BBQ bei Wind und Wetter: Wintergrillen in Bremen

Spieße mit Fleisch und Gemüse auf einem Grill.
Bild: Imago | Aurora Photos

Grillen ist keine Frage der Jahreszeit, sondern der Einstellung. Wozu noch an- und abgrillen, wenn man auch ganzjährig brutzeln kann? Tipps zum Grillen bei Minusgraden.

Matthias Franz steht vor seinem Haus in Bremen-Gröpelingen, hat den Deckel des Grills aufgeklappt und wendet Auberginenscheiben, nimmt sie mit der Grillzange aus der Aluschale und legt sie direkt auf den gusseisernen Rost des Gasgrills. So verpasst er dem Gemüse ein Röst-Finish, nachdem sie schon etwa eine Stunde im indirekten Bereich des Grills lagen.

Low and slow und mit Hightech

Auf einem Profi-Grill liegt verschiedenes Grillgut
Die Kunst des Grillens hat Zen-Qualitäten. Bild: Mario Neumann

Der Kenner grillt bei niedrigen Temperaturen und langsam bei 130 bis 150 Grad, teilweise über Stunden hinweg, und legt das Grillgut dabei nicht unmittelbar über die Hitzequelle, egal ob Gasflamme oder Kohlehaufen. Mit hektischem Hantieren bei großer Hitze, was gemeinhin unter Grillen verstanden wird, hat das also nichts zu tun.

Im Gegenteil: Mit Hilfe eines elektronischen Kerntemperatur-Thermometers kann Matthias Franz in der warmen Stube auf seinem Handybildschirm ablesen, was sich draußen unter der Haube seines Grills, im Inneren des Lamm-Karrees und den gefüllten Paprikaschoten tut. Währenddessen kann er sich um Beilagen wie einen Couscous Salat kümmern, denn der ist der einfachste, sagt er.

Ein Mann mit Grillschürze schneidet mit einem großen Messer Grillgut
Matthias Franz bereitet sich auch gerne im Winter sein Essen am Grill zu. Bild: Mario Neumann

Mit dem Freundeskreis der "Grilldoktoren" war Matthias Franz schon bei etlichen Wettbewerben am Start, hat sich auch eine Zeit lang in der German Barbecue Association engagiert. Mindestens einmal pro Woche kommt das Essen bei ihm zu Hause vom Grill – das ganze Jahr über.  

Es gibt immer nur gutes Grillwetter, es sei denn, der Wind ist so stark, dass die Flamme ausgeht. Das gibt es auch.

Matthias Franz
Drei Männer mit Masken unterhalten sich in einem Lebensmittelladen
Kai Grünewald begrüßt immer mehr Kunden in seinem Grillfachmarkt in der Bremer Neustadt. Bild: Mario Neumann

Da hilft dann nur noch ein Holzkohlegrill, am besten modern aus Keramik, natürlich mit Deckel, sagt Kai Grünewald. In seinen Grillfachmarkt in einer zugigen Halle in der Bremer Neustadt kommen immer mehr Menschen, die auch im Winter grillen wollen, selbst bei Minustemperaturen. Der Tipp vom Fachmann: Der Wintergriller trägt untendrunter am besten eine lange Unterhose und eine Mütze auf dem Kopf. Aber damit nicht genug. Seine Beobachtung: Viele haben nicht das richtige Schuhwerk.

Wir tragen hier Stiefel aus der Tiefkühllogistik. Die sind wirklich sehr sehr warm.

Kai Grünewald

Für's Essen der Kälte trotzen?

Tatsächlich schwärmt aber auch Kai gemeinsam mit Ganzjahresgrillerin Mareike Steiner vom indirekten, langsamen Grillen. Der große Vorteil – insbesondere bei wirklich unwirtlichem Wetter: Man muss nur kurz zum Anheizen des Grills, zum Grillgut auflegen und wieder einsammeln raus ins Freie.

Ansonsten ist Mareike sehr gerne bei trockenem Wetter draußen, um dort zu grillen und zu kochen.

Man ist an der frischen Luft, man hat die Gerüche nicht zu Hause, man hat die Familie im Garten und man ist halt mittendrin, weiterhin. Wenn man in der Küche ist und alle draußen sind, dann ist man halt alleine.

Mareike Steiner

Für Frostbeulen gibt es inzwischen sogar Grillguthalterungen für Gasheizpilze. Die hat Kai noch nicht ausprobiert, weil er wegen der direkten Hitze um sein Essen fürchtet: "Das trocknet dann halt einfach aus", erklärt der Profi-Griller. Trotzdem findet er die Idee praktisch: "Wenn man um den Heizpilz rumsteht, kann man sich da was pflücken."

Grillen im Winter ist grundsätzlich also unproblematisch, wenn entsprechende Maßnahmen gegen Wind, Kälte und Dunkelheit sowie Regen getroffen werden.  

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  • Mario Neumann Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 22. Januar 2022, 7:45 Uhr