Interview

Reichen Bremens Gas-Vorräte? "Zum Winter muss man sich Sorgen machen"

Bild: Radio Bremen

Noch liefert Russland Gas nach Deutschland. Doch was geschieht, wenn die Lieferungen ausbleiben? Der SWB-Chef Torsten Köhne erklärt, wie auf einen Engpass reagiert wird.

Vor wenigen Wochen war man sich einig, dass das Gas in Deutschland bis Ende des Jahres reichen wird. Jetzt sagen Sie, es könnte schon ab Sommer knapp werden. Woran liegt das?
Also erstmal ist es ja so: Es gibt eine nationale Gasversorgung. Das gilt für Bremen genauso wie für den Rest des Landes. Fakt ist: Im Moment laufen die Lieferungen aus Russland vertragsgemäß. Das heißt, das Gas wird geliefert. Und es wird auch bezahlt, weil die Zahlungswege offen sind und die Sanktionen insbesondere auf die Gazprom-Bank nicht wirken.
Insofern muss man sich sicherlich im Moment keine Gedanken machen. Wir haben auch einen angemessenen Speicherstand für diese Jahreszeit. Aber klar ist: Wir sind abhängig von russischem Gas. Bremen genauso der Rest der Republik. Zum Winter muss man sich schon Sorgen machen, ob wir genug Gas haben.
Dann wird es ja interessant. Sie priorisieren. Unternehmen werden als erstes gedrosselt. Wie gehen Sie da vor?
Erstmal ist ganz wichtig, dass wir das im Dialog mit den betroffenen Unternehmen machen. Da kann man natürlich nicht mit allen reden. Es bietet sich an, die 20 oder 30 größten Firmen anzusprechen und dann gibt es verschiedene Kriterien. Einerseits technische auf unserer Seite, also: In welchem Netzbereich liegt das Unternehmen? Wie ist der Gasbedarf – also die Anschlussleistung? Gibt es Möglichkeiten, Gas zu ersetzen vorrübergehend zum Beispiel durch Öl? Das geht bei dem ein oder anderen Unternehmen.
Und natürlich hat das auch auf Seiten der Unternehmen in erster Linie erstmal Sicherheitsaspekte. Man kann nicht einfach einen Produktionsprozess von einer Sekunde auf die andere auf null fahren. Deswegen ist es ganz wichtig, dass wir uns das gemeinsam angucken und auch rechtzeitig.
Das heißt, als erstes die Großkunden, die Unternehmen, dann vermutlich die Privatkunden und was ist mit der kritischen Infrastruktur, Krankenhäuser und Co.?
Erstmal ist wichtig: Wir sollten hier nicht in Panik ausbrechen. Das ist ein Szenario, wonach russische Lieferungen komplett ausbleiben und auch nicht ersetzt werden können bis zum Winter. Ich glaube, da muss man ruhig, überlegt und erstmal vorsorglich ranzugehen. Und natürlich ist die Kaskade so, dass wir Gewerbe, Privatkunden und kritische Infrastruktur betrachten. Wobei es in der Regel bei der kritischen Infrastruktur so ist, dass es mehrfache Redundanzen gibt. Also bei Krankenhäusern ist es zum Beispiel so, dass mindestens die Stromversorgung aufrechterhalten werden kann, weil da entsprechende Notstrom-Aggregate installiert sind.
Wie ist es denn mit privaten Haushalten, wenn es ganz dicke käme? Können Sie sich vorstellen, dass auch bei privaten Haushalten das Gas abgedreht wird?
Also, ehrlich gesagt, sind wir noch nicht so weit. Ich denke, darauf müssen wir jetzt genau und gut schauen. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es mindestens so etwas wie Appelle gibt. Man sollte versuchen, sich auch im privaten Verbrauch etwas einzuschränken. Was ja im Wesentlichen heißt: Heute ist es nicht 24 Grad warm, sondern erstmal 22 Grad.
Und man lässt die Heizung erstmal aus?
Man lässt die Heizung vielleicht aus, wenn man sie nicht nutzen muss. Auch das ist alles so ein bisschen ein Horror-Szenario. Aber wenn wir was gelernt haben in der letzten Zeit: Naivität ist in so einem Zusammenhang nicht angesagt.

Gasvorräte könnten laut SWB möglicherweise nicht ausreichen

Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Lea Reinhard

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. März 2022, 19:30 Uhr