Unterkunft für Geflüchtete entsteht im früheren Jobcenter Bremerhaven

Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Schon jetzt zählt Bremerhaven mehr Schutzsuchende als insgesamt erwartet wurden. Helfer haben nun im ehemalige Jobcenter eine weitere Unterkunft hergerichtet – ein emotionaler Job.

Seit gut drei Wochen herrscht Krieg in der Ukraine. Und mit jedem weiteren Tag flüchten mehr Ukrainerinnen und Ukrainer aus ihrer Heimat. Auch in Bremen und Bremerhaven suchen viele Menschen Schutz. Für die Seestadt hat der Magistrat zu Beginn des Krieges mit etwa 800 Geflüchteten gerechnet. Jetzt sind es bereits 850. Damit die Menschen angemessen untergebracht werden können, hat der Katastrophenschutz der Stadt innerhalb weniger Stunden das ehemalige Jobcenter zur Unterkunft umgebaut.

Das Gewusel ist groß. In den Fluren huschen ununterbrochen Menschen in Zimmer, kommen wieder raus, rufen über den Gang. Es muss schnell gehen. Etwa 100 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bauen in den einzelnen Zimmern Möbel zusammen. 120 neue Plätze sollen hier entstehen – und noch am gleichen Tag genutzt werden. Ein Kraftakt, erklärt Sören Makel, der Leiter des Bremerhavener Katastrophenschutz.

Selbstverständlich ist das hier kein Einsatz, der nach wenigen Stunden beendet ist. Wir sind jetzt seit zwei Wochen im Einsatz für diese Lage. Es sind dieselben Kräfte, die Tag für Tag da sind und dafür einstehen, dass wir diese Schutzsuchenden unterbringen können.

Sören Makel, Leiter Katastrophenschutz Bremerhaven

Dritte große Einrichtung in Bremerhaven

Ein Mann in Feuerwehr-Uniform steht in einem leeren Raum.
Sören Makel ist Leiter des Katastrophenschutzes in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Die Unterkunft im ehemaligen Jobcenter ist die dritte große Einrichtung, die in Bremerhaven entsteht. Im Integrationszentrum in der Wiener Straße ist Platz für fast 90 Schutzsuchende. In der extra umgebauten Hans-Gabrich-Halle im Stadtteil Leherheide gibt es zudem eine Notunterkunft für bis zu 200 Menschen.

Der Katastrophenschutz hier verantwortet, dass diese Unterkünfte möglichst menschlich eingerichtet sind. Wir wollen die Leute hier empfangen. "Willkommen in Bremerhaven" ist unser Motto. Dafür arbeitet jede einzelne Kraft, dass wir hier gute Bedingungen haben, um die Leute unterzubringen.

Sören Makel, Leiter Katastrophenschutz Bremerhaven
Mehrere Männer in Uniform bauen Regale auf.
Zahlreiche Möbel müssen aufgebaut werden. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Weil sehr viele Kinder in Bremerhaven ankommen, gibt es in der neuen Unterkunft auch spezielle Spielzimmer. Daneben werden Stillzimmer für Mütter eingerichtet. Ebenso Räume, in denen Integrationskurse angeboten werden. Florian Busch ist einer der Freiwilligen, die mit anpacken. "Wir sind eigentlich aus Bremen Zentrum hergekommen", erklärt der Helfer. "Das ist hier in Einsatzabschnitte unterteilt und wir kümmern uns nur darum, die Möbel, die den Räumen zugeordnet sind, aufzubauen."

An jedem der Zimmer hängt eine Liste mit den Gegenständen, die aufgebaut werden müssen. Etwa Tische, Betten, Regale oder Lampen. Jochen Soot ist derjenige, der dafür gesorgt hat, dass all die Dinge überhaupt da sind.

Es fängt an bei einem Tisch oder einem Klappstuhl. Da muss man wirklich mehrere Händler abfragen, damit man Material überhaupt noch noch bekommt. Die Betten zu bekommen, war auch nicht so einfach, es sollen ja vernünftige Betten sein. Das ist halt ganz viel Kleinmaterial, was wirklich eine Herausforderung war.

Jochen Soot, Zugführer beim THW Bremerhaven

Helfer bewegen persönliche Schicksale

Ein Mann mit Maske und Rettungsuniform steht in einem Treppenhaus.
Jochen Soot ist für die Logistik zuständig. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Die ersten Menschen leben schon seit Ende letzter Woche im ehemaligen Jobcenter. Eine Etage wurde bereits hergerichtet. Und bei all der logistischen Arbeit, die etwa Soot zu erledigen hat, bewegen ihn auch die persönlichen Schicksale.

Das nimmt einen mit wenn man sieht, was dort an Leid angerichtet wird und was die zu verarbeiten haben. Der jüngste Bewohner hier im Haus ist vier Tage alt, auf der Flucht geboren. Das sind wirklich Sachen, die einem nahe gehen.

Jochen Soot, Zugführer beim THW Bremerhaven

Aktuell sind laut der Stadt Bremerhaven offiziell rund 850 Flüchtlinge aus der Ukraine in Bremerhaven angekommen. Etwa die Hälfte davon ist schon in Wohnungen untergekommen. Die Restlichen werden vorerst in Unterkünften wie dem ehemaligen Jobcenter untergebracht.

Ankunft in Bremen: Ukraine-Flüchtlinge kommen in Messehalle unter

Bild: Radio Bremen

Autor

  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. März 2022, 19:30 Uhr