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Bremer Experte zu Impfdebatte durch Kimmich: Was ist ein Totimpfstoff?

Eine Spritze wird aufgezogen.
Noch gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Totimpfstoff gegen das Coronavirus. (Symbolbild) Bild: Radio Bremen

Wegen der Impfskepsis des Fußballers hat die Debatte um Corona-Impfstoffe eine neue Wendung bekommen. Kimmich warte angeblich auf einen Totimpfstoff, heißt es. Was ist das?

Bayern-Profi Joshua Kimmich hat eine Debatte über die Sicherheit der verfügbaren Corona-Impfstoffe und deren Technologien ausgelöst. Der 26 Jahre alte Nationalspieler möchte sich noch nicht impfen lassen, weil Langzeitstudien über die Nebenwirkungen der aktuellen Vakzine fehlten. Experten, auch der Bremer Virologe Andreas Dotzauer, haben diese Bedenken in den letzten Tagen schon zurückgewiesen.

Doch laut Medienberichten wartet Kimmich auf die Zulassung sogenannter Totimpfstoffe. Ist das sinnvoll? Und was unterscheidet sie von den aktuell verfügbaren Präparaten? Die Antworten.

Was sind Totimpfstoffe und wie unterscheiden sie sich von anderen Impfstoffarten?
Totimpfstoffe enthalten grundsätzlich ein Virus, das durch unterschiedliche Verfahren abgetötet wurde, oder auch nur Teile davon. "Das Material ist so behandelt, dass die Infektiosität zerstört wird", sagt der Bremer Virologe Andreas Dotzauer. "Das heißt, dass das Virus nicht mehr in der Lage ist, die Krankheit hervorzurufen." Totimpfstoffe werden deshalb auch inaktivierte Impfstoffe genannt. Damit die Immunreaktion stärker ausfällt, enthalten sie oft sogenannte Adjuvantien, das sind Wirkverstärker. Die in Deutschland bislang zugelassenen Corona-Vakzine sind hingegen mRNA- oder Vektorimpfstoffe. Sie enthalten eine Art Bauplan für Teile des Virus, die dann eine Immunantwort auslösen.
Welche Vor- und Nachteile haben Totimpfstoffe?
Manche Studien bescheinigen etwa den inaktiven Impfstoffen der chinesischen Hersteller Sinovac und Sinopharm eine ziemlich gute Verträglichkeit. Doch jeder Impfstoff ist anders und inaktivierte haben nicht zwangsläufig weniger Nebenwirkungen als die anderen, wie Experten bestätigen. "Das muss man untersuchen", so Dotzauer.
Bei der Wirksamkeit schwankt hingegen die Spanne zwischen etwa 50 und 90 Prozent, je nach Präparat und Studie. "Gerade bei diesen Impfstoffen ist es entscheidend, wie die individuelle Reaktion ausfällt", sagt dazu Dotzauer.
Werden inaktivierte Impfstoffe gegen andere Krankheiten bereits eingesetzt?
Ja, das Verfahren kommt bereits in verschiedenen Impfstoffen, etwa gegen Polio, Diphterie, Tollwut und Tetanus, zum Einsatz. Die mRNA- und Vektorimpfstoffe sind hingegen neu, allerdings wird ihre Technologie bereits in Behandlungen gegen Krebs und bei der Gentherapie eingesetzt.
Wie viele Totimpfstoffe gegen das Coronavirus sind mittlerweile entwickelt worden?
Momentan sind vier inaktivierte Impfstoffe gegen das Coronavirus weltweit auf dem Markt: zwei von der chinesischen Firma Sinopharm, einer vom ebenfalls chinesischen Hersteller Sinovac und einer des indischen Unternehmens Bharat Biotech. Die Vakzine BBIBP-CorV von Sinopharm und Coronavac von Sinovac haben in den vergangenen Monaten eine Zulassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhalten. Für die Europäische Union hat sie aber keine Bedeutung, denn die EU lässt die Impfstoffe von ihrer eigenen Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) überprüfen.

Coronavac wird gerade von der EMA ausgewertet. Auch der österreichisch-französische Konzern Valneva will eine Zulassung für seinen Totimpfstoff beantragen. Wenn er damit Erfolg hat, möchte Deutschland elf Millionen Dosen davon beziehen. Die Proteinimpfstoffe Novavax und Vidprevtyn könnten vielleicht auch irgendwann verfügbar sein. Novavax befindet sich seit Februar bei der EMA in der Prüfung.
Wie wahrscheinlich ist es, dass sie in absehbarer Zeit verfügbar sind?
Das ist schwer zu sagen. Die Prüfungsverfahren können sehr lange dauern und es ist am Ende nicht sicher, dass die Präparate tatsächlich eine Zulassung bekommen. Noch ist keiner der oben erwähnten Impfstoffe in Deutschland zugelassen.
Lohnt es sich, darauf zu warten?
Der Virologe Dotzauer hält es für "nicht klug". Denn es sei ungewiss, ob diese Vakzine am Ende tatsächlich eine Zulassung bekommen. Auch der Valneva-Geschäftsführer Thomas Lingelbach rät davon ab, auf seinen Impfstoff zu warten. "Bei Corona ist jede Impfung besser als keine Impfung", sagte er im September dem öffentlich-rechtlichen österreichischen Rundfunk ORF.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Oktober 2021, 19:30 Uhr