Radio Bremen

Der Krieg in der Ukraine könnte sich noch Monate ziehen und unzählige Opfer fordern. Das sagt die Osteuropa-Expertin Susanne Schattenberg im Gespräch mit Felix Krömer.

Seit mehr als zehn Wochen herrscht in der Ukraine Krieg, ein Ende ist nicht in Sicht. In Deutschland läuft eine Debatte zu der Frage, welche Rolle wir dabei einnehmen sollen. Klar ist: Deutschland steht an der Seite der Ukraine. Wie weit aber soll die Bundesrepublik gehen? Deutschland hat beschlossen, schwere Waffen zu liefern. Doch das geht einher mit der Angst, dass der Krieg eskalieren könnte, vielleicht sogar ein dritter Weltkrieg droht.

Zugleich schwindet die Hoffnung, dass das russische Volk eine Wendung herbeiführen könnte. Jüngste Umfragen haben ergeben, dass eine große Mehrheit der Russen hinter Putin und seiner sogenannten Spezialoperation steht. Wer soll diesen Krieg dann aber beenden – das möchte Moderator Felix Krömer von Susanne Schattenberg wissen, der Direktorin der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen.

1 Kam der Krieg überraschend?

Ob der Angriff Russlands auf die Ukraine überraschend gewesen ist oder doch eher vorhersehbar, möchte Felix Krömer ab Minute 4.26 von Susanne Schattenberg wissen. Die Wissenschaftlerin räumt ein, dass sie sich nicht sicher gewesen sei. So habe sie gedacht: "Das wird Putin nicht machen." Denn die Kosten für den Krieg seien absehbar hoch. Was sie wie auch andere Russland-Experten aber unterschätzt habe, sagt Susanne Schattenberg ab Minute 5.12.

2 War die deutsche Ostpolitik über Jahre falsch?

Ab Minute 8.30 wendet sich Felix Krömer der Frage zu, ob man die Ost-Politik Deutschlands der letzten Jahre vor dem Hintergrund des Kriegs als gescheitert ansehen muss. Schattenberg möchte die Frage weder klar verneinen noch bejahen, sagt aber: "Ich habe schon den Eindruck, dass so ein bisschen die rosa Brille getragen wurde von Politikern sowohl aus CDU als auch SPD und FDP." Es sei rückblickend betrachtet falsch gewesen zu glauben, dass man Putin durch die Unterstützung Russlands bändigen könne.

Trotzdem geht Schattenberg insgesamt milde mit der deutschen Russland-Politik der letzten Jahre ins Gericht. Weshalb erklärt sie ab Minute 10.27.

3 Was Putin vorhat

Ab Minute 11.20 richtet Moderator Felix Krömer den Blick in die Zukunft. Er möchte wissen, was Wladimir Putin vorhat. Susanne Schattenberg räumt ein, dass sie die Frage kaum beantworten könne. Allerdings glaube sie, dass es Putin zumindest darauf ankomme, die slawischen Länder Russland, Belarus und die Ukraine wieder unter Kontrolle zu haben. Diese drei Länder hätten das Herzstück der ehemaligen Sowjetunion gebildet. Wovon abhängt, ob Putin auch beispielsweise Moldawien wieder erobern wolle, sagt Schattenberg ab Minute 13.23.

Ich denke, dass das Gefährliche an der Situation jetzt ist, dass ihm vermutlich klar ist, dass er sich schon so weit ins Abseits gestellt hat, dass es ihm egal ist, was die Welt über ihn denkt.

Susanne Schattenberg über Wladimir Putin

4 Sollte sich die Ukraine ergeben?

So lange keine Seite nachgibt, herrscht in der Ukraine weiter Krieg. Felix Krömer fragt daher ab Minute 18.30, wie sich der Konflikt lösen lässt, ob die Ukraine vielleicht doch Gebiete an Russland abtreten müsse. Susanne Schattenberg formuliert Zweifel daran, dass sich Wladimir Putin mit weniger als der ganzen Ukraine zufriedengäbe. Sie geht daher davon aus, dass sich der Krieg noch länger ziehen wird, möglicherweise über Monate. Wer über ein Sich-Ergeben der Ukraine entscheiden könnte und was die Kapitulation der Ukraine womöglich für Folgen hätte, erläutert Schattenberg ab Minute 22.10.

5 Wer oder was kann Putin stoppen?

Ab Minute 45 kommt Felix Krömer zur Ausgangsfrage zurück: "Wer oder was kann Putin stoppen?" Susanne Schattenberg sagt, dass ihre Hoffnungen letztlich auf den Russen ruhten. Weshalb erläutert die Wissenschaftlerin ab Minute 45.24.

Ich sehe im Moment keine Variante, wie mit Putin eine friedliche Lösung gefunden werden könnte, weil er als Person für diesen Krieg und diese aggressive Politik steht.

Susanne Schattenberg, Forschungsstelle Osteuropa

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Mai 2022, 19:30 Uhr