Böen bis zu 170 Kilometer pro Stunde: So wütete "Zeynep" über Bremen

Der umgestürzte Kran in Bremen wird von LKW abgesichert.

Erste Bilanz nach Orkan "Zeynep" – keine Verletzten im Land Bremen

Bild: Radio Bremen | René Möller
  • Orkanböen fegen mit bis zu 170 Kilometer pro Stunde übers Land
  • Lage entspannt sich inzwischen
  • Feuerwehr rückte am Samstag zu 215 Einsätzen im Land Bremen aus

Mit Orkanböen bis zu 170 Kilometer pro Stunde ist Sturmtief "Zeynep" in der Nacht über Bremen und Bremerhaven hinweg gezogen. Inzwischen hat sich der Sturm ausgetobt und ist nach Osten weitergezogen.

Die Feuerwehren in Bremen und Bremerhaven musste zwischen dem frühen Morgen und dem Nachmittag zu 215 Einsätzen ausrücken. Bis zum Nachmittag seien die Rettungskräfte voll ausgelastet, erklärte ein Sprecher. Dabei gehe es meistens um umgefallene Bäume, abgebrochene Äste oder Gebäudeteile. Vom Durchzug des ersten Sturmtiefs "Ylenia" am Mittwoch bis zum Samstag seien von den Einsatzkräften der Feuerwehr Bremen und des THW 780 Unwettereinsätze gefahren worden. Davon 480 Einsätze alleine in den vergangenen 24 Stunden im Zusammenhang mit Sturmtief "Zeynep".

Auch die Polizei ist weiterhin im Einsatz. Nach Angaben der Polizei Bremen ist aktuell der Ausgang des Hauptbahnhofes in Richtung Willy-Brandt-Platz gesperrt, weil sich Dachziegel vom Bahnhofsdach gelöst haben. Die Sperrung werde laut Polizei noch bis Montag andauern. Der Grund: Wegen der anhaltenden Wetterlage kann niemand aufs Dach, um es zu reparieren. Außerdem warnt der Energieversorger SWB Kleingartenbesitzer vor gerissenen Stromleitungen.

Zugverkehr der bis Montagnachmittag beeinträchtigt

Der Zugverkehr im Nordwesten rollt allmählich wieder an. So fährt der Metronom wieder zwischen dem Bremer Hauptbahnhof und Hamburg-Harburg. Auch die Nordwestbahn hat viele Strecken wieder in Betrieb genommen. Ebenso fahren wieder Züge zwischen Bremen und Osnabrück. In Richtung Oldenburg und Bremerhaven sind die Gleise jedoch nach wie vor gesperrt. Die Deutsche Bahn hat als Ersatz Busse im Einsatz.

Allerdings soll es noch länger Einschränkungen geben. "Aufgrund von Unwetterschäden kommt es im Norden Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen bis mindestens Montagnachmittag zu Verspätungen und Zugausfällen", teilte die Deutsche Bahn am Samstagnachmittag mit und forderte dazu auf, Reisen von und nach Hamburg und Bremen zu vermeiden.

Baukran stürzt in Rohbau – keine Verletzten

Der größte Zwischenfall ereignete sich im Europahafen: Dort stürzte ein 50 Meter hoher Baukran in den Rohbau eines Bürogebäudes. Ein Feuerwehrsprecher sprach von einem Feld der Verwüstung.

Es ist schon so, dass es eine normale Sturmlage war. Personenschäden sind ausgeblieben. [...] Dass wir keine verletzten Personen aus Sturmlagen haben, erfreut uns enorm.

Christian Patzelt, Feuerwehrsprecher Bremen
Im Bürgerpark sind beim Orkantief "Zeynep" mehrere Bäume umgestürzt.
Im Bürgerpark haben die Aufräumarbeiten ebenfalls schon begonnen, aber die Parkbetreiber warnen nach wie vor eindringlich davor, den Park zu betreten. Bild: Radio Bremen | René Möller

In den Neustädter Häfen fiel laut Polizei ein Baum auf ein fahrendes Auto. Die Fahrerin konnte sich selbst aus dem Opel befreien und blieb unverletzt. Ein weiterer Baum stürzte zwischen der Anschlussstelle Vegesack-Mitte und Blumenthal auf die Autobahn 270.

Außerdem seien im Bürgerpark viele Bäume umgefallen, teilt die Polizei mit. Die Parkbetreiber bemühen sich zwar, schnell aufzuräumen, warnen aber davor, den Park zu betreten, weil immer noch Äste runterfallen können.

Sturmflut ging glimpflich aus

Die Sturmflut in der Region ging insgesamt glimpflich aus: In Bremen blieb die befürchtete Überschwemmung mehrerer Parzellengebiete aus – sie waren vorsorglich geräumt worden.

In Bremerhaven stieg der Pegel bis zu 2,50 Meter höher als normal. Die Lage ist laut der Hafengesellschaft Bremenports entspannt. Zwar gingen in Bremerhaven zeitweise alle 15 Sekunden Notrufe ein, doch laut den Einsatzkräften ging es auch da hauptsächlich um herabfallende Äste und umgestürzte Bäume.

Ein Todesfall im Landkreis Cuxhaven

Tausende Einsätze wegen umgestürzter Bäume und abgedeckter Dächer gab es auch in Niedersachsen. Allein im Oldenburger Land mussten Rettungskräfte knapp 750 Mal ausrücken. Nahe Cuxhaven drohte zeitweise eine Explosion, nachdem ein Baum auf einen Gastank gestürzt war. Auf der ostfriesischen Insel Wangerooge ist rund 90 Prozent des Badestrandes durch den Sturm abgetragen worden. Vor der westfriesischen Insel Vlieland verlor ein Schiff auf der Fahrt von Bremerhaven nach Rotterdam 26 Container, teilte die niederländische Küstenwache mit.

Einen Todesfall gab es in Nordholz im Landkreis Cuxhaven bei Bremerhaven: Ein Mann hatte am Abend versucht, lose Dachpfannen zu reparieren und stürzte dabei ab.

Unterwegs mit dem THW: So traf der Sturm Bremen und Bremerhaven

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 19. Februar 2022, 9 Uhr