Interview

Bremer Tierheim öffnet wieder – Zwinger sind voll mit "Corona-Tieren"

Ein Border Collie liegt in einem Hundezwinger hinter einem Gitter.

Bremer Tierheim in der Hemmstraße wieder für Besucher geöffnet

Bild: DPA | Patrick Pleul

Knapp fünf Monate war das Bremer Tierheim coronabedingt geschlossen. Jetzt öffnet es bei voller Belegung. Hunde und Katzen kommen zurück – und jede Menge Kaninchen.

Die Unterkünfte im Bremer Tierheim sind voll und viele Hunde, Katzen und Kleintiere warten darauf, adoptiert zu werden. Auch wenn in den letzten Monaten viele Tiere vermittelt werden konnten, kommen fast täglich neue Hunde, Katzen und Kleintiere hinzu, hat die Sprecherin des Tierheims, Gabi Schwab, Bremen Eins erzählt.

Frau Schwab, welche Folgen hatte es, dass so lange keine Besucher da waren?
Wir haben ja schon seit längerer Zeit nur an einigen Tagen für ein paar Stunden geöffnet. Deshalb hat sich nicht so wahnsinnig viel verändert. Tiere konnten wir ja trotzdem vermitteln, wenn auch nur nach Terminabsprache.
Es gibt ja immer Menschen, die ins Tierheim kommen, um mit den Hunden Gassi zu gehen. Die Tiere brauchen ja Bewegung und Zuspruch. Sind die alle weggeblieben oder konnte das trotzdem weiterlaufen?
Die Gassi-Geher sind die ganze Zeit dageblieben, auch im ersten Lockdown. Wir haben dabei natürlich alle Hygiene-Maßnahmen beachtet. Unsere Hunde haben deshalb unheimlich viel Bewegung gehabt, weil die Leute natürlich auch sehr viel Zeit hatten, das darf man nicht vergessen. Es war allerdings etwas ruhiger, dadurch dass wir keinen Publikumsverkehr hatten. Jetzt sind wir aber auch froh, dass wir wieder öffnen können.
Man hört immer wieder, dass sich Menschen während der Pandemie unbedacht und vielleicht auch überstürzt Tiere angeschafft haben. Können Sie das bestätigen?
Wir haben von Anfang an davor gewarnt, sich nicht einfach einen Hund oder eine Katze zuzulegen, wenn man nicht weiß, was nach der Pandemie ist – oder ob man überhaupt mit dem Tier klarkommt. Und es hat sich leider bewahrheitet, dass sehr viele Hunde und Katzen in den Tierheimen gelandet sind. Alle Tiere aus dem Tierschutz oder den Tierheimen, die bleiben bei den Besitzern, weil wir genau nachgesehen haben, an wen wir vermitteln. Aber vom Züchter oder auch von Kleinanzeigen, da müssen viele Tiere jetzt ins Tierheim, weil die Leute überfordert sind oder keine Zeit und Lust mehr haben. Deshalb sind unsere Zwinger voll und die Wartelisten für andere Tiere auch.
Werden Sie die Tiere vermitteln können?
Wir hoffen das natürlich. Aber weil so viele Tiere unüberlegt angeschafft wurden, haben wir auch viele Tiere mit Herausforderungen. Hunde, die nicht erzogen sind, die machen, was sie wollen. Die kein Sozialverhalten gelernt haben, über Platz und Sitz hinaus. Die knurren, wenn ihnen, was nicht passt. Andere haben sich Katzen angeschafft, und weil die ganze Familie immer zu Hause war, hatten die Katzen Menschen um sich herum, waren glücklich. Auf einmal sind alle aus dem Haus und die Tiere sind unglücklich geworden und manche dabei unsauber.

Und wir haben noch nie so viele Kaninchen gehabt, wie jetzt. Um die 30 bestimmt. Vor Ostern wollten wir das nicht unbedingt öffentlich machen, weil dann viele Anfragen kommen für ein einzelnes Kaninchen. Aber es gibt nur mehrere Kaninchen für ein großes Gehege.
Werden die Hunde jetzt im Tierheim erzogen?
Ja, wir haben ja Hundetrainer und unsere Pfleger arbeiten mit den Hunden. Unsere Tierheimsleiterin ist ja auch Hundetrainiern – da wird jetzt viel geübt. Und dafür war es ein Vorteil, dass wir keinen Publikumsverkehr, aber Zeit fürs Training hatten.

Die vielen Welpen sind auch eine Herausforerung, weil die noch in Quarantäne sitzen, zwei bis drei Monate insgesamt. Geschwister können da zusammenbleiben, aber auch die müssen Sozialverhalten lernen. Wir haben im Moment wieder acht Welpen, die sichergestellt wurden.
Wie ist es mit Tieren von geflüchteten Menschen aus der Ukraine? Da hatte man zu Beginn ja Sorge, dass sie ihre Tiere abgeben müssen.
Das ist inzwischen alles geregelt. Aber auch da werden dringend weitere Unterkünfte gesucht für Menschen aus der Ukraine, die mit Hunden und Katzen hierhergekommen sind. Auf unserer Internetseite kann man Kontakte finden, wenn man eine Unterkunft anbieten kann und will.
Wenn das Tierheim jetzt wieder öffnet: Worauf müssen sich die Leute einstellen und worauf müssen sie achten?
Die normalen Hygiene-Regeln haben wir natürlich noch. Wir haben in den Innenräumen nach wie vor eine Maskenpflicht, weil die Räume nicht so groß sind – auch die Abstandsregel gilt noch. Und man müsste sich gerade bei den Katzen auf Wartezeiten einstellen, weil in die Häuser nur zwei bis drei Leute gleichzeitig rein dürfen.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 20. April 2022, 9:10 Uhr