Pflegeheim-Betreiber im Land Bremen befürworten tägliche Tests

Eine Pflegedienstanstellte in Schutzkleidung nimmt bei einer Frau einen Abstrich für einen Schnelltest (Archivbild)
Sollen alle Besucher und Pflegekräfte in den Pflegeeinrichtungen täglich gestetet werden? Daran scheiden sich die Geister. (Symbolbild) Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Rufe nach einer bundesweiten Verschärfung der Testpflicht in Pflegeeinrichtungen sind zuletzt lauter geworden. Das halten Heimbetreiber in Bremen und Bremerhaven davon.

Die Inzidenzen steigen, und damit auch die Zahl der Impfdurchbrüche. Mehrere Verbände und Politiker fordern deshalb bundesweit eine erweiterte Testpflicht für alle Mitarbeiter und Besucher in Pflegeheimen – unabhängig vom Impfstatus. Die Deutsche Stiftung für Patientenschutz und der VdK-Sozialverband fordern etwa eine tägliche Testpflicht für Pflegepersonal und Heimbesucher, auch für die geimpften. Was sagen Betreiber in Bremen und Bremerhaven dazu?

Sozialressort: Tägliche Testungen im Augenblick nicht notwendig

Im Impfmeister-Bundesland stößt die Forderung nach einer täglichen Testpflicht auf wenig Begeisterung. Für das Sozialressort ist sie angesichts der hohen Impfquote und der aktuellen Infektionslage nicht zwingend notwendig. Im Augenblick, zumindest.

Vor dem Hintergrund der Infektionsentwicklung in Bremen, dass die Verläufe bei Impfdurchbrüchen meistens mild sind und die Boosterimpfungen in den Heimen weit fortgeschritten, sowie vor dem dafür notwendigen Aufwand sehen wir nicht zwingend die Notwendigkeit, täglich zu testen.

Der Sprecher der Sozialsenatorin Bernd Schneider im Interview.
Bernd Schneider, Sprecher der Bremer Sozialsenatorin

In Bremen testeten sich geimpfte Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen ohnehin einmal in der Woche, ungeimpfte zweimal, teilt das Ressort mit. Sollte sich die Situation ändern, könne man die Regeln gegebenenfalls anpassen. "Das zeichnet sich aber im Augenblick noch nicht ab", so Sprecher Bernd Schneider.

Heimbetreiber: Tägliche Testung aller wäre richtig

Die Bremer Heimbetreiber zeigen sich dem Vorschlag gegenüber tendenziell aufgeschlossener. Barbara Flöder, Geschäftsführerin der Parkresidenz Bremen, die der Specht-Gruppe gehört, sagt, sie hielte eine tägliche Testung für richtig. Gleichzeitig bedeute sie einen hohen Aufwand und eine Verunsicherung der Menschen, die mit der Pflege zu tun haben.

Aus Vernunftsgründen halten wir die tägliche Testpflicht für richtig. Wir befinden uns mitten in der vierten Wellen und müssen bedenken, dass ein Teil der Geimpften das Virus übertragen kann, ohne selbst Symptome zu verspüren.
Für uns bedeutet es wiederholt einen sehr hohen Aufwand, da wir für das Testen zusätzliches Personal benötigen. Dadurch rücken wir ein Stück von der Normalität weg, was gleichzeitig bei einigen Menschen für Angst sorgt. Es ist bedauerlich, dass wir alle Menschen nun wieder pathologisieren müssen.

Barbara Flöder, Geschäftsführerin der Parkresidenz Bremen

Ähnlich klingt der Geschäftsführer der Dienste für Senioren und Pflege bei Friedehorst, Thomas Schächter, und fügt hinzu, die Finanzierung solcher Tests, sollten sie beschlossen werden, sei noch unklar.

Ich gehe davon aus, dass die vierte Welle uns bis zum Frühjahr 2022 stark beschäftigen wird. Ebenso gehe ich davon aus, dass es eine Impfpflicht nicht geben wird und eine generelle 2G-Regelung über diesen langen Zeitraum rechtlich kaum durchsetzbar sein wird. Unter diesen Prämissen ist eine tägliche Testung (…) die einzige Möglichkeit, Impfdurchbrüche effizient früh zu erkennen und deren Folgen einzugrenzen. Deshalb würde ich eine solche Regelung sehr begrüßen.

