Fragen & Antworten

Extremwetter in Bremen: Müssen wir uns an heftigere Stürme gewöhnen?

Bremerhavener Meteorologin: Orkan hatte Rekordgeschwindigkeiten

Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Erst "Nadia", dann "Ylenia", "Zeynep" und "Antonia": Im Land Bremen hat es zuletzt häufig heftig gestürmt. Was der Grund dafür ist – und was der Klimawandel damit zu tun hat.

In Bremen und Bremerhaven galt in den vergangenen Tagen: Nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Seit Ende Januar fegten gleich mehrere Sturmtiefs hintereinander über das Land hinweg, zuletzt sorgten die Orkantiefs "Zeynep" und "Antonia" für Schäden und Verwüstungen. Was steckt hinter dem extremen Wetter?

Wie ungewöhnlich war das Wetter zuletzt – aus meteorologischer Sicht?
Dass es um diese Jahreszeit stürmisch zugeht, sei normal, sagt Annika Brieber, Meteorologin im Klimahaus Bremerhaven, die zu Wetter, Klima und Klimawandel forscht. Aber: "Dass es jetzt diese schnelle Doppelfolge der beiden Orkantiefs gab, es also so kurz hintereinander so stark gestürmt hat – das war außergewöhnlich."
Meterologin Annika Brieber im Studio von buten un binnen.
Meteorologin Annika Brieber vom Klimahaus in Bremerhaven Bild: Radio Bremen
Wie sind die heftigen Stürme entstanden?
Stürme entstehen generell, wenn warme und kalte Luftmassen aufeinandertreffen und sich die warme Luft über die kalte Luft schiebt. Je größer die Temperaturunterschiede sind, desto größer ist der Unterschied beim Luftdruck – und desto stärker ist auch der Wind. Bei den Stürmen, die über Bremen und Bremerhaven hinweggefegt sind, waren die Temperatur- und Luftdruckunterschiede in der Tat sehr groß, erklärt Brieber. "Sehr tiefe Tiefs sind auf dem Atlantik auf sehr hohe Hochs getroffen. Von da aus ist daraus ein sehr starker Luftstrom entstanden. Und anders als häufig sonst, wenn der Strom eher nördlich von uns weht, lag er diesmal sehr stabil über uns." Heißt: Bremen und Bremerhaven lagen also genau im Luftzug.
Warum hat sich der Sturm hier festgesetzt?
Eine spezielle Erklärung dafür gibt es nicht. "Es ist halt Wetter", sagt Annika Brieber. Begünstigt wurde die Lage aber eventuell von Polarwirbeln, die relativ stabil um den Nordpol herumwehten.
Hat das extreme Wetter etwas mit dem Klimawandel zu tun?
Den Zusammenhang zwischen starken Stürmen und dem Klimawandel muss man von zwei Seiten sehen. Die erste ist: Durch den Klimawandel stürmt es wohl nicht häufiger. "Ein Trend, dass es mehr Sturmtiefs gibt, ist in der Tat nicht zu erkennen", sagt Brieber. Die physikalische Erklärung dahinter: Durch den Klimawandel gleichen sich die Temperaturen an, Tiefs sind also nicht mehr so tief und Hochs nicht mehr so hoch – dementsprechend wird der Antrieb schwächer und es besteht weniger Sturmgefahr. Trotzdem gibt es noch die zweite Seite: Denn wenn doch ein Sturm entsteht, könnte dieser deutlich intensiver werden.

Weil es insgesamt wärmer wird, kann der Sturm mehr Energie ziehen – zum Beispiel, weil mehr Wasser verdunstet.

Annika Brieber, Meteorologin
Worauf müssen wir uns in Sachen Sturm dann also zukünftig einstellen?
Zusammenfassend kann man festhalten: Stürme wird es wohl nicht häufiger geben – aber wenn, dann könnten die heftiger ausfallen. In Kombination mit anderen Auswirkungen des Klimawandels könnten dann deswegen auch höhere Schäden entstehen: zum Beispiel, weil durch einen höheren Meeresspiegel auch die Überschwemmungsgefahr größer ist oder auch mehr Bäume umstürzen, wenn diese früher austreiben und ihre Blätter länger behalten und somit mehr Angriffsfläche bieten.

Das sind die Folgen des Sturms in Bremen

Bild: Radio Bremen

Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Februar 2022,19:30 Uhr