Tafeln im Land Bremen versorgen Flüchtlinge und stoßen an ihre Grenzen

Eine Frau und ein Mann laden Essen auf Teller.

Tafeln im Land Bremen versorgen Flüchtlinge und stoßen an ihre Grenzen

Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Die Tafeln in Bremen und Bremerhaven versorgen immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine. Doch die Lebensmittel-Spenden sind knapp.

Überall in Deutschland schlagen die Tafeln derzeit Alarm. Denn die Zahl der Bedürftigen steigt. Mit den ukrainischen Geflüchteten ist eine große Gruppe an Menschen hinzugekommen, die von den Tafeln mitversorgt wird.

In Bremerhaven hat die Tafel in den vergangenen Wochen mehr als 400 neue Anmeldungen registriert. Damit wächst die Zahl der Bedürftigen, die zur Tafel kommen, auf rund 6.000 Menschen. Jeden Dienstag gibt es jetzt einen Ausgabe-Termin nur für ukrainische Geflüchtete. Der Andrang ist immens. Im schmalen Flur schlängeln sich die Menschen, selbst draußen warten Dutzende.

100 neue Anmeldungen an einem Tag

"Das ist wirklich Ausnahmezustand. Wir werden jetzt, glaube ich, auch die Ausgabe auf Samstag verlegen, weil das ist viel zu viel" sagt Helferin Gaby Treschok, die seit zwei Jahren ehrenamtlich bei der Bremerhavener Tafel hilft.

Das ist nicht zu bewältigen.

Gaby Treschok, ehrenamtliche Tafel-Mitarbeiterin
Menschen stehen in einer Schlange vor einem roten Backsteingebäude.
Die Schlange vor der Bremerhavener Tafel ist lang. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Allein an diesem Tag hat Treschok schon 100 neue Bedürftige registriert. Das heißt: Sie kopiert die Pässe der Menschen und stellt ihnen Abholkarten aus.

Die Geflüchteten bekommen zwar staatliche Unterstützung, aber nach ihrer Anmeldung bei den Behörden dauert es, bis das erste Geld fließt. Deshalb bekommen sie bei der Tafel in den ersten vier Wochen nach ihrer Ankunft unbürokratisch Hilfe. Nach den vier Wochen müssen sie, wie alle anderen auch, ihre Bedürftigkeit belegen.

Tafel als Treffpunkt

Doch der Extra-Termin für ukrainische Geflüchtete dreht sich nicht nur um die Lebensmittel-Ausgabe. Die Tafel will den Menschen in ihrer besonderen Lage einen Treffpunkt bieten. "Die Ukrainer leben in verschiedenen Stadtteilen. Die wissen nicht alles", sagt Treschok. Bei der Tafel können sie Informationen austauschen, zum Beispiel über andere Hilfsangebote, Behördengänge und die Jobsuche. Für die Kinder gibt es eine Spielecke.

Zwei Frauen unterhalten sich.
Trotz der vielen Bedürftigen bleibt Gaby Treschok (rechts) auch Zeit für ein Gespräch mit den Geflüchteten. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Und auch die Tafel-Mitarbeiter haben ein offenes Ohr: "Die Leute wollen einfach mal ihr Herz ausschütten", sagt Treschok. "Man versucht doch irgendwie, die Sprache zu verstehen. Es ist wichtig, dass man sagt: Du hast das Beste getan, was du konntest. Du bist geflohen. Du hast dich und die Kinder gerettet." Einige Mitarbeitende der Tafel sprechen sogar Ukrainisch oder Russisch.

Die wollen es nach draußen schreien, aber sie können nicht, weil sie keiner versteht.

Gaby Treschok, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Bremerhavener Tafel

Kleine Freude in trauriger Zeit

Eine Frau mit Kinderwagen steht vor einem Gebäude.
Die 38-jährige Valentina aus Kiew freut sich über die Hilfe. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Wer mit den Menschen ins Gespräch kommt, spürt, wie recht die ehrenamtliche Helferin hat. Auch kleine Gesten und Dinge helfen den Geflüchteten in diesen Zeiten. Die 38-jährige Valentina aus Kiew, die ihr neun Monate altes Baby dabei hat, freut sich, als sie neben Obst und Gemüse die Tulpen entdeckt: "Blumen! Die helfen mir, den Raum gemütlicher zu machen, damit er wie ein Zuhause aussieht", sagt sie auf Englisch.

Doch ihre Freude währt nur kurz. Sie erzählt, dass ihr Vater, ihr Mann und ihr Schwager in der Ukraine kämpfen. "Sie verteidigen in Kiew unser Land", berichtet sie. Sie selbst will ebenfalls dorthin zurückkehren, sobald der Krieg vorbei ist. Wenigstens um die Lebensmittel muss sich Valentina an diesem Tag keine Sorgen mehr machen. Mit vollen Taschen verlässt sie das Gebäude.

Tafeln benötigen Spenden

Eine Frau räumt ein Regal ein.
Die Regale leeren sich aktuell schneller als sonst, die Tafel hofft deshalb auf Spenden. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Damit auch in Zukunft allen Menschen geholfen werden kann, bittet die Bremerhavener Tafel um Geld- und Lebensmittel-Spenden. Geeignet sind laut Treschok vor allem haltbare Lebensmittel wie Konserven, Nudeln, Reis, Mehl, Zucker und Öl. Selbst eine Packung Nudeln sei schon hilfreich. Und dann hat die Tafel noch ein besonderes Anliegen: Zu Ostern möchte sie den Kindern Überraschungseier schenken. 2.000 Stück benötigt sie dafür.

Auch in Bremen sei die Situation aktuell angespannt, sagt Uwe Schneider von der Bremer Tafel. Das liege auch daran, dass die Supermärkte aktuell weniger zur Verfügung stellen würden: "Auf der Lebensmittelseite sehen wir es kritisch, wie jetzt der Handel dabei ist, vorsichtiger zu disponieren. Das heißt für uns, dass er das, was er uns geben würde, erstmal selbst verkauft. Und uns fehlt das am Ende." Die Bremer Tafel versorgt zwischen 6.000 und 7.000 Menschen. Schneider rechnet aber mit mehr, denn momentan würden viele Geflüchtete aus der Ukraine noch in Übergangsunterkünften verpflegt. Noch könne die Tafel das stemmen. Aber ihre Mittel seien begrenzt.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 30. März 2022, 8:20 Uhr