Bremen will geplante Steuerentlastungen im Bundesrat ablehnen

Auf Geldscheinen steht ein Stempel mit dem Schriftzug Steuerentlastung

Geplante Steuerentlastungen : Bremen sagt vorerst "Nein"

Bild: Imago | Steinach
  • Bremen lehnt Steuerentlastungsgesetz in jetziger Form ab
  • Grund ist laut Bürgermeister Bovenschulte die geplante Lastenverteilung
  • Bürgerinnen und Bürger sollen unter anderem wegen stark gestiegener Energiekosten entlastet werden

Bremen wird am Freitag im Bundesrat den Entwurf des Steuerentlastungsgesetzes in seiner jetzigen Form ablehnen. Das hat Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur angekündigt. Es sei richtig, die Bürgerinnen und Bürger angesichts der stark gestiegenen Energiekosten und der hohen Inflation zu entlasten, sagte er. "Aber: Bremen muss selbst jeden Euro zweimal umdrehen. Deshalb können wir Mindereinnahmen in Höhe von fast 100 Millionen Euro alleine in diesem Jahr nicht zustimmen."

Der Gesetzentwurf sieht Entlastungen in zweistelliger Milliardenhöhe für die Bürger vor. Davon sollen 60 Prozent die Länder und Kommunen tragen und 40 Prozent der Bund. Bremen will eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes erreichen. Das vom Bundestag beschlossene Steuerentlastungsgesetz bedarf der Zustimmung des Bundesrates, um in Kraft treten zu können. Vorgesehen sind unter anderem eine einmalige steuerpflichtige Energiepreispauschale von 300 Euro für aktiv tätige Erwerbspersonen, ein Kinderbonus, eine frühere Erhöhung der Pendlerpauschale und eine Anhebung des Grundsteuerfreibetrages.

Bovenschulte sieht Adenauers Lastenausgleich von 1952 als Vorbild

Das Land Bremen erhält Sanierungshilfen vom Bund zur Konsolidierung seines Haushaltes und muss im Gegenzug strenge Auflagen erfüllen. Angesichts dessen sind die Mindereinnahmen nicht zu verkraften.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte gibt ein Interview
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte

Für Bremen bedeute das Gesetz allein in diesem Jahr Mindereinnahmen von 96 Millionen Euro, rechnete Bovenschulte vor. Er warb dafür, die Kosten der Pandemie und des Krieges in der Ukraine solidarisch zu tragen. Notwendig sei ein Lastenausgleich zwischen denen, die gut und denjenigen, die weniger gut durch die Krise gekommen seien.

"Starke Schultern müssen mehr tragen und schwache Schultern weniger. Andernfalls gefährden wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt", warnte der SPD-Politiker. Als historisches Vorbild nannte Bovenschulte den früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer. Dieser hatte 1952 einen Lastenausgleich zur Bewältigung der Kriegsfolgen durchgesetzt.

Das Energie-Entlastungspaket der Bundesregierung im Überblick

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 18. Mai 2022, 7 Uhr