Warum Bremen nicht jedes leerstehende Haus für Geflüchtete nutzen kann

In einer Sporthalle sind mehrere behelfsmäßige Betten

Warum Bremen nicht jedes leerstehende Haus für Geflüchtete nutzen kann

Bild: DPA | Robert Michael
  • Flüchtlinge werden trotz Leerstand in Turnhallen oder der Messe untergebracht
  • Grund: Sozialbehörde will erst einmal möglichst vielen ein Bett anbieten
  • Häuser und Wohnungen rücken erst danach in den Fokus

Wenn viele Geflüchtete nach Bremen kommen, wie aktuell wegen des Ukraine-Krieges, dann ist klar: Die Betroffenen werden zunächst in der Messe und in Turnhallen untergebracht. Das ruft bei manchen Hilfswilligen Kritik hervor, weil sie leerstehende und ungenutzte Gebäude wie beispielsweise alte Hotels oder das Papageienhaus sehen und sich wundern, warum diese nicht genutzt werden. Man kenne viele dieser Immobilien, sagt das zuständige Sozialressort, aber: Die Behörde muss ihre Prioritäten anders setzen, so Sprecher Bernd Schneider.

In kurzer Zeit werden viele Schlafplätze benötigt

Das Wichtigste sei, in einem ersten Schritt in kürzester Zeit maximal viele Plätze zu schaffen, damit niemand auf der Straße schlafen müsse. Das habe oberste Priorität, betont Schneider. "Wenn wir anfangen, uns in Verhandlungen mit Eigentümern von kleinen Immobilien mit jeweils 20, 30, 50 oder 60 Plätzen zu verzetteln, schaffen wird das nicht."

Als nächstes müsse man – ebenfalls in sehr kurzer Zeit – sehr viele Unterbringungsplätze schaffen, um die Betroffenen schnell wieder aus den Messe- und Turnhallen herausholen zu können. Die sollen schließlich nicht wochen- oder gar monatelang mit Dutzenden anderen in einer Halle hausen müssen. Auch das gelinge nicht mit kleinteiligen Verhandlungen, erklärt der Sprecher der Sozialbehörde.  

Nicht alles, was nach einem leerstehenden Haus aussieht, ist ein Haus, das wir für die Unterbringung von Geflüchteten nutzen können. Und: Selbst, wenn wir eine Immobilie nutzen wollen, steht sie in der Regel nicht sofort zur Verfügung.

Bernd Schneider
Bernd Schneider, Sprecher der Sozialbehörde

Erst im dritten Schritt könne man dann die kleineren Angebote nach und nach abarbeiten – und selber auch am Markt aktiv werden oder Eigentümer von Immobilien ermitteln, die der Behörde nicht aktiv angeboten worden seien. "Es gibt zudem Immobilien, die ungeeignet sind oder nur mit immensem Aufwand und Bauzeiten von Monaten hergerichtet werden können", weist Schneider auf ein weiteres Problem hin. Über die Frage der Eignung entscheide man nicht allein, eine wichtige Institution dabei sei die Baubehörde mit ihren Auflagen für Wohnnutzung.  

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Bild: Radio Bremen | Orestis Skenderis

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 20. April 2022, 23:30 Uhr