Thomas Schächter, Friedehorst

Innere Mission: Aktuelle Hygiene-Strategie ist ausreichend

Für die Innere Mission, die in Bremen keine Pflegeheime, dafür aber verschiedene Wohneinrichtungen und ambulante Dienste anbietet, sind die aktuellen Hygiene-Konzepte hingegen ausreichend. Für eine tägliche Testung von geimpften Mitarbeitenden und Besuchern sieht der Verein im Moment keine Notwendigkeit.

Eine tägliche Testpflicht für alle (...) mag gegebenenfalls aus Sicht des Infektionsschutzgesetzes sinnvoll sein. Allerdings können wir dies virologisch nicht einschätzen. Wir gehen davon aus, dass die Impfung einen ausreichenden Schutz bietet.

Hans-Christoph Ketelhut, Vorstandssprecher Verein für Innere Mission in Bremen

Anderer Meinung ist die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen (LAG). Sie sei "aufgeschlossen für die Erörterung eines gezielten Einsatzes einer täglichen Testpflicht zum Beispiel für Einrichtungen, in denen viele Angehörige vulnerabler Personengruppen unter einem Dach zusammenleben". Gleichzeitig regt sie an, Ausnahmen etwa für Menschen mit einer Boosterimpfung in Erwägung zu ziehen.

Betreiber in Bremerhaven sehen Personalprobleme

Auf die Haltung der LAG verweist auch die Leiterin der stationären Altenhilfe der AWO in Bremerhaven, Heike Bülken. Eine tägliche Testpflicht für Mitarbeitende und Besucher diene neben der vorranging wichtigen Impfung dem Infektionsschutz. Gleichzeitig müsse der hohe Personalauffwand berücksichtigt werden. Daher sei externe personelle Unterstützung notwendig.

Ähnlich sieht es der stellvertretende Heimleiter des Hauses im Park, Stefan Herrmann. Die Einrichtung für Menschen mit Demenz gehört zu einer Unternehmensgruppe, ist in Bremerhaven jedoch eigenständig. Eine Testpflicht sei aufgrund steigender Inzidenzen sinnvoll, sagt Herrmann, fragt sich jedoch: "Wie sollen wir das bewerkstelligen?"

Eine Testpflicht für ungeimpfte Mitarbeiter wäre ohne weiteres möglich, weil bei uns etwa 65 Prozent doppelt oder sogar dreifach geimpft sind. Alle täglich zu testen, würde uns aber an unsere Grenzen bringen. Mit Besuchern würde es noch schwieriger. Das könnten wir personell nicht stemmen und müsste über Mitarbeiter einer Leihfirma aufgefangen werden. Dazu haben wir uns vorsichtshalber schon ein Angebot eingeholt.

Stefan Herrmann, stellvertretender Heimleiter Haus im Park

Überregionaler Betreiber: einheitliche Regelung wäre wichtig

Dem überregional tätigen Anbieter Convivo, der auch in Bremen Pflegeeinrichtungen unterhält, wäre hingegen eine übereinstimmende Regelung in den verschiedenen Bundesländern wichtig.

Die aktuelle Diskussion zeigt generell, wie wichtig die Aufklärung noch sein wird. Für die Testpflicht sprechen wir uns eindeutig aus, da wir den größtmöglichen Schutz für die Beteiligten bieten müssen und wollen. Unsere größte Herausforderung wird die gemeinsame Arbeit daran sein, in diesem Punkt eine einheitliche Regelung zu finden. Diese sollte durch eine sozialverträgliche Gesetzesvorlage der Politik verankert werden.

Marc Baenkler, Convivo-Geschäftsführer

Rückblick: Vor- und Nachteile von Impfstatus-Abfrage in Bremer Pflegeheimen

Bild: Radio Bremen

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Nachrichten, 20. Februar 2021, 17 Uhr