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Nach Stromio-Aus: Warum Bremer Stromkunden Ruhe bewahren sollten

Bild: DPA | Klaus Ohlenschläger

Die Vertragskündigung des Stromdiscounters Stromio trifft 5.000 Bremerinnen und Bremer. Wir erklären, was nun zu tun ist – von Anbieterwechsel bis Zählerstandmessung.

Für rund 5.000 Stromkunden in Bremen und Bremerhaven endete das Jahr mit einer schlechten Nachricht. Ihr Billigstromanbieter Stromio hat ihre Verträge gekündigt. "Aufgrund der historisch einmaligen Preisentwicklung im Strommarkt sahen wir uns zu unserem ausdrücklichen Bedauern gezwungen, alle Stromlieferverträge mit Ablauf des 21.12.2021 zu beenden", teilt der Anbieter dazu auf seiner Website mit. Ab dem 22. Dezember 2021 übernehme der örtliche Ersatzversorger automatisch und ohne Unterbrechung die Stromversorgung. In Bremen und Bremerhaven ist das die SWB.

Das Problem: Die Stromrechnung dürfte für die meisten nun deutlich teurer werden. Was in einer solchen Situation wichtig ist, beantworten wir daher hier.

Welche Folgen hat eine Vertragskündigung durch den Stromanbieter?
Ohne Strom bleibt bei einer kurzfristigen Vertragskündigung niemand. Kunden müssen sich prinzipiell um nichts kümmern. Denn die Stromversorgung ist gesetzlich garantiert – im Land Bremen durch die SWB. Die vertragslosen Stromio-Kunden wechseln automatisch in den Ersatztarif der Bremer Versorgers. Sollten sie nach drei Monaten noch keine Entscheidung über einen neuen Stromanbieter getroffen haben, wechseln sie automatisch in den Grundversorgungstarif über.
Ein Stromzähler
Vom Stromio-Aus Betroffene sollten zuallererst ihren Zählerstand an die SWB und Stromio melden. (Symbolbild) Bild: DPA | photothek | Florian Gaertner
Was sollten Kunden jetzt in jedem Fall tun?
"Das allerwichtigste ist, zunächst den Zählerstand abzulesen", sagt Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen. Dieser sollte dann sowohl Stromio wie auch der SWB mitgeteilt werden. Denn nur so sei sichergestellt, dass Kundinnen und Kunden noch möglichst viele Kilowattstunden in ihrem alten, günstigeren Stromio-Vertrag abrechnen können.

Außerdem sollten Kunden keine Zahlungen mehr leisten. Das heißt: Daueraufträge oder SEPA-Mandate sollten beendet werden. Stattdessen können Betroffene in Ruhe die Schlussabrechnung Stromios abwarten. "Sie muss in sechs Wochen nach dem 22. Dezember beim Kunden auf dem Tisch liegen", sagt Ewen.
Können Kunden klagen?
"Wir erachten den Strompreisanstieg, mit dem die Kündigung begründet wurde, als unternehmerisches Risiko Stromios", sagt Energieberaterin Inse Ewen. Stromio könne daher nicht einfach aus einem laufenden, verbindlichen Vertrag aussteigen. Die Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt Betroffenen daher, zunächst die Weiterlieferung einzufordern. "Wenn der Anbieter dann mitteilt, dass dies nicht möglich ist, sollten die Kunden sich schriftlich Schadenersatz vorbehalten." Dieser könne leicht ermittelt werden, indem die Kosten des bisherigen Stromio-Vertrags bis zum eigentlichen Ende der Laufzeit von den aktuellen Kosten des SWB-Tarifs abgezogen werden.

Um den Schadenersatz geltend zu machen, hat die Verbraucherzentrale auf ihrer Website Musterschreiben bereitgestellt. "Sollte das Unternehmen nicht zahlen können, ist es auch möglich, dass man sich in der Mitte einigt – wenn ein entsprechendes Angebot vom Unternehmen gemacht wird." Wenn das Unternehmen ablehnt, könne danach die kostenfreie "Schlichtungsstelle Energie" mit Sitz in Berlin angerufen werden. Wer eine Rechtschutzversicherung hat, könne hingegen auch versuchen, das Geld auf den Cent genau über einen Anwalt einzufordern.
Macht ein schneller Anbieterwechsel Sinn?
"Man sollte jetzt Ruhe bewahren", sagt Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen. So könnten Kunden zwar schon jetzt nach neuen Anbietern auf den einschlägigen Wechselportalen schauen. "Die Entscheidung wird aber sein: Nein, das lohnt sich gerade nicht", sagt die Energieberaterin. Denn aufgrund der zuletzt stark gestiegenen Strompreise hätten zuletzt viele Anbieter ihre Tarife ebenfalls deutlich angehoben. "Aber der Markt ist in Bewegung", sagt Ewen. Die Preise und Tarife könnten sich in den nächsten Wochen auch wieder ändern.

Von Anbietern, die mit Sofortbonus arbeiten und noch gleich den Grill oben drauf packen, raten wir ab.

Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen

Prinzipiell gelte: Wer beim jetzigen Grundversorger bleibe, also der SWB, der könne auch dort in andere Tarife wechseln. Der Grundversorgungsvertrag könne dabei innerhalb von zwei Wochen gekündigt werden. Ein anderer Tarif gehe allerdings mit einer Vertragsbindung von in der Regel einem Jahr einher.

Was sollten Kunden beim Anbieterwechsel beachten?
Ob es zu weiteren Fällen kommt, bei denen Stromkunden wie im Falle Stromio, Immergrün oder Meisterstrom oder Gaskunden wie zuletzt im Falle Gas.de mit plötzlichen Vertragskündigungen rechnen müssen, ist offen. "Das Prozedere bei Gas- und Stromkunden ist aber identisch", sagt Ewen.

Damit Kunden nicht an möglicherweise unseriöse Anbieter geraten, gibt die Verbraucherschützerin allerdings einige Empfehlungen. So gebe es aktuell eine Tendenz, dass Anbieter versuchten, sich durch höhere Abschlagszahlungen einen finanziellen Spielraum zu verschaffen. "Sich darauf einzulassen, da können wir nur von abraten", sagt Ewen. "Auch von Anbietern, die mit Sofortbonus arbeiten und noch gleich den Grill oben drauf packen, raten wir ab."

Bei der Auswahl auf Vergleichsportalen sollten Wechselwillige zudem darauf achten, die Häkchen bei den Voreinstellungen der Portale rauszunehmen, die Anbieter ausschließen, zu denen man nicht direkt über das Portal wechseln könne. "Da fallen sonst auch viele Stadtwerke heraus, die auch nach Bremen liefern", sagt Ewen.

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Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Januar 2022, 19:30 Uhr